„Carla und KAVE auf Spurensuche“ Die KiJA OÖ unterstützt Kinder in Einrichtungen bei der Biografie-Arbeit

In Oberösterreich sind derzeit ca. 950 Kinder zwischen 5 und 18 Jahren in insgesamt 79 sozialpädagogischen Wohngruppen untergebracht.  Die Kinder- und Jugendanwaltschaft des Landes (KiJA OÖ) bietet diesen Kindern mit dem Projekt „KAVE – Kinderanwaltliche Vertrauensperson“ eine unabhängige und externe Ansprechstelle. Dazu finden seit sechs Jahren persönliche Besuche vor Ort statt. Darüber hinaus werden von den KiJA-Vertrauenspersonen individuelle Beratungen auch via WhatsApp, Mail oder Telefon durchgeführt. Bei allen Kontakten zeigt sich, dass Fragen wie: „Warum bin ich in der WG?“ und „Wie lange muss ich hierbleiben?“ für die Kinder und Jugendlichen auch noch nach Jahren von zentraler Bedeutung sind.

„Kinder, die nicht bei ihren Familien aufwachsen können, haben das in der Bundesverfassung verankerte Recht auf besonderen Schutz und Beistand des Staates“, so die Kinder- und Jugendanwältin des Landes OÖ, Christine Winkler-Kirchberger. „Die Mitarbeiter/innen der behördlichen Kinder- und Jugendhilfe sowie der sozialpädagogischen Einrichtungen bieten ihnen qualitätsvolle Unterstützung und individuelle Fürsorge. Die KiJA OÖ steht den jungen Menschen ergänzend zur Seite, mit dem Ziel, das Recht auf Mitsprache zu stärken und positiv zu einem gewaltfreien Lebensumfeld beizutragen“.

Das Mitmachbuch „Carla & KAVE auf Spurensuche“ wurde im Zusammenwirken mit Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen gestaltet und soll einen Beitrag leisten, sich mit der eigenen Geschichte auseinandersetzen und diese ein bisschen besser verstehen zu können. Es bietet auch ausreichend Raum, um eigene Gedanken in Form von Zeichnungen oder Texten aufs Papier zu bringen. „Wünschenswert ist, dass das Kind beim Lesen Unterstützung von einer vertrauten Bezugsperson erhält, die den Prozess begleitet und Fragen beantworten kann,“ so die Autorin und kinderanwaltliche Vertrauensperson Manuela Brendel, MA. Sie ergänzt mit Blick auf das Ende der Geschichte: „Ganz wichtig war uns bei der Erzählung, dass die jungen Leser/innen das Gefühl bekommen, dass sie nicht allein sind und dass sie trotz ihrer schwierigen Lebensgeschichte alle Möglichkeiten haben, für sich ein gutes Leben zu führen!“

Junge Menschen, die von ihrem Zuhause in eine Einrichtung wechseln, befinden sich häufig in einem Ausnahmezustand. Meist gibt es im Vorfeld schwierige familiäre Verhältnisse, Konflikte und Verlusterfahrungen. Dazu kommt die Umstellung auf ein völlig anderes Wohnumfeld mit neuen Bezugspersonen und die Trennung vom bisherigen System. Bei sehr vielen Kindern entsteht so das Gefühl, daran selbst schuld zu sein oder kein gutes Leben verdient zu haben. Im Zuge dieser Lebenskrise können betroffene Kinder und Jugendliche die Informationen, die ihnen von Verwandten und Betreuungspersonen – zumeist nur verbal – vermittelt werden, nur zum Teil aufnehmen oder verstehen. Selbst wenn die Maßnahme eine wesentliche Verbesserung der Lebenssituation bringt oder zum Schutz vor Gewalt und Missbrauch notwendig ist, bleibt die Bindung an die Herkunftsfamilie ein Leben lang bestehen, im Positiven wie im Negativen. Diese Bindung und die daraus resultierende Verunsicherung wirkt umso mehr, je weniger die eigene Geschichte und die Verantwortlichkeiten für die derzeitige Situation klargelegt und aufgelöst werden können.

Das Mitmachbuch wird den sozialpädagogischen Einrichtungen in Oberösterreich im Rahmen der Besuche der kinderanwaltlichen Vertrauenspersonen der KiJA kostenlos zur Verfügung gestellt.

V.l.: Oö. Kinder- und Jugendanwältin Christine Winkler-Kirchberger, Kinderanwaltliche Vertrauensperson Manuela Brendel MA mit Kind.
© Land OÖ/Tina Gerstmair
Carla + KAVE auf Spurensuche Titelblatt.
© Sarah Seidel/sub. Communication design

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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