Wirf nix raus – für sichere und saubere Straßen

Achtlos weggeworfene Zigarettenstummel, Plastikflaschen, Getränkedosen und andere Abfälle vermüllen Wiesen, Parks und Straßenränder in ganz Oberösterreich. Müll wird einfach aus dem Autofenster geworfen oder beim Spazierengehen einfach fallengelassen. Diese gedankenlose „Abfallentsorgung“ wird auch Littering genannt. Abfall, der im Freien zurückgelassen wird, muss mühsam wieder aufgelesen und entsorgt werden. Dabei ist das Aufsammeln des Mülls mit Maschinen oft nicht möglich und muss daher manuell erfolgen. Die Kosten- und Zeitbelastung ist dabei enorm. Der finanzielle Aufwand der Straßenmeistereien in Oberösterreich beträgt jährlich rund 1,5 Millionen Euro. An Österreichs Autobahnen wurden im Jahr 2020 lt. ASFINAG etwa 8.700 Tonnen Abfälle eingesammelt. Dieser Aufwand schlägt sich in zusätzlichen Kosten nieder, insgesamt 13 Millionen Euro.
Littering verursacht ein unschönes Landschaftsbild, schadet der Umwelt und die achtlos weggeworfenen Abfälle können keiner Wiederverwertung zugeführt werden, was wiederum das ökologische Gleichgewicht stört. Betrachtet man die ökonomische Seite steht das Einsammeln und Entsorgen der Littering-Abfälle zudem mit viel Geld in Verbindung.
Aus diesem Grund werden Anfang Juni von den Straßenmeistereien Schilder und Transparente, die gegen Vermüllung protestierende Tiere zeigen, entlang von Straßen, an Kreisverkehren, Brücken und in Parks aufgestellt.
„Mit Ende des Winterdienstes werden in den oberösterreichischen Straßenmeistereien die Schneeschaufeln durch Besen und Müllzangen ersetzt. Je länger der Winter, desto mehr Müll wird im Frühjahr sichtbar. In den 31 Straßenmeistereien in Oberösterreich sind derzeit rund 950 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Betreuung von 6.000 Kilometer Landesstraßen beschäftigt. Mit 150 LKW und Unimog sowie verschiedenen Zusatz- und Spezialgeräten wird in diesen Tagen der Frühjahrsputz entlang der Landesstraßen durchgeführt. Um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen und die achtlose Müllentsorgung zu vereiteln, werden wir auch heuer wieder, in Kooperation mit dem Landes Abfallverband, auf das Thema Vermüllung mit unserer Bewusstseinskampagne Wirf nix raus, aufmerksam machen“, so Landesrat für Infrastruktur Mag. Günther Steinkellner (Beitragsbild). Bgm. Roland Wohlmuth: „Die Kampagne ‚Wirf nix raus‘ ist eine Kooperation der Umwelt Profis der kommunalen Abfallwirtschaft, Infrastruktur-Landesrat Mag. Steinkellner und der Straßenmeistereien. Sie soll mehr Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umgebung schaffen und die oö. Bevölkerung auf die zunehmende Vermüllung und die damit einhergehenden Auswirkungen auf die Umwelt sensibilisieren.
Diese Anti-Littering-Maßnahme zielt speziell darauf ab, Aufmerksamkeit an entsprechenden Standorten wie Straßenrändern, öffentlichen Plätzen und Grünanlagen zu schaffen.“

