Die Strompreiskompensation muss rasch umgesetzt werden

Preis für CO2-Emissionen treibt zusätzlich Stromkosten in die Höhe
„Wir brauchen rasch politische Maßnahmen, wie die Strompreiskompensation, um den dramatischen Anstieg der Energiekosten abzufedern. Der Preis für CO2-Emissionen hat sich in den letzten Monaten vervielfacht und treibt damit auch noch zusätzlich die Stromkosten in die Höhe. Das bereits in Europa angewendete Instrument der Strompreiskompensation kann kurzfristig Linderung schaffen und die Wettbewerbsfähigkeit, auch gegenüber unseren europäischen Nachbarn, erhöhen“, richtet Ernst Spitzbart, Vorsitzender der Strategiegruppe Energie und Klima der Sparte Industrie der WKOÖ, einen dringenden Appell der Industrie an die Regierung.

„Wenn Stromlieferanten die Kosten für den Erwerb von CO2-Zertifikaten über den Strompreis an die Verbraucher weitergeben, spricht man von indirekten CO2-Kosten. Die EU bietet den Rahmen, dass ein Teil davon energieintensiven Betrieben rückerstattet werden kann. Zahlreiche EU-Staaten haben diese Strompreiskompensation bereits seit Jahren umgesetzt, Österreich allerdings bislang noch nicht. Gerade angesichts der stark gestiegenen Energiepreise ist eine rasche Umsetzung erforderlich, um den Wettbewerbsnachteil der heimischen Industrie zu beseitigen“, sagt Spitzbart.

Der Strompreis für Endverbraucher setzt sich aus dem Energiepreis, den Zuschlägen und Netzgebühren zusammen. Er beinhaltet aber auch jene Kosten, die die Energieversorger für CO2-Zertifi­kate aufwenden müssen. Diese indirekten CO2-Kosten werden durch den aktuell steigenden Preis der CO2-Zertifikate in die Höhe getrieben. Die EU-Emissionshandelsrichtlinie empfiehlt den Mitgliedsstaaten, finanzielle Maßnahmen zugunsten von bestimmten Sektoren im Einklang mit dem EU-Beihilfenrecht zu erlassen. Es werden explizit jene Sektoren aufgelistet, die aufgrund erheblicher indirekter CO2-Kosten einem tatsächlichen Risiko von „Carbon Leakage“, der Verlagerung der energieintensiven Produktion in Länder außerhalb des EU-Emissionshandelssystems, ausgesetzt sind. Zu diesen Sektoren zählen unter anderem die Papierindustrie, die Mineralölverarbeitung sowie die Erzeugung von Eisen, Stahl und zahlreichen Nichteisen-Metallen.

Bisher haben 16 europäische Staaten, darunter Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Polen, Spanien, die Slowakei und die Tschechische Republik, die Möglichkeit zur Kostenkompensation mit Genehmigung der EU-Kommission umgesetzt. „Österreich hat die Strompreiskompensation bislang noch nicht umgesetzt, bekennt sich aber im Regierungsprogramm zur ,Prüfung einer nationalen Möglichkeit zur Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit‘ als Alternative zu einer einheitlichen europäischen Regelung. Tatsache ist, dass Strom mit rund 100 Petajoule pro Jahr einen Anteil von rund 33 Prozent am Gesamtenergieeinsatz der Industrie hat und damit nach Gas mit 35 Prozent der zweitwichtigste Energieträger ist. Stromkosten schlagen daher massiv auf die Energiekosten durch, die in energieintensiven Branchen 10 bis 15 Prozent der Gesamtproduktionskosten, mit Spitzenwerten von bis zu 25 Prozent und darüber hinaus betragen. Auf Basis der Umsetzung in Deutschland wird für Österreich 2021 ein Vergütungsvolumen von rund 70 bis 150 Mio. Euro errechnet, dies entspricht etwa 5 bis 11 Euro/MWh. Für 2022 wird aufgrund der deutlich höheren CO2-Zertifikatskosten ein wesentlich höheres Vergütungsvolumen erwartet“, blickt Spitzbart ins Nachbarland.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

error: (c) by salzTV