Notfallplan Blackout – ein Meilenstein in der Katastrophenschutzarbeit

Pressekonferenz mit Katastrophenschutz- und Gemeinde-Landesrätin Michaela Langer-Weninger und OÖ Zivilschutzverband-Präsident NR Bgm. Michael Hammer am Montag, 2. Mai 2022

Weitere Gesprächspartner:

  • OÖ Zivilschutz-Geschäftsführer Josef Lindner
  • Bezirkshauptmann von Perg und Zivilschutz-PräsidiumsmitgliedMag. Werner Kreisl

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Eine zentrale Aufgabe der Politik und der staatlichen Institutionen ist es für Sicherheit zu sorgen und in herausfordernden Situationen Sicherheit zu geben. Damit wir vom Land Oberösterreich unsere Funktion als verlässlicher Krisenmanager bestmöglich erfüllen können, setzen wir auf Vorsorge und Vorbereitung für den Ernstfall. So auch für den Fall eines Blackouts. Gemeinsam mit dem Zivilschutzverband Oberösterreich und den Bezirkshaupt- mannschaften ist in den vergangenen Monaten ein umfassender „Notfallplan Blackout“ für die Gemeinden erarbeitet worden. Die druckfrischen Mappen gewährleisten im Ernstfall, dass auf regionaler Ebene eine rasche und effektive Krisenstabsarbeit geleistet werden kann – auch dann wenn Licht, Internetzugang und klassische Kommunikationsmöglichkeiten fehlen. 

Gemeinde- und Katastrophenschutz-Landesrätin Michaela Langer-Weninger

In der Not einen kühlen Kopf bewahren kann derjenige, der vorgesorgt hat und einen Plan hat. Dementsprechend war es für die Katastrophenschutz- Landesrätin von Oberösterreich, Michaela Langer-Weninger wichtig, gleich zu Beginn ihrer ersten Amtsperiode für den greifbaren Ernstfall eines Blackouts vorzusorgen. Gut ein halbes Jahr später steht der „Notfallplan Blackout“: „Die kommunalen Einsatzmappen mit Handlungsanweisungen, Checklisten, etc. sind frisch gedruckt und werden nun an unsere oberösterreichischen Gemeinden weitergegeben. Dank des ambitionierten Einsatzes des Zivilschutzverbandes Oberösterreich und des fokussierten Arbeitens der Bezirkshauptmannschaften gibt es nun klare Handlungsanweisungen für unsere Bürgermeister/innen und kommunalen Blackout-Verantwortlichen. Ich kann nur an alle Gemeindevertreter appellieren, diese Unterlagen durchzuarbeiten und die notwendigen Vorsorge-Maßnahmen zu treffen. Umsichtig zu handeln und Vorsorge zu treffen ist stets im Sinne der Bevölkerung.“

Blackout: Ein realistisches Katastrophenszenario und ein Thema das bewegt

Das Thema Blackout ist derzeit in aller Munde. Es ist ein Katastrophenszenario, das jeden Einzelnen betrifft und eine eigenverantwortliche Vorsorge – bis zu einem gewissen Grad – unumgänglich macht. „Eine Woche oder gar 14 Tage ohne Strom und mobile Telekommunikation. Für die meisten Bürger/innen unvorstellbar und doch ein realistisches Szenario, auf das wir uns vorbereiten sollten. Auf kommunaler Ebene treffen wir gerade Vorkehrungen für den Ernstfall. Dennoch darf auch die Eigenvorsorge in den Haushalten nicht vernachlässigt werden. Wer heute in haltbare Lebensmittel, Wasser, ein Notfall-Radio, Taschenlampe, Medikamente und Hygiene-Artikel investiert, sitzt morgen nicht hungrig, unvorbereitet und abgeschnitten von der Außenwelt im Dunkeln“, betont Landesrätin Michaela Langer-Weninger.

Neben diesen Selbstschutzmaßnahmen der Bürger/innen bedarf es aber auch umfassender Notfallpläne seitens der Behörden. Hier hat Oberösterreichs Katastrophenschutz-Landesrätin mit dem kommunalen„Notfallplan Blackout“ vorgesorgt. Eine erste Lage-Sondierung hierfür sowie die Erarbeitung von grundlegenden Lösungsansätzen haben bereits vor der Corona-Pandemie auf Bezirksebene begonnen. Darauf basierend wurde in den vergangenen Monaten mit Hochdruck an Einsatzplänen und -mappen gearbeitet.

