Arbeitslose Frauen extrem von Armut bedroht – gendergerechte

Reform der Arbeitslosenversicherung dringend nötig!

Das durchschnittliche Arbeitslosengeld (ALG) liegt für beide Geschlechter deutlich unter der Armutsgefährdungsschwelle. Jenes der Oberösterreicher im Schnitt um 182 Euro, jenes der Oberösterreicherinnen sogar um 440 pro Monat. Um Armut effizient zu bekämpfen zu können, ist eine Anhebung der Nettoersatzrate von 55 auf mindestens 70 Prozent des letzten Arbeitseinkommens längst überfällig. „Das reicht aber bei weitem nicht aus. Die Benachteiligungen in der Arbeitswelt setzt Frauen bei Arbeitslosigkeit einem hohen Armutsrisiko aus. Wir fordern eine umfassende gendergerechte Arbeitslosenversicherungs-Reform, die vor allem die erschreckend dürftige soziale Absicherung arbeitsloser Frauen verbessert“, sagt AK-Präsident Andreas Stangl.

Ein arbeitsloser Oberösterreicher bekam 2021 im Durchschnitt 1.189 Euro Arbeitslosengeld, eine Oberösterreicherin gerade einmal 931 Euro, um 259 Euro bzw. 21,7 Prozent (!) weniger. Dieser Unterschied liegt auch weit über dem Österreichdurchschnitt von 201 Euro bzw. 17,3 Prozent. An Notstandshilfe erhielten Frauen in Oberösterreich im Vorjahr durchschnittlich nur 840 Euro, Männer 1.013 Euro.

Die Armutsgefährdungsschwelle in Österreich liegt mit 1.371 Euro für einen Einpersonenhaushalt weit über diesen Beträgen. Kein Wunder also, dass rund 57 Prozent der ganzjährig Arbeitslosen  – das sind 112.000  Menschen – armutsgefährdet sind.

Der Hauptgrund sind die niedrigeren Erwerbseinkommen der Frauen, die mehrere Ursachen haben. Die wichtigste ist die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung: Frauen arbeiten wesentlich häufiger als Männer in schlechter bezahlten Dienstleistungsberufen und Niedriglohn-Branchen. Eine weitere ist die extrem hohe Teilzeitquote. Sechs von zehn Oberösterreicherinnen arbeiten in Teilzeit. Das wiederum ist auf den mangelnden Ausbau der Sozialen Dienstleistungen zurückzuführen. Frauen müssen fehlende Kinderbetreuungs- und Pflegeangebote privat ausgleichen und können deshalb oft nicht voll erwerbstätig sein.

Die AK fordert daher eine gendergerechte Arbeitslosenversicherungsreform. Sie muss Männer und Frauen wirksam vor Armut schützen. Dazu braucht es

  • eine Erhöhung der Nettoersatzrate auf mindestens 70 Prozent.
  • eine Erhöhung der Obergrenzen des Ergänzungsbetrags, sodass arbeitslose Personen mit einem Arbeitslosengeld unter dem Ausgleichzulagenrichtsatz auf 80 Prozent bzw., wenn sie auch einen Familienzuschuss beziehen, auf 90 Prozent des letzten Nettoeinkommens kommen.
  • eine Erhöhung des Familienzuschusses, der seit über 20 Jahren (!) nicht angepasst wurde, auf mindestens zwei Euro pro Tag und Kind.
  • Eine sofortige Anhebung der Richtsätze der Sozialhilfe über die Armutsgefährdungsschwelle von aktuell 1.371 Euro.
  • eine zeitliche Verlängerung des Arbeitslosengeld-Bezugs, unabhängig vom Alter. Statt derzeit 20 bis 30 Wochen muss die mögliche Bezugsdauer auf zumindest 39 Wochen erhöht werden.

Die von Arbeitsminister Kocher angekündigt Reform droht in die völlig falsche Richtung zu gehen. „Ein degressives Arbeitslosengeld, dass mit der Länge der Bezugsdauer nach und nach gekürzt wird, lehnen wir ebenso entschieden ab, wie die angedachte Verschärfung der Zumutbarkeitskriterien und eine Beschneidung der Zuverdienstmöglichkeiten arbeitssuchender Menschen. Für die behaupteten positiven Anreizeffekte gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Stattdessen würde der Druck auf Arbeitslose steigen, Jobs unter widrigen Bedingungen und mit schlechter Bezahlung anzunehmen und so ihre Verhandlungsposition geschwächt“, sagt der AK- Präsident.

Zudem fordert Stangl eine Milliarde Euro für den Ausbau der Kinderbildung und -betreuung sowie den massiven Ausbau öffentlicher Pflegeeinrichtungen und des öffentlichen Verkehrs. All das ist nötig, um Frauen ein höheres Arbeitszeitausmaß zu ermöglichen.

Eine ausführliche Unterlage zum Thema finden sie hier. Sie enthält konkrete Fallbeispiele aus der Beratung der AK OÖ. Diese zeigen die größten „Baustellen“, mit denen arbeitssuchende Frauen mit Kindern in Oberösterreich konfrontiert sind.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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