Jugendschutzgesetz: Testkäufe zeigen Wirkung Präsentation der Ergebnisse 2021

Mit der Novellierung des Oö. Jugendschutzgesetzes im Jahr 2013 wurde vom Land
Oberösterreich die gesetzliche Grundlage zur flächendeckenden Einführung von Testkäufen zur
Kontrolle der Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen in Oberösterreich geschaffen. Das
Institut Suchtprävention hat ein fachliches Konzept zur Umsetzung dieser Testkäufe erstellt und
ist seit 2014 mit der Oberösterreich weiten flächendeckenden Durchführung dieser Testkäufe
beauftragt. Seit Juli 2019 werden neben Alkohol- auch Tabak-Testkäufe durchgeführt. Damals
wurde Verkaufsalter für Tabakwaren in Österreich von 16 auf 18 Jahre angehoben.
„Aufgrund der jährlich durchgeführten Testkäufe sehen wir, dass Kinder und Jugendliche in
Oberösterreich nicht mehr so leicht an Alkohol und Tabakprodukte kommen. Die Überprüfung
der Abgabepraxis durch jugendliche Testkäuferinnen und Testkäufer hat sich als eine sehr
wirksame Maßnahme des Jugendschutzes und der Prävention erwiesen. Zwar halten sich
leider noch immer nicht alle Verkaufsstellen an das Jugendschutzgesetz, aber die Zahlen
belegen, dass diese Testkäufe zu einer Sensibilisierung für diese wichtige
Jugendschutzthematik geführt haben“, zieht Kinderschutz-Landesrätin Birgit Gerstorfer eine
positive Bilanz.


Das Jahr 2021 war geprägt von der Covid19-Pandemie, zum Alltag gehörten viele
Einschränkungen und Sicherheitsmaßnahmen. Diesen Umständen entsprechend, wurde der
gesundheitliche Schutz der teilnehmenden jugendlichen Testkäufer/innen und der erwachsenen
Betreuer/innen durch eine Anpassung der Testkäufe sichergestellt.
Die Testkäufe wurden 2021 mit folgenden Einschränkungen getätigt:
während des Lockdowns vom 1. Jänner bis 7. März wurden alle Testkäufe ausgesetzt
vom 8. März bis 15. November wurden Testkäufe im Lebensmittel-Einzelhandel, in
Tankstellenshops und Trafiken durchgeführt
von 27. September bis 15. November fanden Testkäufe in der wieder geöffneten
Gastronomie statt
ab 16. November wurden erneut alle Testkäufe aufgrund steigender Covid-
Infektionszahlen ausgesetzt

Insgesamt wurden im Jahr 2021 1.179 Testkäufe durchgeführt – davon 724 im
Lebensmitteleinzelhandel, 199 in Tankstellenshops und 44 in Gastronomiebetrieben. 212
Testkäufe wurden in Tabakfachgeschäften getätigt.
Es wurden drei Produktklassen getestet: Alkohol als einziges Produkt, Tabak als einziges
Produkt und Alkohol und Tabak gleichzeitig („Kombikauf“).

Die Testkufer/innen waren zwischen 14 und 15,5 Jahren alt. Geschulte Erwachsene haben sie
dabei begleitet und haben die Ergebnisse der Testkäufe protokolliert und die Ergebnisse den
Kassa- bzw. Servicekräften sowie den (Filial-) Leitungen der getesteten Betriebe rückgemeldet.
Im Lebensmittel-Einzelhandel und in Tankstellen-Shops versuchten die unter 16-jährigen
Testkäufer/innen jeweils eine große Flasche gebrannten Alkohol (in der Regel Wodka mit 37,5
% Alkohol) zu kaufen – ein Produkt, das in Oberösterreich erst mit 18 Jahren von Jugendlichen
gekauft bzw. konsumiert werden darf.
In der Gastronomie wurden speziell Betriebe, die auch von Jugendlichen frequentiert werden
getestet, wie etwa Cafés, Pubs, Gastgärten, Lokale in Kinos oder Einkaufszentren und
Imbisslokale. Auch hier wurde der Ausschank von gebranntem Alkohol getestet. Je nach
Angebot versuchten die Testkäufer/innen Spirituosen pur oder als Mischgetränk zu bestellen (z.
B. 0,25 l Cappy-Wodka, Bacardi-Cola oder Spirituosen wie 0,2 cl Wodka oder Rum pur).4

