Landesrat Achleitner: Energie Star 2021 holt Vorreiter vor den Vorhang – in OÖ wird die Energiewende gelebt

Wirtschafts- und Energie-Landesrat Markus Achleitner: „Mit dem Energie Star 2021 wollen wir neue Lösungen aufzeigen und zum Mitmachen bei der Energiewende motivieren“

„Wir haben das klare Ziel, Oberösterreich als Leitregion für Energie-Technologien zu positionieren. Zugleich soll unser Bundesland führend bei der Energiewende sein. Für beides braucht es Vorzeigeprojekte für erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Mit der Verleihung des ‚Energie Star 2021′ holen wir engagierte Projekte vor den Vorhang und wollen zum Nachmachen motivieren“, unterstrich Wirtschafts- und Energie-Landesrat Markus Achleitner im Rahmen der Verleihung des „Energie Stars 2021″ gestern Abend in Linz. Durch die Vergabe des Young Energy Researcher Awards an junge, aufstrebende Forscherinnen und Forscher wird die Energiezukunft auf auch wissenschaftlicher Ebene forciert.

Gemeinsam mit dem OÖ. Energiesparverband sucht das Land Oberösterreich jedes Jahr die besten Projekte rund um erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Heuer wurde der „Energie Star“ in den Kategorien „Energiewende – Zukunftssicher Wohnen“, „Energiewende autark“, „Energiewende lokal“ und „Energiewende betrieblich“ vergeben. „Die Vielzahl an Einreichungen und deren Qualität zeig einmal mehr, dass in Oberösterreich nicht nur von der Energiewende geredet wird, sondern dass gehandelt wird“, betonte Wirtschafts- und Energie-Landesrat Achleitner im Rahmen der Verleihung.

Mitmachen konnten Privatpersonen, Unternehmen, Gemeinden oder Vereine, Bildungs- oder Forschungseinrichtung – jeder der in Oberösterreich ein innovatives Energie-Projekt umgesetzt oder bereits konkrete Schritte in Richtung Umsetzung unternommen hat. Mehr als 90 Projekte wurden eingereicht und von einer hochkarätigen Fachjury bewertet.

Die Preisträger:

Kategorie „Energiewende – Zukunftssicher Wohnen“: HYGGE Wohnen, Wels Strom & Trio Development

Hygge Wohnen ist ein neues Wohnprojekt mit 26 Eigentumswohnungen in Wels in Holzbauweise. Ein besonderer Schwerpunkt wurde auf innovative Lösungen für nachhaltige Mobilität gelegt: Bewohner/innen werden zur Fahrradnutzung durch zur Verfügung stehende E-Bikes und ein E-Lastenfahrrad motiviert, dank eines überbreiten Lifts kann mit dem eigenen Fahrrad bis vor die Wohnungstür gefahren werden. Direkt vor dem Haus gibt es ein E-Car-Sharing Angebot. Die 39,6 kWp Photovoltaikanlage wird durch die Bewohner/innen gemeinsam genutzt. Das Modell „PV teilen“ ermöglicht den Bezug von Sonnenstrom ohne Investitionskosten, die Solaranlage versorgt auch zwei E-Ladestellen. Im Moment sind bereits 7 weitere derartige Projekte in Umsetzung. 

Kategorie „Energiewende autark“: Energie-Unabhängigkeit am Saerhof, Christine Ellinger und Gerhard Gattermaier

Auf dem Saerhof in Mauerkirchen wird in vielen Bereichen auf Nachhaltigkeit gesetzt. Geheizt wird mit Holz, die Sonne wird bereits seit mehr als 15 Jahren für die Warmwasser-Bereitung genutzt, 2018 wurde eine 20 kW Photovoltaik Anlage errichtet. Das meistverwendete Fahrzeug im Betrieb wurde auf E-Mobilität umgestellt – ein E-Hoftrac wurde angeschafft. Es leistete bereits über 700 geräuschlose Betriebsstunden – von der täglichen Stallarbeit bis hin zur Strohernte. Dieses Frühjahr wurde die PV Anlage um 10 kW erweitert und in einen 13,8 kWh Stromspeicher investiert, der auch nach Sonnenuntergang Solarstrom zur Verfügung stellt und auch der Notstromversorgung dient. Der meiste Strom am Saerhof wird im Sommer benötig, z. B. auch für die Honigernte aus der hofeigenen Imkerei. Ideal, da in dieser Zeit auch die meiste Energie von der Sonne geliefert wird! Die PV-Anlage wird laufend digital nachverfolgt und kontrolliert, durch eine vorausschauende Nutzung elektrischer Geräte gelungen, dass der Stromverbrauch zu 95 % aus eigenem erzeugtem Strom abgedeckt wurde. Der nächste Schritt ist die Umstellung auf ein Elektro-Auto.

