AK-Präsident Stangl: „Langzeitarbeitslosigkeit wirkungsvoll bekämpfen und Lehren aus der Corona-Pandemie ziehen“

In vielen Bereichen unserer Gesellschaft und der Wirtschaft sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie trotz sinkender Fälle deutlich zu spüren. Am Arbeitsmarkt haben die vorherrschenden Krisen eine Spirale aus Lieferschwierigkeiten und Teuerung in Gang gesetzt. Am deutlichsten wird dies beim Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit sichtbar, die sich auf einem Langzeit-Rekord-Hoch befindet. „Zu spät und zu halbherzig hat die Politik auf diese absehbare Entwicklung reagiert. Was es nun braucht, sind Maßnahmen, um Langzeitarbeitslose in Beschäftigung zu bringen“, sagt AK-Präsident Andreas Stangl, der ein wirkungsvolles Maßnahmenpaket zur beruflichen Re-Integration von Langzeitarbeitslosen fordert.

Die AK-Forderungen

  • Die Kapazitäten im Bereich des psychologischen und psychotherapeutischen Angebots in Oberösterreich müssen rasch erweitert werden.
  • Das Arbeitslosengeld muss armutsfest gemacht werden:
  • Die Nettoersatzrate muss auf mindestens 70 Prozent erhöht werden.
  • Der Familienzuschlag muss von 0,97 Cent auf 2 Euro täglich erhöht werden.
  • Die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes muss verlängert werden.

  • Die Rahmenbedingungen im Bereich der Qualifizierung müssen verbessert werden. Arbeitslose müssen sich längerdauernde Ausbildungen leisten können, daher ist die Existenzsicherung in dieser Zeit deutlich anzuheben. Und konkrete Weiterbildungswünsche der Betroffenen müssen stärker berücksichtigt werden – im Idealfall mit einem Rechtsanspruch auf Qualifizierung. Im Hinblick auf den Fachkräftebedarf muss Lernwilligkeit gefördert und honoriert werden.
  • Im Interesse einer nachhaltigen Vermittlung sind Kompetenzen, Interessen, Ängste und gesundheitliche Probleme vom AMS stärker zu berücksichtigen.
  • Mehr Personal für das AMS: Ein wirksames Mittel im Kampf gegen die Langzeitarbeitslosigkeit ist eine intensive Betreuung der Jobsuchenden von Beginn der Arbeitslosigkeit an. Individuelle Lösungen und Angebote erfordern Zeit und vor allem eine wertschätzende Beziehung. Der Gesamtbedarf an zusätzlichem AMS-Personal liegt bei rund 650 Planstellen.
  • Solange Betriebe ihre (Langzeit-)Arbeitslose diskriminierende Personalrekrutierungsstrategie nicht ändern, braucht es Beschäftigungsangebote durch die öffentliche Hand. Die Zielgruppe älterer Langzeitarbeitsloser sollte dabei mit einer Jobgarantie besonders unterstützt werden. Sowohl im Bereich der Altenpflege als auch bei Schulen/Kindergärten würden Unterstützungskräfte wesentlich zur Entlastung des Pflegepersonals bzw. der Pädagogen/-innen beitragen. Weitere Beschäftigungsfelder sind der öffentliche Verkehr und die Kreislaufwirtschaft.
  • Die steigende Zahl Langzeitarbeitsloser erfordert eine bessere Dotierung des AMS-Förderbudgets. Egal, ob Beratung, Qualifizierung oder Beschäftigungsförderung – die Kostenintensität steigt. „Die Versäumnisse der Regierung zu Beginn der Corona-Pandemie im Kampf gegen die Verfestigung der Arbeitslosigkeit müssen jetzt korrigiert werden“, so Präsident Stangl.

Copyright: AK OÖ, Wolfgang Spitzbart

BU: Dagmar Andreé, Leiterin Abteilung Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftspolitik der Arbeiterkammer OÖ und Andreas Stangl, Präsident Arbeiterkammer OÖ.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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