„Es gibt immer noch zu viele Väter, die lieber Urlaub nehmen oder Überstunden abbauen als in den Papamonat zu gehen“

2019 wurde das Recht auf einen Papamonat eingeführt. „Seitdem gibt es immer mehr frisch gebackene Väter, die einen Monat mit ihrem Nachwuchs verbringen. Trotz des Rechtsanspruchs nehmen unverändert viele Väter in den ersten Wochen nach der Geburt eines Kindes lieber Urlaub oder bauen Überstunden ab“, sagt AK-Präsident Andreas Stangl. Warum? Weil Vätern, die später noch einen Teil der Karenz übernehmen möchten, sonst der Familienzeitbonus, der während des Papamonats als Geldleistung gewährt wird, vom Kinderbetreuungsgeld wieder abgezogen wird. Außerdem befürchten Betroffene nach wie vor Nachteile am Arbeitsplatz durch zusätzliche Auszeiten. 

Obwohl es die Väterkarenz bereits seit 30 Jahren in Österreich gibt, fristet sie bis heute ein Schattendasein. Nutzen junge Väter die Möglichkeit, (zusätzlich) eine Kinderauszeit zu nehmen, tun sie das sehr kurz, meistens nur etwa zwei Monate. Längere Auszeiten der Väter und damit eine echte partnerschaftliche Teilung während der Karenz würde aber den Frauen nützen, um wieder rascher ins Berufsleben einsteigen zu können. „Eine nie da gewesene Fülle an Karenz-Modellen soll Wahlfreiheit bieten, überfordert aber viele und gleicht einem bürokratischen Dschungel“, so Präsident Stangl.

Aus AK-Sicht braucht es daher praxistaugliche Varianten, bei denen eine längere partnerschaftliche Teilung auch keinen finanziellen Nachteil bedeutet. „Wichtig ist außerdem, dass der Familienzeitbonus als eigenständige Leistung anerkannt wird und später nicht mehr zum Abzug beim Kinderbetreuungsgeld führt“, sagt AK-Präsident Stangl. Arbeitgeber seien zudem aufgefordert, für familienfreundliche Strukturen zu sorgen. Flexiblere Arbeitszeiten, Teilzeitarbeit mit der Möglichkeit zur Rückkehr in die Vollzeit, kein Überstunden-Zwang und professionelles Wiedereinstiegs-Management können hilfreich sein, um Diskriminierungen von Eltern vorzubeugen. 

„Es ist höchst an der Zeit, den längst überfälligen qualitätsvollen Ausbau von Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen anzugehen. Und Kinderauszeit-Modelle müssen einen finanziellen Anreiz für beide Elternteile bieten. Damit Papa nicht nur abends, am Wochenende oder am Vatertag ein Held ist“, so Präsident Stangl. Noch ein Satz zum Papamonat: Der Vater bzw. der zweite Elternteil muss diesen nicht genau ab der Geburt des Kindes in Anspruch nehmen. Vielmehr ist notwendig, abzuwarten, bis die Mutter und das Kind aus dem Krankenhaus entlassen sind, um die Anspruchsvoraussetzungen zu erfüllen.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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