Bei Tabaktestkäufen wird immer eine Packung Zigaretten verlangt. Bei einer geringen Anzahl
von Käufen („Kombi-Käufe“) wurde auch versucht, sowohl gebrannten Alkohol (wie oben
beschrieben) als auch Zigaretten zu kaufen – Produkte, die in Oberösterreich ebenfalls erst mit
18 Jahren von Jugendlichen gekauft bzw. konsumiert werden dürfen.
Ergebnisse der Testkäufe 2021
In 902 der getesteten Betriebe (76,5 %) wurden die geltenden Jugendschutzbestimmungen
eingehalten und kein gebrannter Alkohol oder Tabakwaren an Minderjährige abgegeben. In
277 Betrieben (23,5 %) war dies nicht der Fall. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Abgabequote
um 5,1 Prozentpunkte gesunken.
Insgesamt kam es in allen getesteten Branchen zu erfreulichen Verbesserungen – sowohl bei
der Quote der Abgaben, als auch bei den Ausweiskontrollen. Auch beim Aushang der
Jugendschutzbestimmungen wurden Verbesserungen festgestellt. Aufgrund der
eingeschränkten Öffnung der Gastronomie und der Registrierungspflicht für Gäste wurden nur
44 Gastronomiebetriebe getestet. Bei diesen kam es aber ebenfalls zu Testergebnissen, die
optimistisch stimmen: während es in der Gastronomie in den vergangenen Jahren zu
vergleichsweise schlechteren Abgabequoten als in den anderen Branchen kam, gab 2021 nur
ca. jeder zehnte Betrieb Alkohol oder Tabak an jugendliche Testkäufer/innen ab. Auch bei der
Überprüfung der Ausweise und dem Aushang der Jugendschutzbestimmungen schnitten die
Gastrohbetriebe besser ab als im Vorjahr. Bei Tabaktestkäufen kam es zu einer starken
Verbesserung bei der Abgabe- und Ausweiskontrollquote im Vergleich zum Vorjahr.
Abgaben trotz Ausweiskontrollen
Bemerkenswert ist, dass die Höhe der Abgabequote offenbar nicht unbedingt mit mangelndem
Willen des Kassenpersonals, die Jugendschutzbestimmungen einzuhalten, zu tun hat, sondern
offenbar auch mit Fehlern bei der Berechnung des Alters der jugendlichen Testkäufer/innen:
Bei 44,4 % aller Abgaben wurde vom Personal der Ausweis kontrolliert und dennoch
Alkohol oder Tabak verkauft. Diese Quote ist damit gegenüber den letzten Jahren leider noch
einmal angestiegen. Ein Grund dafür könnte sein, dass in konkreten Verkaufssituationen das
Alter ohne geeignete technische Hilfsmittel in einigen Fällen schlicht nicht korrekt errechnet
wird. Die Testkäufe werden bei wenig Kundenandrang an der Kasse durchgeführt. Es ist daher
anzunehmen, dass in sehr stressigen Situationen mit viel Kundenandrang die Fehlerquote noch
höher liegt.

Nachtestungen
Betriebe, die bei einem Testkauf gegen das Jugendschutzgesetz verstoßen haben, werden
nach einigen Monaten ein zweites Mal (Nachtestung) getestet. Die Testprotokolle dieser
Betriebe werden an das Land OÖ übermittelt und von dort an die zuständige Strafbehörde
weitergegeben. Im Jahr 2021 wurden 321 Betriebe aufgrund einer fehlbaren Abgabe von
Alkohol oder Tabak an Jugendliche nachgetestet – wobei es wieder zu 66 Abgaben kam.
Beobachtungen und Rückmeldungen während der Testkäufe
Während im letzten Jahr mit dem Beginn der Covid19-Pandemie zum Teil
Verhaltensunsicherheit des Personals bei der Alterskontrolle von Kunden mit Mundschutz oder
FFP2-Masken herrschte, zeigte sich dies im zweiten Jahr der Pandemie nicht mehr so
ausgeprägt, was sich auch in besseren Ausweiskontrollquoten niederschlägt. Kritik an der
Durchführung der Testkäufe unter den Bedingungen der Covid-Maßnahmen wurde nur
vereinzelt vom Personal der getesteten Betriebe geäußert.

Empfehlungen
Die Kontrollquoten haben sich über die Jahre zunehmend verbessert, dennoch ist es wichtig,
das Personal auch weiterhin zu sensibilisieren, sich bei „jungen“ Kund/innen nicht auf die
Einschätzung des Äußeren zu verlassen. Jugendliche können körperlich sehr unterschiedlich
entwickelt sein, was ohne Alterskontrollen immer wieder zu Fehleinschätzungen führt. Von der
Betriebsleitung muss deutlich vermittelt werden, dass Ausweiskontrollen von Seiten des
Unternehmens erwünscht und gefordert sind.
„Aufgrund der hohen Zahl von Abgaben trotz vorheriger Ausweiskontrolle, stehen wir bereits in
Gesprächen mit den zuständigen Branchenvertretern. Technische Hilfsmittel könnten
Rechenfehler in stressigen Situationen verhindern. Hier gäbe es mehrere Möglichkeiten zur
Berechnung des Alters. Diese können in zusätzlichen Funktionen in bestehender
Kassensoftware, aber auch in externen Geräten, in Handy-Apps oder in Hilfsmitteln wie
Altersdrehscheiben verwirklicht werden. Gemeinsam wollen wir versuchen, hier eine weitere
Verbesserung des Jugendschutzes zu erreichen“, so Landesrätin Gerstorfer.

©Land OÖ/Denise Stinglmayr,
Landesrätin Birgit Gerstorfer und  Mag. Dietmar Krenmayr vomInstitut Suchtprävention der pro mente OÖ präsentierten die Ergebnisse der Testkäufe 2021
 
©Land OÖ/Denise Stinglmayr
Pressekonferenz mit Kinderschutz-Landesrätin Birgit Gerstorfer und Dietmar Krenmayr vomInstitut Suchtprävention der pro mente OÖ
 

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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