30 Jahre Bezirksabfallverband Vöcklabruck

Letzten Donnerstag feierte der Bezirksabfallverband Vöcklabruck sein 30-jähriges Bestehen im Rahmen einer kleinen Feier. In spannenden Talkrunden aus Politik, Wirtschaft und Abfallberatung wurden die letzten 30 Jahre Revue passiert und ein Blick auf die Herausforderungen und Chancen der getrennten Abfallsammlung in der Zukunft geworfen.

Für ein unterhaltsames Rahmenprogramm sorgten „die drei Mönche“ vom Marktbrettl Lenzing und das Team von Vöcklacussion.

Wer ist der Bezirksabfallverband (BAV) Vöcklabruck?

Der Bezirksabfallverband ist ein im Oö. Abfallwirtschaftsgesetz (Oö. AWG 2009) verankerter Gemeindeverband, bei welchem alle 52 Gemeinden im Bezirk zusammengeschlossen sind.
Der BAV Vöcklabruck ist zuständig für die kommunalen Abfälle aus privaten Haushalten, haushaltsähnlichen Anfallstellen, aus öffentlichen Institutionen wie Schulen/Kindergärten und aus den 14 Altstoffsammelzentren im Bezirk, die im Bezirk Vöcklabruck anfallen.

Neben der Organisation der Sammlung haushaltsnaher Abfälle (Gelber Sack und Rote Tonne), der Sicherstellung einer zeitgerechten und einfachen Entsorgungsmöglichkeit und den laufenden ASZ- Modernisierungen ist der BAV eine hilfreiche Anlaufstelle für Bürger*innen zu allen Themen rund um Abfall, fördert abfallarme Maßnahmen (z.B. Geschirrmobil, Kuchenboxen, Mehrwegbecher etc.), informiert über die laufenden Abfallentwicklungen, sensibilisiert über die Themen Abfallvermeidung, -trennung und -entsorgung im Rahmen von Schulworkshops, Infoveranstaltungen, Messen, Vorträgen, Medienarbeit u.v.m. und setzt diesbezügliche Projekte um.

Alle oberösterreichischen Bezirksabfallverbände und die 3 Statutarstädte bilden gemeinsam die OÖ Umweltprofis.

30 Jahre BAV Vöcklabruck – ein Rückblick

In den letzten 30 Jahren hat der BAV die gesetzlichen Entwicklungen mitgestaltet und umgesetzt. Zu Beginn konzentrierten sich die Aufgaben des BAV hauptsächlich auf die Deponiestandortsuche und den Aufbau der Altstoffsammelzentren, sodass die Bürger*innen überhaupt eine Möglichkeit bekamen, ihre Abfälle umweltgerecht zu entsorgen. Die Einführung und Umsetzung der

Verpackungs-Verordnung in den Gemeinden im Herbst 1993, bei denen ca. 450 neue Sammelstellen in den Gemeinden einzurichten waren, stelle uns vor große Herausforderungen. Seither wird die kommunale Abfallsammlung laufend angepasst, um eine zeitgerechte, sichere und vor allem bestmögliche Verwertung (Vermeidung/Recycling) der Abfälle zu garantieren und die Entsorgungskosten auf einem möglichst niedrigen Niveau zu halten.

Als Beispiel lässt sich hier die Unterscheidung zwischen „Sperrigen Abfällen“ und „Ersatzbrennstoffen“ nennen. Seit in den ASZ „Ersatzbrennstoffe (EBS)“ als eigene Abfallart gesammelt werden, können jährlich Kosten von rund EUR 100.000 eingespart werden.
Vor der Einführung der Sammlung „Ersatzbrennstoffe“ wurden die dafür geeigneten Abfälle nämlich als „Sperrige Abfälle“ gesammelt. Die Kosten für die Entsorgung „Sperriger Abfälle“ ist jedoch deutlich teurer.

Ein weiteres Beispiel ist die Verpackungssammlung in den Altstoffsammelzentren, die in Oberösterreich sehr gut ausgebaut ist. Durch die genaue und sortenreine Trennung der Kunststoff- und Metallverpackungen im ASZ können 90% recycelt werden und somit in neuen Produkten wieder zum Einsatz kommen. Zum Vergleich: die Recyclingquote beim Gelben Sack liegt bei rund 30 – 40%.

Mit ReVital wird den Bürger*innen eine einfache Möglichkeit geboten, abfallarm bzw. umweltschonend zu handeln und gleichzeitig Gutes zu tun: Möbel, Spielsachen, Hausrat oder Elektrogeräte, die nicht mehr gebraucht werden, aber noch voll funktionsfähig sind und keine Beschädigungen haben, können für ReVital abgegeben werden. Im ReVital Shop in Vöcklabruck werden sie dann zu einem guten Preis angeboten. Der ReVital Shop wird von Mitarbeiter*innen der Volkshilfe betrieben, durch den Verkauf der ReVital Produkte werden ihre Arbeitsplätze gesichert.

