250 Millionen Euro für den Hochwasserschutz in Salzburg

20 Jahre danach / Jahrhundertflut 2002 war Schock und Initialzündung / 50.000 Menschen wurden seither bestmöglich geschützt

Salzburger Landeskorrespondenz, 02. August 2022

(LK)  „2002. Diese Jahrhundertflut hat sich in den Köpfen der Salzburger eingeprägt. Es ging um Leib und Leben, aber auch um wirtschaftliche Existenzen. Diese Katastrophe war ein Schock, aber auch eine wichtige Initialzündung für lebensrettende Hochwasserschutzmaßnahmen im ganzen Bundesland. Seither wurden rund 250 Millionen investiert, fast 50.000 Personen und 13.000 Objekte bestmöglich vor den Fluten geschützt und es wurde damit ein Schaden von 430 Millionen Euro verhindert“, fasst Landesrat Josef Schwaiger zusammen.

Der Sommer 2002 ging in Salzburg in die Geschichte ein. Die Salzach und Saalach reißende, braune Flüsse, Rekordpegelstände an mehreren Stellen. Die Katastrophe forderte Todesopfer und richtete enormen Schaden an. Zahlreiche Regionen waren betroffen, hauptsächlich die Stadt Salzburg, Hallein, Golling, Kuchl und Abtenau. Auch Saalfelden und Saalbach sowie Thalgau, Oberndorf und Teile des Lungaus wurden schwer mitgenommen. „Salzburg war erschüttert und es war schnell klar: Wir müssen viel tun, um weiter hier leben zu können. Und genau das haben wir gemacht und werden dies auch weiterhin tun“, erinnert sich Landesrat Josef Schwaiger.

Schwaiger: „Initialzündung für den Hochwasserschutz.“

Die Katastrophe und massive Zerstörung 2002 war gleichzeitig aber auch der Beginn eines umfassenden und professionellen Hochwasserschutzes im gesamten Bundesland. „Ich kann mich noch gut erinnern, wie dann vieles möglich wurde, das bis dahin undenkbar schien. Fest steht: Diese rund 250 Millionen Euro, die seither in Schutzmaßnahmen investiert wurden, retten Leben und Existenzen. Wir konnten mit Hilfe des Bundes und der Gemeinden sowie Interessenten Salzburg sicherer machen. Aber die Arbeit wird uns nicht ausgehen, denn die Herausforderungen werden durch Extremwetterereignisse immer größer und 100prozentige Sicherheit wird es nie geben“, betont Schwaiger.

Profis setzten neue Wege um

20 Jahre nach der Jahrhundertflut wird auch immer deutlicher, dass sich der Salzburger Weg auszahlt. „Im wahrsten Sinne des Wortes, denn: Ohne Schutzmaßnahmen wären bei einem hundertjährlichem Hochwasser Schäden in der Höhe von rund 430 Millionen Euro entstanden – das haben unsere Experten ausgerechnet. Es ist also jeder Cent in Schutzmaßnahmen gut investiert. Und unsere Profis haben Hervorragendes geleistet, wenn es um die ökologische und ökonomische Vereinbarkeit geht. Oft wird dem Wasser wieder mehr Platz gegeben, es entstehen gleichzeitig Naherholungsgebiete und ökologisch wertvolle Flusslandschaften – das ist ein Dreifach-Jackpot“, betont Schwaiger.

