Noch mehr Unterstützung für Einstieg in Pflegeberuf in Salzburg

Land und Bund intensivieren in Maßnahmen bei der Ausbildung / Neues Stipendium für Arbeitssuchende und Umsteiger

(LK)  „Die Pflege ist ein Schlüsselbereich für die Versorgung bei Krankheit und im Alter, gleichzeitig ist der Fachkräftemangel in diesem Bereich eklatant. Daher investieren wir massiv in unsere Zukunft, indem wir das Berufsfeld so offen und attraktiv wie möglich gestalten. Der Bedarf von gut ausgebildetem Personal wird weiter steigen“, sind sich Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Bundesminister Martin Kocher und AMS-Landesgeschäftsführerin Jacqueline Beyer einig.

„Wir arbeiten im Land Salzburg seit 2018 in der Plattform Pflege überparteilich und intensiv mit allen Partnern der Branche an Maßnahmen für die Zukunft: Verbesserte Arbeitsbedingungen, mehr Ausbildungsangebote und Unterstützung für pflegende Angehörige. Mit einem Budget von rund 74 Millionen Euro bis 2023 sind zahlreiche Maßnahmen bereits auf einem guten Weg, aber dieser wird auch konsequent fortgesetzt“, so Landeshauptmann Wilfried Haslauer heute bei einer Pressekonferenz zum Thema gemeinsam mit Bundesminister Martin Kocher und AMS-Geschäftsführerin Jacqueline Beyer.

v.l.: Bundesminister Martin Kocher, AMS-Landesgeschäftsführerin Jacqueline Beyer und Landeshauptmann Wilfried Haslauer
(C) Land Salzburg/Neumayr/Hofer

Haslauer: „Unterstützung für Pflegefachkräfte.“

Der erste Teil der Plattform Pflege war Auftakt für viele Maßnahmen, die jetzt entweder fortgesetzt oder durch neue Akzente ergänzt werden. „Bis Juli 2022 wollen wir das Paket der Vorschläge für neue Maßnahmen nach 2023 beschließen“, so Haslauer.

Kocher: „Neues Stipendium für Pflegeausbildung.“

In der Pflege ist der Mangel an Arbeitskräften besonders groß – und er hat sich durch die Pandemie und die damit verbundene psychische und physische Mehrbelastung noch weiter verschärft. „Konkret verzeichnen wir derzeit am österreichischen Arbeitsmarkt 7.659 offene Stellen im Gesundheits- und Pflegebereich“, berichtet Arbeitsminister Martin Kocher. Je nach Studie geht man von ungefähr 70.000 bis 100.000 Pflegekräften aus, die bis 2030 fehlen könnten. Daher rufen wir mit einem speziellen Stipendium ein weiteres Ausbildungsprogramm im Rahmen der Pflegereform ins Leben, um noch mehr Ausbildungspotenzial sowie -plätze zu schaffen“, so Kocher beim Pressegespräch in Salzburg.

Für Arbeitsuchende und Quereinsteiger

Das Pflegestipendium wird in enger Kooperation mit den Bundesländern sowie dem Arbeitsmarktservice abgestimmt und umgesetzt. „Wir schaffen eine in dieser Form nie da gewesene Weiterbildungsmöglichkeit, die es jeder und jedem ermöglicht, sich in einem Pflegeberuf qualifizieren zu lassen. Das gilt erstens für Personen, die derzeit auf Arbeitssuche sind und an einer finanziell abgesicherten Ausbildung im Pflegebereich interessiert sind. Und zweitens für alle, die zwar schon beschäftigt sind, aber Interesse daran haben, die Branche zu wechseln. Einzige Voraussetzung, um an den Ausbildungsmodulen des Pflegestipendiums teilnehmen zu können, ist eine Meldung beim AMS“, erklärt Arbeitsminister Kocher.

1.400 Euro Förderung monatlich

Mit dem neuen Pflegestipendium erhalten Personen, die an AMS-Ausbildungen teilnehmen, eine Förderung zur Deckung ihrer Lebenserhaltungskosten, die ein gewisses Mindestniveau nicht unterschreiten darf, das sind mindestens 1.400 Euro Förderung monatlich. Spätestens ab dem 1. September 2023 werden laut Minister Kocher 28 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr aus dem AMS-Budget für das Pflegestipendium aufgewendet.