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ReVital Shop in Vöcklabruck (Industriestraße 33); Foto: Blue Elephant Photography

Weitere Meilensteine der letzten 30 Jahre

Mit Einführung der Verpackungsverordnung (VVO) 1993 bekam der BAV Vöcklabruck nicht nur ein eigenes Büro, sondern nahm 1994 erstmals einen Abfallberater auf. Dessen Aufgabe die Betreuung und Organisation der Sammelsysteme, Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Abfallvermeidung, – trennung, -verwertung und -entsorgung in Gemeinden, Haushalten, Schulen und Kindergärten ist. Außerdem die Erarbeitung und Durchführung von Projekten, Konzepten und Vermeidungsstrategien.

Die MASI (Mobile Alt- und Problemstoffsammelinsel) wurde angekauft – damit hatten auch abgelegenere Gemeinden eine Anlaufstelle um ihre Abfälle abgeben zu können.
1997 wurde die O.Ö. LAVU AG (O.Ö. Landes-Abfallverwertungsunternehmen AG) von den 15 BAVs und 3 Statutarstädte übernommen und der BAV Vöcklabruck kaufte die 13 Altstoffsammelzentren im Bezirk. Das ASZ Frankenmarkt und ASZ Unterach wurden neu gebaut.

1998 wurden die bezirkseinheitliche Altholzsammlung und die Agrar- und Baufoliensammlung eingeführt. Im Jahr 2000 folgte die bezirkseinheitliche Sammlung von Sperrigen Abfällen.
2005 erfolgte ein weiterer ASZ Neubau in Mondsee. Zwei Jahre darauf folgte das ASZ St. Georgen i. A.

Im Jahr 2008 wurde eine zweite Abfallberaterin aufgenommen. Zur Unterstützung der immer wichtiger werdenden Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung zur Abfalltrennung-, vermeidung und -entsorgung in der Bevölkerung.
In den nächsten 10 Jahren folgten weitere ASZ Neu- und Umbauten im Bezirk Vöcklabruck: ASZ Vöcklamarkt, ASZ Frankenmarkt, ASZ Region Hausruck (vorm. ASZ Ottnang a. H.), ASZ Schwanenstadt.

Eine weitere Aufgabe folgte im Jahr 2010 mit Umsetzung des Elektronischen Datenmanagement (EDM). Der BAV nahm den Gemeinden diese gesetzliche Verpflichtung ab und übernahm die

elektronische Mengenaufzeichnung und Erstellung der Jahresbilanzen, sowie die Meldung an das Ministerium.
2013 und 2014 wurde die kostengünstigere Sammlung von Ersatzbrennstoffen eingeführt, zu Senkung der Kosten den Sperrigen Abfällen. Es folgte die Einführung der ReVital-Sammlung in einigen ASZ.

Ein weiterer großer Schritt folgte mit Einführung der Haushaltsnahen Verpackungssammlung im Jahr 2016. Die öffentlichen Sammelinseln in den Gemeinden wurden aufgelassen, stattdessen bekam jeder Haushalt für die Entsorgung von Kunststoff- und Metallverpackungen einen Gelben Sack und eine Rote Tonne für Altpapier und Kartonagen. Die Sammlung von Glasverpackungen verblieb an öffentlichen Standorten in den Gemeinden.

Im Jahr 2017 wurde erstmals mit der Planung des ASZ Neubau Vöcklabruck sowie dem neuen BAV- Büro gestartet. Der Baustart und Eröffnung folgten vier Jahre darauf, 2021. Im Laufe der Jahre wurden stetig ASZ-Sammlungen adaptiert, verbessert und ausgebaut.

Weil es gemeinsam besser geht – Zusammenarbeit auf allen Ebenen

Dass die getrennte Abfallsammlung im Bezirk nicht einfach den Gedanken der reinen Müllentsorgung hat, sondern das Recycling bzw. die bestmögliche Verwertung der Abfälle zum Ziel setzt, ist vor allem der guten politischen Zusammenarbeit aller 52 Gemeinden zu verdanken.
In rund 70 Verbandsversammlungen und 100 Vorstandssitzungen wurde dafür der Weg geebnet. Die bezirksweite Einführung der haushaltsnahen Verpackungssammlung (Gelber Sack und Rote Tonne) im Jahr 2016 oder die gemeindeübergreifende Grün- und Strauchschnittsammlung im Jahr 2021 sind beispielsweise Früchte dieser guten Zusammenarbeit.