Eckpunkte zum Hochwasserschutz seit 2002

  • Investition: rund 250 Millionen Euro. 185 Millionen Euro Bund, 28 Millionen Euro Land Salzburg und 37 Millionen Interessenten wie Gemeinden und Genossenschaften.
  • Ohne Schutzmaßnahmen: Schadenssumme bei 100-jährlichem Hochwasser rund 430 Millionen Euro.
  • Durch die Schutzmaßnahmen profitieren insgesamt fast 50.000 Menschen und rund 13.000 Objekte direkt, das gesamte Bundesland indirekt.
  • Die Schlüsselprojekte 2002 bis 2022: Hochwasserschutz für Zell am See und Bruck (20 Millionen Euro), Golling (16 Millionen Euro), Hallein (15 Millionen Euro), Mittersill (14,5 Millionen Euro) und Altenmarkt (10 Millionen Euro). Der Hochwasserschutz für die Stadt Salzburg kostete rund sechs Millionen Euro, 25.000 Betroffene und 7.500 Objekte wurden bestmöglich geschützt.
  • Die wichtigsten Schutzprojekte in den kommenden Jahren: Bad Hofgastein (22 Millionen Euro), Seekirchen (15 Millionen Euro), Neumarkt (5 Millionen Euro). Tamsweg (5 Millionen Euro), Straßwalchen (4 Millionen Euro), Wald und Grödig (2 Millionen Euro) sowie die Tauerntäler als Einzugsgebiet für die Salzach im Oberpinzgau, wo die Gespräche mit den Grundstückeigentümern intensiv geführt werden.

Totschnig: „185 Millionen Euro für Salzburg.“

Bundesminister Norbert Totschnig dazu: „Mein Ressort investiert seit vielen Jahren in den Schutz der Salzburger Bevölkerung. Seit 2002 haben wir 185 Millionen Euro an Bundesmitteln für zahlreiche Hochwasserschutzprojekte bereitgestellt. So haben wir auch ökologische Fortschritte erzielt und die Erlebbarkeit der Gewässerlebensräume für die Bevölkerung verbessert. Es gibt aber noch viel zu tun, daher wird mein Ressort das Land Salzburg auch in Zukunft bei der Umsetzung dieser wichtigen Projekte in bewährter und partnerschaftlicher Weise unterstützen, denn: Die Kraft des Wassers ist nicht zu unterschätzen. Darum haben wir österreichweit mehr als zwei Milliarden Euro an Bundesmitteln für umfangreiche Schutzmaßnahmen ausgegeben. Jeder Euro, den wir für Hochwasserschutzprojekte aufwenden, ist eine Investition in mehr Sicherheit.“

Rosner: „Gewinn für Mensch und Natur.“

Dominik Rosner, Leiter der Abteilung Wasser beim Land Salzburg, beschreibt die neuen Wege, die Salzburg beim Hochwasserschutz gegangen ist, so: „An oberster Stelle steht natürlich der Schutz der Menschen, doch wir können damit noch viel mehr erreichen. Verbauen und Einengen sind nicht mehr zeitgemäß. Jetzt wird dem Wasser wieder mehr Platz gegeben, renaturiert. Das hat drei wichtige Effekte: Rückhaltebereiche, ob technisch oder natürlich sowie die Sicherung und Ausbau der Gewässerabflussbereiche schützen vor den Fluten, Pflanzen und Tiere erobern Lebensräume zurück und die Menschen können das Wasser in ihrer Region erleben“, so Rosner.

Arbeit wird unermüdlich fortgesetzt

„Wir können heute 20 Jahre nach 2002 nur eine Zwischenbilanz ziehen, auf dem Erreichten ausruhen können wir uns nicht. Klimawandel und Extremwetterereignisse treffen uns aufgrund der Topgraphie in Salzburg schwer“, so Landesrat Josef Schwaiger. Nur 20 Prozent der Landesfläche seien besiedelbar und Schwaiger betont: „Diese müssen wir bestmöglich schützen, mit den neuesten Methoden. Zum Beispiel wurden im Oberpinzgau alle technischen Möglichkeiten im Talboden ausgeschöpft. Hätten wir das nicht getan, hätte der Starkregen im Sommer 2021 zu einer riesigen Katastrophe geführt, der Schaden wäre noch viel größer gewesen. Daher führen wir seit Wochen intensive Gespräche mit den Grundstückseigentümern in den Seitentälern, wo laut Experten noch Potenzial für die Rückhaltung von Wasser besteht. Die Gespräche sind sehr konstruktiv, alle Beteiligten sind bemüht und dafür bin ich sehr dankbar. Gemeinsam werden wir Lösungen finden“, so Schwaiger.

© Land Salzburg / Franz Neumayr
© Land Salzburg

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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