Missstände in der Textilindustrie: Lieferkettenatlas gibt Orientierung

Woher kommt die Baumwolle in unseren T-Shirts und wie sieht die globale Lieferkette dahinter aus? Welche Missstände gibt es mitunter bei der Produktion von Textilien? Wie kann in der öffentlichen Beschaffung Einfluss auf Produktionsbedingungen genommen werden? Und worauf sollten Konsument/innen beim Einkauf von Textilprodukten achten? Auf diese und viele weitere Fragen liefern Veronika Bohrn Mena, Vorsitzende der Gemeinwohlstiftung COMÚN und Sprecherin der Bürger/innen-Initiative für ein Lieferkettengesetz, Peter Hildebrand, Geschäftsführer von Betten Reiter und Stefan Kaineder, Umwelt- und Klima-Landesrat von Oberösterreich, Antworten.

Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder: „Wenn wir im Supermarkt-Regal oder im Kleidergeschäft zugreifen, sehen wir nicht, wenn ein Kleinbauer in Südamerika kaum das Nötigste zum Leben erwirtschaftet, eine Textilarbeiterin in Indien unter giftigen Chemikalien leidet oder Tiere gequält werden. Es ist eine sehr gute Nachricht, dass es in naher Zukunft ein wirksames EU-Lieferkettengesetz geben soll. Die globale Wirtschaft darf nicht auf Kosten von sozialen, menschenrechtlichen und ökologischen Standards profitieren.“

Das oberösterreichische Konsument/innenschutz-Ressort setzt seit vielen Jahren mit dem Projekt SO:FAIR auf sozial-faire Beschaffung: Mit Beratung soll bewusster Einkauf als politischer Steuerungsakt auch durch die öffentliche Hand durchgesetzt werden. Damit Steuergelder verantwortungsvoll im Sinne der Bürger/innen eingesetzt werden. „Es braucht einen Umbau unseres Wirtschaftens. Unternehmen müssen ihre Verantwortung gegenüber Mensch, Tier und den natürlichen Ressourcen wahrnehmen. Als Landesrat für Klima, Umwelt und Konsument/innen unterstützt mein Ressort diesen Wandel. Nachhaltige, das heißt ökologische und sozial-faire Beschaffung leistet auch einen großen Beitrag zum Klimaschutz“, so Landesrat Kaineder.

Kaineder begrüßt den im Februar von der EU-Kommission präsentierten Vorschlag für ein EU-weites Lieferkettengesetz und spricht von einem „Meilenstein“ für Konsument/-innen. Von einem europaweiten Lieferkettengesetz profitieren nicht nur die Produzent/innen auf der ganzen Welt, sondern auch die Konsument/innen sowie jene Unternehmen, die ihre Lieferketten schon jetzt überprüfen und letztendlich auch das Klima.

Der Lieferkettenatlas der Gemeinwohlstiftung COMÚN klärt über die internationale Baumwoll- und Textilindustrie auf und zeigt, worauf beim Kauf von Baumwollwaren aller Art zu achten ist. Der Lieferkettenatlas dient als Informationsquelle für Konsument/innen, um bewusste und nachhaltige Kaufentscheidungen treffen zu können. Im Kapitel „Baumwolle“ des Lieferkettenatlas, werden der Anbau von Baumwolle und die Produktionsbedingungen in der Textilindustrie exemplarisch anhand von Länderbeispielen und der detaillierten Lieferkette der Ganzjahresdecke „Malaika“ von Betten Reiter aufbereitet.

Als positives Beispiel dient Kirgistan, neben Bhutan handelt es sich dabei um das zweite Land weltweit, das so konsequent auf eine flächendeckende ökologische Produktion hinarbeitet. Da der Großteil der globalen Baumwollerträge aus China und Indien stammt, wo die Baumwollindustrie zum großen Leid der Menschen vor allem durch Kinderarbeit, giftige Pestizide und Zwangsarbeit geprägt ist, werden die Zustände auf den Baumwollplantagen in diesen beiden Ländern unter die Lupe genommen. Auf einem Globus werden zudem auch internationale Konflikte, die durch die Baumwollproduktion entstehen, zur besseren Orientierung aufbereitet. Schließlich werden anhand der mitunter menschenunwürdigen Produktionsbedingungen in Großbritannien und Rumänien aktuelle Trends und Verschiebungen in den Lieferketten der internationalen Textilindustrie behandelt, die zeigen, warum es so wichtig ist, dass die heimische Produktion von Textilwaren wieder gestärkt wird. Abrufbar ist der digitale Atlas unter www.lieferkettenatlas.com.

Die Unterstützung des Lieferkettenatlas war DI Peter Hildebrand, Geschäftsführer des Heimtextilien-Spezialisten Betten Reiter, ein Anliegen, da er in einem starken Lieferkettengesetz eine Notwendigkeit sieht, um Konsument/-innen eine bewusste Kaufentscheidung zu ermöglichen. Denn Nachhaltigkeit hat viele Facetten und dazu zählen insbesondere die Herkunft und Produktionsbedingungen einer Ware. Hildebrand erklärt dazu: „Wir fühlen uns schon heute unseren Kund/innen verpflichtet und legen daher in Kooperation mit der Bürger/inneninitiative die Lieferkette am Beispiel der Ganzjahresdecke MALAIKA offen.“

Der schonende Umgang mit Ressourcen, das Wohl von Menschen und Tieren entlang der Lieferkette, die Energieversorgung der 18 Filialen ausschließlich mit erneuerbarer Energie, stromsparende LED-Beleuchtung und vieles mehr sind für Betten Reiter Teil von Nachhaltigkeit. Ökologische und soziale Verantwortung sind für Firmenchef DI Peter Hildebrand seit vielen Jahren gelebte Realität und werden auch in Zukunft Innovationstreiber des Unternehmens sein. Nun geht Betten Reiter abermals als Pionier voran und setzt sich mit der Bürgerinitiative für ein Lieferkettengesetz in Österreich ein. „Wir möchten zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg, nachhaltiges Wirtschaften und Transparenz einander nicht ausschließen. Die Ganzjahresdecke MALAIKA aus der ersten veganen und Fairtrade-zertifizierten Heimtextilien-Kollektion, die zudem in unserer Manufaktur in Leonding produziert wird, ist das beste Beispiel dafür.“

Betten Reiter Geschäftsführer Peter Hildebrand, Veronika Bohrn Mena (Initiative Lieferkettengesetz) und Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder bei der Produktion einer Zirbendecke in der Manufaktur von Betten Reiter in Leonding
 Foto: Land OÖ

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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