Energie und Erholung dank Salzburgs „Canal Grande“

Almkanal ist Lebensader, sorgt für Freizeitspaß und erzeugt immer mehr Strom / Jährlicher Herbstputz gestartet

Salzburger Landeskorrespondenz, 13. September 2022

(LK)  Er gehört zur Stadt Salzburg wie die Festung oder die Getreidegasse: der Almkanal. Einst als wichtiger Zubringer für Frisch- und Brauchwasser genutzt, ist er heutzutage vor allem sozialer Treffpunkt und Naherholungsgebiet. Er treibt aber auch immer noch zahlreiche Klein-Kraftwerke zur Stromerzeugung an – und es werden mehr.

Eines der ältesten Wasserleitungssysteme Mitteleuropas braucht für seine Erhaltung eine jährliche Wartung, die sogenannte Almabkehr. Dafür wird der Wasserzufluss aus der Königsseeache beim Kraftwerk Hangendenstein (Grödig) abgesperrt und danach das insgesamt 18 Kilometer lange Kanalbett von Sand, Geröll und Unrat gereinigt sowie Instandhaltungsarbeiten durchgeführt. Diese Reinigung des teils unterirdisch in den Felsen geschlagenen Wasserlaufs dauert bis zu drei Wochen und hat vor Kurzem wieder begonnen.

19 Kraftwerke

Der oberirdische Verlauf des Almkanals ist vor allem durch seine Kopfweiden entlang des Ufers gut zu erkennen – oder auch an den sommerlichen Badegästen. Im Bereich der Stadt Salzburg teilt sich der Hauptfluss in vier Arme auf, den Sinnhub-, den Neutor-, den Müllner und den Stiftsarm. Dieser führt unterirdisch durch den Mönchsberg und aufgefächert durch die Salzburger Altstadt hin zur Salzach. Insgesamt gibt es entlang seines Laufes 17 Kraftwerke – teils sichtbar, teils versteckt und unauffällig. Ein neues entsteht gerade im Bereich der Leopoldskronstraße an der Ecke Sinnhubstraße.

Schwaiger: „Jedes Potenzial nutzen.“

„Die Nutzung des Almkanals als Energiequelle ist zwar nur ein Baustein für eine nachhaltige und vom ausländischen Energiemarkt unabhängige Stromerzeugung. Aber je mehr solcher regionaler und teils privater Initiativen es gibt, desto besser ist es für das Gesamtergebnis“, so Landesrat Josef Schwaiger. „Wir können es uns nicht mehr leisten, Potenziale ungenutzt zu lassen – das gilt für die Wasserkraft genauso wie für die Windenergie. Wir werden beides brauchen“, fügt Schwaiger hinzu.

Wasserkraftberater hilft

Um derartige Kleinwasserkraftwerke wie am Almkanal auch an anderen Standorten schneller und einfacher umsetzen zu können, wurden in den vergangenen Jahren Verfahrensvereinfachungen im Rahmen des Wasserrechts vorangetrieben. Zusätzlich gibt es einen Wasserkraftberater, der Interessenten bei der Umsetzung zur Seite steht. Von der Wasser-Abteilung des Landes werden regelmäßig „Planer- und Betreibertage“ veranstaltet, um frühzeitig über die aktuelle Förderlandschaft oder zu Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplänen zu informieren.

Energiequelle für die ganze Stadt

Insgesamt erzeugt der Almkanal mit seinen derzeitigen Kraftwerken im Jahr rund 8,5 Gigawattstunden – in etwa der Strombedarf von 2.400 Haushalten. Zu den Erzeugern zählen unter anderem das Eichetwerk der Salzburg-AG (ältestes Wasserkraftwerk Salzburgs), das Notstromaggregat der Stadt Salzburg, die Stiftsmühle St. Peter mit der Schaumühle oder auch das Kraftwerk der Stieglbrauerei in der Pulvermühle bei der Abzweigung des Sinnhubarms, von der ein zwei Kilometer langes Privatkabel zur Brauerei verlegt ist.

©Land Salzburg / Franz Neumayr

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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