Großer Aufwand und hohe Kosten
Dass Littering bloß eine Verunstaltung des öffentlichen Raums ist, ist ein großer Irrtum. Denn achtlos weggeworfene Gegenstände müssen wieder aufgelesen und entsorgt werden. Dabei ist das Aufsammeln des Mülls mit Maschinen oft nicht möglich und muss daher manuell erfolgen. Dies erfolgt laufend durch den Streckendienst und vor den Mäharbeiten auf den Böschungen sogar mit verstärkter Mannschaft. Die Kosten- und Zeitbelastung ist dabei enorm. Der finanzielle Aufwand der Straßenmeistereien in
Oberösterreich beträgt jährlich rund 1,5 Millionen Euro. Dieser ergibt sich aus den Entsorgungskosten, den Fahrt- und Transportkosten, sowie den Arbeitsstunden, die für das Sammeln und Entsorgen des Mülls aufgebracht werden. 35.000 Arbeitsstunden müssen dabei pro Jahr für das Auflesen weggeworfener Abfälle aufgewendet werden. Im Jahr 2018 fielen dabei allein auf Oberösterreichs Landstraßen 400 Tonnen gelitterter Abfall an. Das entspricht 66 kg Müll pro einem Kilometer Landstraße. Auf Autobahnen
und Schnellstraßen fielen im gleichen Jahr laut einer Statistik der ASFINAG circa 1.350 Tonnen achtlos weggeworfener Müll an. Laut den Oö. Straßenmeistereien werden vermehrt Zigarettenstummeln, Blechdosen und Verpackungen aufgefunden. „Regional gibt es sehr starke Unterschiede. In dicht
besiedelten Räumen, wie bspw. dem Zentralraum oder touristisch stark frequentierten Gebieten wie bspw. dem Salzkammergut, fallen höhere Müllmengen an. Kleinräumig ist vermehrt im Bereich von Fast-Food-Restaurants, dem sogenannten Big-Mac-Äquator, eine sehr hohe Mülldichte festzustellen. Aber auch das nahe Umfeld von Tankstellen oder Rastplätzen sind ebenfalls stark vermüllte Bereiche“, bestätigt Landesrat für Infrastruktur Mag. Günther Steinkellner.
Bereiche mit hoher Mülllast sind oft Anziehungspunkte für das Entstehen von ‚wilden‘ Mülldeponien. Haus- bzw. Spermüll wird oft im Bereich von Park- und Rastplätzen bzw. auch rund um Altstoffsammelzentren am Straßenrand abgelagert. Darunter sind nicht selten auch Problemstoffe wie Auto-Batterien, Reifen oder Öl-Gebinde. Ab und an finden sich auch Autoreifen oder beispielsweise Kühlschränke in den Naturräumen wieder.
Sofern der Müll Rückschlüsse auf seine Hinterlasserinnen und Hinterlasser zulässt, wird von den Straßenmeistereien auch eine Anzeige bei den Behörden eingebracht.

Einschränkung der Verkehrssicherheit durch Littering
Auch die negativen Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit können gravierend sein. Auf und neben den Straßen stellt der entsorgte Müll für die Umwelt sowie die Straßensicherheit ein Problem dar. Wird der Abfall etwa aus dem Autofenster geworfen, kann dieser zu einem folgenschweren Geschoss werden und nachkommende Fahrzeuge beschädigen oder sogar Unfälle bedingen. Gleiches gilt für auf der Straße
liegengebliebenen Müll, der als Hindernis für den Straßenverkehr realisiert wird, auf den reagiert werden muss. Die jeweiligen Fahrzeuglenkerinnen und Fahrzeuglenker sind automatisch auf Ausweichmanöver konditioniert. Je nachdem, wie gut und vorausschauend Hindernisse erkannt werden, können Ausweichmanöver geplant werden. Werden Hindernisse spät erkannt, ist besonders bei zweispurigen Fahrzeugen ein ruckartiges Verreißen des Fahrzeuges die Folge. Wenn zusätzlich entgegenkommender Verkehr involviert ist, können risikoreiche und folgenschwere Situationen entstehen.

Bildtext: Bgm. Roland Wohlmuth (Vorsitzender des Landesabfallverbands) und Infrastruktur-Landesrat Mag. Günther Steinkellner machen mit der Kampagne „wird nix raus“ wieder auf das Littering an Landesstraßen aufmerksam. Foto: Land OÖ/Daniel Kauder

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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