Salzburgs Sozialsystem erwies sich auch 2021 als krisenfest

Budget mit 458 Millionen Euro um 4,3 Prozent höher als 2020 / Mehr Bedarf in Kinder- und Jugendhilfe / Rückgang bei Sozialunterstützung

Salzburger Landeskorrespondenz, 19. Juli 2022

(LK)  „Nur mit dem großen Einsatz vieler Personen konnten wir die vergangenen zwei Jahre der Pandemie stemmen. Mit dieser gebündelten Kraft haben unser Gesundheits- und Sozialsystem den immensen Belastungen standgehalten und tun dies weiterhin“, so Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn anlässlich der Präsentation des Sozialberichts für das Jahr 2021.

„Ich bin beeindruckt, dankbar und stolz auf das, was unser Sozialsystem in Salzburg ist: ein stabiles Netz, das großen Belastungen standhält und stets weiterwächst“, so Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn und fügt bei der Präsentation des Sozialberichts für das Jahr 2021 hinzu: „Hinter den Zahlen und Statistiken stehen Menschen, die viel an Hilfe und Unterstützung für ihre Mitmenschen geleistet und ermöglicht haben – denen möchte ich danken.“

Schellhorn: „Dichtes, soziales Netz.“

Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn blickt nicht nur auf 2021 zurück, sondern auch nach vorne. „Der Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Teuerungen, die Inflation wie auch die Energiesorgen haben konkrete Auswirkungen auf die Menschen in Salzburg. Wir versuchen alles, dass unser bewährtes soziales Netz so dicht bleibt wie es ist und jene Menschen Unterstützung bekommen, die sie wirklich brauchen“, so Schellhorn. 

Eichhorn: „Stark, auch in der Krise.“

„Wir konnten viel von dem, was wir aus dem ersten Pandemie-Jahr gelernt haben, auch für 2021 nutzen. Nichts desto trotz mussten unsere Systeme flexibel angepasst werden“, betont Andreas Eichhorn, Leiter der Sozialabteilung. „Auch in Zeiten von Lockdowns und höchsten Infektionsgeschehens ist es aber gelungen, eine qualitativ hochwertige Versorgung für Menschen in unserem Bundesland sicherzustellen sowie ein starkes Sozialsystem zu gewährleisten“, resümiert Eichhorn.

Soziale Eckpunkte 2021 im Überblick

  • 457,9 Millionen Euro für Soziales
  • Das sind 14,3 Prozent aller Gesamtauszahlungen des Landes
  • Plus 4,2 Prozent im Vergleich zu 2020
  • Fast die Hälfte für Pflege und Betreuung (49,6 Prozent)
  • Über ein Viertel (28,1 Prozent) für die Teilhabe (Hilfen für Menschen mit Behinderungen)
  • 11 Prozent für die Kinder und Jugendhilfe
  • 8,2 Prozent für die Sozialunterstützung (bis 2020 Mindestsicherung)
  • 3 Prozent für die Grundversorgung

Moderne Zuhause für Senioren

Im Bundesland Salzburg werden laufend Seniorenwohnhäuser saniert, erneuert beziehungsweise erweitert. So wurde 2021 in Rauris eine solche Einrichtung nach dem Hausgemeinschaftsmodell eröffnet und in Taxenbach, Henndorf und Schwarzach der Neubau begonnen. 2021 wurden zum Jahresende hin mehr Menschen in Seniorenwohnhäusern betreut als im Vorjahr. „Dies kann dadurch begründet werden, dass Ende 2020 im Lockdown kaum beziehungsweise nur relativ wenige Aufnahmen stattgefunden haben“, erklärt Eichhorn.