1.400 Euro Förderung monatlich

  • Für Arbeitssuchende als auch für Beschäftigte möglich
  • Voraussetzung: Meldung beim AMS
  • Förderung: mindestens 1.400 Euro pro Monat
  • Start: September 2023
  • Budget: 28 Millionen Euro

Anreize und Ausbildung funktionieren

Das neue Stipendium für Neu- und Quereinsteiger im Pflegebereich ist nicht die einzige Maßnahme, die das Land Salzburg gemeinsam mit dem Bund und auch den Partnern aus der Branche setzt. Seit 2021 laufen drei Ausbildungslehrgänge am Berufsförderungsinstitut (BFI) für 32 künftige Pflegefachassistenten und 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern für Diplompflege. Land und Arbeiterkammer Salzburg finanzieren Ausbildungskosten und Stipendien gleichsam mit insgesamt 1,9 Millionen Euro. Vom Arbeitsmarktservice (AMS) Salzburg kommen rund 1,6 Millionen Euro. Das Ziel ist klar: Salzburgerinnen und Salzburgern den Weg zur Tätigkeit in der Pflege erleichtern – auch berufsbegleitend und als Umsteiger.

Beyer: „AMS unterstützt Qualifizierung.“

Das AMS Salzburg unterstützt arbeitslos gemeldete Menschen, sich im Berufsfeld ausbilden oder höher qualifizieren zu lassen. „Einerseits gibt es dafür die Arbeitsstiftung für Pflege-, Gesundheits- und Sozialberufe. Diese bietet von der Heimhilfe über die Fach-Sozialbetreuung Behindertenarbeit bis zum Bachelorstudium Gesundheits- und Krankenpflege vieles an. Ein weiteres bewährtes Instrument ist das Fachkräftestipendium, das gerade im Bereich der Pflege zahlreiche Möglichkeiten zur Höherqualifizierung bietet“, so AMS-Geschäftsführerin Jacqueline Beyer.

Arbeitsstiftung für Pflegeberuf

2021 haben 328 Personen die Ausbildung in einer von Caritas, Hilfswerk, Rotem Kreuz und Volkshilfe eingerichteten Arbeitsstiftung für Pflege begonnen. Heuer sind es bislang 87. Während der Ausbildung wird die Deckung des Lebensunterhalts (27,83 Euro pro Tag) beziehungsweise das Arbeitslosengeld bezahlt. Über die Stiftung gibt es ein Stipendium von 200 Euro dazu.

Mehr als 300 erhielten Fachkräftestipendium

Das Fachkräftestipendium im Bereich Pflege haben im vergangenen Jahr im Bundesland Salzburg 259 Personen begonnen, im ersten Halbjahr 2022 sind es 44. Bezahlt werden hier 32,60 Euro pro Tag beziehungsweise wenn das Arbeitslosengeld unter diesem Wert liegt, wird der fehlende Betrag ausgeglichen. Zusätzlich gibt es einen Bildungsbonus von 120 Euro im Monat.

Umsteiger aus 50 verschiedenen Berufen

„Wenn man sich ansieht, aus welchen Berufen jene 259 Menschen kommen, die im vergangenen Jahr ein Fachkräftestipendium im Bereich der Pflege begonnen haben, ergibt sich ein sehr buntes Bild: es sind 50 verschiedene Berufe. An der Spitze steht mit anteilig 17 Prozent die Branche Tourismus/Gastronomie, dann folgen Gesundheitsberufe und der Einzelhandel mit jeweils 14 Prozent sowie Büro- beziehungsweise Verwaltungsberufe mit 13 Prozent. Das zeigt, dass es gelingt sehr unterschiedliche Menschen und Berufsgruppen für eine Ausbildung im Pflegebereich zu gewinnen“, erläutert Jacqueline Beyer die Erfahrungen des Arbeitsmarktservice.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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