Viel Knowhow und Vorarbeit für einen Notfallplan

In der regionalen Aufgabenverteilung zwischen den Bezirks- hauptmannschaften übernahm es der Bezirk Eferding, erste Überlegungen in Richtung Blackout-Vorsorge anzustellen. Im Jahr 2018 wurde schließlichvom Netzwerk für Sicherheit und Zivilschutz „Sicheres OÖ“ eine erste Planungsgrundlage erstellt, in welche die Ergebnisses aus Eferding und vieler Einsatzorganisationen eingeflossen sind und auf deren Basis dann die Bezirkshauptmannschaften als Katastrophenschutzbehörden auf Bezirksebene weiterarbeiteten. Der OÖ Zivilschutz merkte bei den Kontakten mit den Gemeinden, unter anderem bei Vorträgen und direkten Beratungsanfragen, dass ein Bedarf nach verbesserten und weiterführenden Notfallplan-Unterlagen besteht. Daraufhin beauftragte das Land Oberösterreich die Zivilschutz-Blackout-Experten mit einer Überarbeitung und Vertiefung dieser Planungsgrundlagen.

Mit dem druckfrischen „Notfallplan Blackout“ ist dem Land und dem Zivilschutz Oberösterreich ein umfassendes Werk gelungen, mit dem die Gemeindeverantwortlichen auf Basis der jeweiligen örtlichen Begebenheiten einen Alarm- und Einsatzplan erarbeiten können, der im Ernstfall auf regionaler Ebene eine rasche und effektive Arbeit im Krisenstab ermöglicht. „Das Thema Blackout ist sehr komplex, dennochhaben wir es in kurzer Zeit geschafft, einen Notfallplan von hoher Qualität zu erarbeiten, der die unterschiedlichsten Aspekte des Katastrophenszenarios beleuchtet“, erklärt OÖ Zivilschutz-Präsident NR Bgm. Michael Hammer. Eine große Unterstützung bei der Überarbeitung war der Bezirkshauptmann von Perg und Zivilschutz-Präsidiumsmitglied Werner Kreisl, der seine fachliche Expertise und umfassenden Erfahrungen in der Notfallplanerstellung einbrachte.

Notfallplan Blackout“: Einheitliche und punktgenaue Anleitungen für die Gemeinden

Mit dem neuen „Notfallplan Blackout“ können sich die Gemeinden nach einem einheitlichen Schema bestmöglich auf das Katastrophenszenario eines großflächigen Stromausfalls vorbereiten und im Ernstfall schnellstmöglich ihre Krisenarbeit aufnehmen.

Der Notfallplan wird den Gemeinden im Rahmen der nächsten bezirksweisen Bürgermeisterkonferenzen überreicht. Unterteilt ist er in zwei Ordner: Der erste Ordner enthält einen Alarm- und Einsatzplan als Planungsgrundlage, der zweite Einsatzunterlagen, die von den Gemeindeverantwortlichen strukturiert auf Basis der tatsächlichen Gegebenheiten und Bedürfnisse vor Ort auszuarbeiten sind.

Letztlich fügen sich Alarm- und Einsatzplan sowie Einsatzunterlagen zu einem individuellen „Notfallplan Blackout“ für die jeweilige Gemeinde zusammen. Dieser beinhaltet dann – soweit als möglich und vorhersehbar – Maßnahmen der Gemeinde, die der Bewältigung eines Blackout-Einsatzes und damit der Vermeidung, Begrenzung bzw. Beseitigung Blackout bedingter Schäden dienen sollen.

Die Notfallplan-Ordner gliedern sich in folgende Kapitel

  1. Eigenvorsorge, Sensibilisierung der Bevölkerung
  2. Krisenmanagement der Behörde
  3. Kommunikation und Information in der Krise
  4. Notstromversorgung
  5. Treibstoffnotversorgung
  6. Notversorgung mit Lebensmittel und Trinkwasser
  7. NotversorgungmitGesundheits-undSozialleistungen
  8. DiverseEntsorgungsthemen
  9. ÖffentlicheSicherheitundOrdnung

10.Abstimmung mit Einsatzorganisationen 11.Abstimmung mit Akteuren der Krisenbewältigung 12.Wiederherstellung – Versorgung und Infrastruktur

Ergänzend zu den Einsatzunterlagen des Notfallplans können die Gemeinden die Beratungsleistungen des Zivilschutzes OÖ in Anspruch zu nehmen.