Unterstützung für pflegende Angehörige

„Eines der Ziele in den vergangenen Jahren war, Salzburgerinnen und Salzburger, die ihre Familienmitglieder zu Hause pflegen, regelmäßig zu entlasten und zu unterstützen. Das ist auch 2021 gelungen und wir konnten weitere Angebote schaffen“, so Schellhorn. So wurde die kostenlose Pflegeberatung des Landes personell ausgebaut und eine neue Beratungsstelle in St. Johann eröffnet. Das Team der Pflegeberatung wurde um drei Personen erweitert. Auch der mobile Dienst Angehörigenentlastung, die 2020 startete, wurde ausgebaut. „Mehr und mehr Angehörige wie auch Seniorinnen und Senioren nehmen die unterschiedlichen mobilen Dienste in Anspruch. Davon leben rund 85 Prozent alleine im Haushalt und bekommen damit wichtige und unterstützende Betreuung“, fügt Schellhorn hinzu.

Starker Rückgang bei Sozialunterstützung

Der Rückgang der durch Sozialunterstützung entlasteten Bedarfsgemeinschaften setzte sich im Jahr 2021 stärker fort als in den vergangenen Jahren. Mit 3.399 sind das rund 17,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch die Zahl der unterstützten Personen ging von 2020 auf 2021 landesweit um knapp ein Viertel (23 Prozent) von 7.150 auf 5.503 Personen zurück. Im Bezirksvergleich sieht dieser Rückgang wie folgt aus: 

  • Tamsweg: minus 34,7 Prozent
  • Hallein: minus 31 Prozent
  • Salzburg-Umgebung: minus 27,6 Prozent
  • Zell am See: minus 26,5 Prozent
  • St. Johann im Pongau: minus 21,6 Prozent
  • Salzburg-Stadt: minus 20,1 Prozent

Bewusstseinskampagne zeigt Wirkung

Die Anzahl der Gefährdungsabklärungen in der Kinder- und Jugendhilfe, also die Einschätzung, ob das Kindeswohl bedroht ist, hat 2021 gegenüber dem Vorjahr um 23 Prozent zugenommen. „Das Bewusstsein, dass Gewalt gegen Kinder und Jugendliche nicht toleriert werden darf, ist offenbar gestiegen. Zusätzlich hat die landesweite Bewusstseinskampagne ‚Gewaltschutz in der Erziehung‘ zur Sensibilisierung beigetragen“, berichtet der Leiter der Sozialabteilung.

Familien-Unterstützung ausgebaut

Aus dem Sozialbericht geht hervor, dass 2021 trotz der Pandemie die Leistungen und Angebote wie individuelle Erziehungshilfen, Elternberatungen oder Jugendnotschlafstellen, bestmöglich aufrechterhalten werden konnten. Die Zahlen der Unterbringungen von Kindern und Jugendliche in sozialpädagogischen Einrichtungen (433) und bei Pflegeeltern (247) sind unverändert stabil geblieben. In der ambulanten Unterstützung wurde der planmäßige Ausbau weiter fortgesetzt. Sowohl die Einzelbetreuung, die Familienhilfe, die aufsuchende sozialpädagogische Familienbetreuung oder die Unterstützung der Tagesbetreuung wurden 2021 von über 2.000 Kindern und Jugendlichen beziehungsweise deren Familien in Anspruch genommen (2020: waren es rund 1.800).

Zukünftige Aufgaben

„Unsere große Herausforderung nach der Covid-Krise ist es bestimmt, wirksame Maßnahmen gegen die Teuerung zu finden und im Sozialbereich besonders die einkommensschwachen Haushalte zu entlasten. Auch der Fachkräfte-Mangel ist ein Thema, an dem wir momentan an vielen Schrauben drehen, um entgegensteuern zu können“, gibt Schellhorn Ausblick auf zukünftige Herausforderungen. „Es ist auch eine Aufgabe der Sozialpolitik dafür zu sorgen, dass Arbeitnehmende nicht ausbrennen. Gerade diese Arbeit mit Mehrwert – wie zum Beispiel im Pflegebereich – muss uns mehr Wert sein und daran arbeiten wir“, betont Schellhorn.

©Land Salzburg / Franz Neumayr

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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