Kategorie „Energiewende lokal“: Ökosoziales Leitprojekt „im Hof“ der Gemeinde Katsdorf

Ein Gemeindezentrum zu schaffen, das klimafit ist und zugleich den Gedanken des sozialen Miteinanders in den Mittelpunkt des Handelns rückt – das war der Leitgedanke des Projektes. Rund die Hälfte eines alten Vierkanters (ehem. Landwirtschaftsschule) wurde erneuert und die andere Hälfte technisch, hochwertig saniert. Damit gelingt es, wertvolle Baustoffe und Substanzen zu erhalten. Wichtig war dabei auch die Verwendung von Holz und die Wiederverwendung von Steinmaterial. 100 Prozent CO2 neutral: die Energieversorgung für die Raumwärme kommt aus der „Bioenergie Katsdorf“, diese wird mit Holz-Hackschnitzel von bäuerlichen Lieferanten aus der Region gespeist. Durch gute Gebäudedämmung werden rund 62 % an Energie eingespart. Neben zugekauftem Ökostrom sorgt eine neue 30 kW Photovoltaikanlage für die 100% erneuerbare Stromversorgung. Es gibt zwei 11kW Ladesäulen für E-Autos sowie einer Ladestation für bis zu 6 Fahrräder sowie eine Öffi-Anbindung. Bei der Bepflanzung wurde mit Nistkästen für Vögel und Naturweiden für Bienenvölker sowie einem Schmetterlingsgarten ein Beitrag zum Artenschutz geleistet.

Kategorie „Energiewende betrieblich“: BG-Graspointner auf dem Weg zum Green Deal

Das Unternehmen Graspointner in Oberwang zeigt vor, wie der Green Deal im betrieblichen Bereich gelingen kann. Der Betrieb sagt „AdieuÖl“ und stieg aus dem Heizen mit Öl aus – die Wärmeversorgung erfolgt jetzt klimafreundlich mit 28 Tiefenbohrungen und zwei Wärmepumpen. Die neuen Lager- und Produktionshallen wurden mit Betonkern-aktivierten Böden errichtet, in den klimatisierten Büroräumen gibt es Heiz-/Kühl-Decke – die Energie wird so besser genutzt. Die Unterstützung der Warmwasserbereitung erfolgt durch eine thermische Solaranlage (350 m² Kollektorfläche), für die Stromerzeugung wurde eine neue Photovoltaikanlage mit 200 kWp Leistung realisiert, die gesamte Dachfläche ist jetzt mit 556 kWp belegt. Eine Elektro-Tankstelle wurde errichtet, die Dieselstapler wurden bereits großteils auf E-Stapler umgerüstet. Dadurch werden 40.000 Liter Heizöl pro Jahr eingespart, der Dieselverbrauch wurde stark reduziert, ca. 40 % des Gesamt-Jahres-Strombedarfes wird durch die PV-Anlage abgedeckt. Und nicht nur die Umwelt profitieren: die Mitarbeiter/innen freuen sich jetzt über angenehme Temperaturen und ein gutes Raumklima.

Young Energy Researchers Award 2021:

Der Young Energy Researchers Award prämiert Arbeiten junger Forscher/innen in oder aus Oberösterreich rund um erneuerbare Energie und Energieeffizienz. Er wird vom OÖ Energiesparverband/Cleantech-Cluster und dem Land Oberösterreich im Rahmen des Energie Stars vergeben.

Mit dem Young Energy Researchers Award 2021 wurde folgende zwei Projekte ausgezeichnet:

Kategorie „Maturaprojekte“:  Stefanie Schütz und Melanie Leonhartsberger – Diplomarbeit „Unternehmenskonzept im Bereich erneuerbare Energie für die Schütz-Technik GmbH“

Das Familienunternehmen Schütz Technik GmbH in Sonnberg im Mühlviertel beschäftigt sich mit den Themen Solarenergie und der Vermarktung von Photovoltaikanlagen. Um ein neues Unternehmenskonzept im Bereich Ladestationen und Photovoltaikanlagen umsetzen zu können, wurden im Zuge dieser Diplomarbeit die Festlegung von optimalen Preisen, die Gestaltung der Produkte und Dienstleistungen, eine Zielgruppenanalyse und die Erarbeitung eines Vertriebskonzeptes inklusive einer Markteinführungsstrategie untersucht

Kategorie „Studierende“: Dominik Leherbauer – Masterarbeit „Auftragsreihenfolgeoptimierung auf Basis der elektrischen Energiezusammensetzung“

In der Masterarbeit wurde analysiert, wie die im elektrischen Energienetz auftretende Volatilität der Stromerzeugung für produzierende Unternehmen nutzbar gemacht werden kann. Der Produktmix der elektrischen Energie ist dabei auch für den Ausstoß von CO2-Emissionen verantwortlich. Mit einem neuen Ansatz wurde die Produktionsplanung auf Basis der zukünftigen Energiezusammensetzung anpasst. Damit kann einerseits die Stromeigenerzeugung optimal genutzt und andererseits der Stromeinkauf ökologisch und ökonomisch optimiert werden.

Foto 1 – „Energiewende betrieblich“: Wirtschafts- und Energie-Landesrat Markus Achleitner und Steffen Bernauer. Fotos: Land OÖ/Daniel Kauder

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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