26 Jahre leitete Bgm. a. D. Mag. Herbert Brunsteiner als Vorsitzender des Bezirksabfallverbandes Vöcklabruck die Geschicke beim BAV und wirkte wesentlich bei der Gestaltung der kommunalen Abfallwirtschaft mit. Im Dezember 2021 übergab Brunsteiner sein Amt an Manuela Gschwandtner, Vizebürgermeisterin in Gampern:

„Abfälle richtig zu entsorgen, Abfälle in den vorgesehenen Kreislauf zurückzuführen, Abfall zum Wertstoff zu wandeln. Dabei umweltgerecht, ressourcenschonend und gesetzeskonform alle Abläufe zu gestalten und umzusetzen. Das ist unser oberstes Ziel, dafür steht auch der BAV Vöcklabruck. Die Solidarität aller 52 Gemeinden in unserem Bezirk ist hierfür der wahre Kraftstoff, die Energiequelle, um groß gedachte Projekte und neue gesetzliche Vorgaben zielgerichtet und ökonomisch für unsere Bürger*innen umzusetzen. Gemeinsam abfallwirtschaftliche Themen anzugehen – um die Stärke unseres Bezirks wissend – soll auch künftig unser Antrieb sein“, ist ihre Motivation.

Zur Sammlung und Entsorgung unserer Abfälle arbeitet der BAV mit regionalen Entsorgern und Kompostierern zusammen. So kann die Abfallentsorgung auch bei kurzfristigen Änderungen und/oder in Krisenzeiten sichergestellt werden. An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei unseren Partnern für die gute Zusammenarbeit bedanken.

Für eine Bewusstseinsbildung der Bevölkerung sind diverse Informationsquellen natürlich besonders wichtig. Wir sind sehr dankbar, dass wir in unserem Bezirk regionale Medienvertreter*innen haben, die uns mit ihrer Berichterstattung unterstützen und mit ihrer Reichweite wesentlich dazu beitragen, dass die Bevölkerung bestmöglich sensibilisiert wird.

Abfallberatung

Zu den wichtigsten Aufgaben der Abfallberater*innen zählt die Öffentlichkeitsarbeit. Eine Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung für Themen rund um die Abfallvermeidung, -trennung und -verwertung sowie der richtige Umgang mit unserem Abfall und die Wertschätzung unserer Rohstoffe und Ressourcen werden bei Schulterminen, Vorträgen, Infoständen und Messen thematisiert. Die Anforderungen an die Abfallberater*innen sind im Laufe der Jahre gestiegen. Rohstoffsicherung, Konsumverhalten, Klimaschutzaspekte und Energiefragen sind weitere Themen die die Abfallberatung umfassen.

Gemeinsam mit den restlichen Bezirksabfallverbänden und Statutarstädten werden über den Landesabfallverband oberösterreichweit einheitliche Kampagnen zur Bewusstseinsbildung oder abfallwirtschaftliche Projekte geplant und regional durchgeführt. Dazu zählen zum Beispiel die beliebte HUI statt PFUI Flurreinigung oder die APP „Abfall OÖ“.

Im Bereich der Bewusstseinsbildung von Schüler*innen und Lehrer*innen wurden beispielweise Projekte wie die Umweltlernhefte „Alfons Trennfix“ und „Alfons & Apfelsine“ sowie die OÖ Schulmappe von den oberösterreichischen Abfallberater*innen entwickelt.

Ausblick in die Zukunft

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der nächsten Jahre wird die Umsetzung der Novelle des Abfallwirtschaftsgesetztes (AWG), vor allem was die Sammlung von Einweggetränkeverpackungen in den Altstoffsammelzentren betrifft. Bei diesen Abfällen ist ab 2025 österreichweit ein Pfandsystem vorgesehen, um die getrennte Sammlung und in weiterer Folge die Recyclingquote von Verpackungen zu erhöhen.

Derzeit befindet sich das ASZ Attersee Nord in Bau, dabei werden das ASZ Lenzing und das ASZ Seewalchen a. A. aufgelassen und zu diesem großen ASZ zusammengeschlossen. 2023 soll der Neubau des ASZ Frankenmarkt folgen und bis 2024 soll auch das ASZ Ampflwang a. H. neu gebaut werden.

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LAV Geschäftsstellenleiter Thomas Anderer, Vorsitzende BAV VB Vbgm. Manuela Gschwandtner, Geschäftsstellenleiter BAV VB Karl-Heinz Zeitlinger, Vorsitzender LAV Bgm.- Roland Wohlmuth

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Vorsitzende BAV VB Vbgm. Manuela Gschwandtner, Landesrat Stefan Kaineder

Fotos: BAV Vöcklabruck 

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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