Auch Behörden und potentielle Krisenstabsmitarbeiter sorgen vor

Im Krisenfall arbeiten sowohl Einsatzorganisationen wie auch Behörden auf Gemeinde-, Bezirks- und Landesebene in nach einheitlichen Regeln arbeitenden Krisenstäben, um sehr komplexe Einsatzszenarien bestmöglich abarbeiten zu können. Um diese wertvolle Arbeit leisten zu können ist es wichtig, dass die Stabsmitarbeiter auch zu Hause vorgesorgt haben. Dazu gehört nicht nur die Vorsorge mit entsprechenden Sicherheitseinrichtungen und einem Notvorrat zu Hause, sondern auch die Erstellung eines Familien-Notfallplans. „Nur wenn die Stabsmitglieder die Gewissheit haben, dass zu Hause alles in Ordnung ist, dass sie selbst und die Angehörigen bestmöglich versorgt und wohlauf sind, können sie sich auf die Arbeit konzentrieren, die auch im Katastrophenfall weiterlaufen muss. Dementsprechend wird auch das Aus- und Weiterbildungsangebot für Stabsmitglieder ausgeweitet“, erklärt OÖ Zivilschutz-Präsident Michael Hammer. Landesrätin Michaela Langer-Weninger führt weiter aus: Nachdem bei einem Blackout die üblichen Alarmierungs- und Informationsarten ausfallen sind auch alternative Kommunikationswege und Regeln für das erste Zusammenkommen des Krisenstabes im Notfallplan Blackout‘ erarbeitet worden.“

Selbsthilfe-Basen als Informationsdrehscheiben und Koordinationsstellen

Der „Notfallplan Blackout“ sieht die Errichtung von Selbsthilfe-Basen in den Gemeinden vor. Sie sollen die Selbstorganisation der Bevölkerung unterstützen und das Absetzen von Notrufen ermöglichen. Außerdem dienen die Selbsthilfe-Basen als Anlaufstelle für medizinische und anderweitige Hilfeleistungen sowie als Ausgabestelle für wichtige Versorgungsgüter. Zugleich stellen die Basen eine Verbindung zur Gemeinde-Einsatzleitung her. „Die Bevölkerung soll bereits in ‚Vor-Krisen-Zeiten‘ darüber informiert werden, welche Selbsthilfe-Basis für den jeweiligen Haushalt zuständig ist bzw. an welche sich dieser wenden kann“, rät OÖ Zivilschutz-Präsident Hammer. Die Basen werden nach Möglichkeit in öffentlichen Gebäuden eingerichtet, nicht jedoch in einsatzrelevanten Gebäuden.

Auch nachdem der Strom wieder fließt, kommt den Selbsthilfe-Basen eine wichtige Aufgabe zu. Sie sollen die Bürger/innen frühzeitig darüber informieren, weiterhin Ressourcen zu sparen, da der Aufbau einer stabilen Strom-Versorgung und Infrastruktur noch Tage dauern kann. Selbige Funktion übernimmt auch das Zivilschutz-SMS. Die Bürger/innen können sich dafür kostenlos auf www.zivilschutz-ooe.at anmelden und erhalten im Fall der Fälle Erstinformationen des/der eigenen Bürgermeister/in, sofern die jeweilige Gemeinde diese Informationsmöglichkeit nutzt.

Der OÖ Zivilschutz erklärt: Wie mit einem längerfristigen, großflächigen Stromausfall umgehen?

Der OÖ Zivilschutz beschäftigt sich seit einigen Jahren mit dem Katastrophenszenario eines Blackouts und hat sich so zur führenden Beratungsstelle zu diesem Thema entwickelt.

Den Bürger/innen empfehlen die Zivilschutzexpert/innen so vorzusorgen, dass sie mindestens zehn Tage (besser 14 Tage) autark leben können, das heißt, das Haus nicht verlassen müssen und auf fremde Hilfe nicht angewiesen sind. Neben einem Notvorrat an Lebensmitteln gilt es daher auch technische Hilfsgeräte wie Notfallradio, Notkochstelle, usw. anzuschaffen sowie Medikamente und Hygieneartikel vorsorglich im erforderlichen Ausmaß vorrätig zu halten.

Der Zivilschutz-Blackout-Folder mit Checklisten für die Zeit vor, während und nach einer solchen Katastrophe sowie die Broschüre „Krisenfester Haushalt“ können kostenlos auf www.zivilschutz-shop.at angefordert werden.

Zudem bietet der OÖ Zivilschutz einen Blackout-Vortrag für Gemeinden und ihre Bürger/innen an. Dabei werden die Teilnehmer/innen ohne Panikmache sensibilisiert und darüber informiert, wie unkompliziert die Vorsorge für ein Blackout umzusetzen ist.

F2: Werner Kreisl (Bezirkshauptmann Perg), Christian Kloibhofer, Landesrätin Michaela Langer-Weninger, Josef Lindner (Zivilschutzverband OÖ) und OÖ Zivilschutzverband-Präsident Michael Hammer.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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