Neues Unwetterwarnsystem in Myanmar mit Unterstützung der ZAMG

Österreichs ZAMG koordiniert die europaweite Plattform für Wetterwarnungen meteoalarm.org und führt auch weltweit Projekte durch. Vor kurzem ging ein mit dem Wetterdienst von Myanmar entwickeltes neues Warnsystem online.
Im Jahr 2008 ereignete sich eine der schwersten wetterbedingten Naturkatastrophen von Myanmar. Der Wirbelsturm Nargis ließ den Wasserstand im Irrawaddy Flussdelta innerhalb einer Nacht um rund zehn Meter steigen. Mehr als 80.000 Menschen starben.
Das gab den Anstoß, die Warnkapazitäten des nationalen meteorologischen und hydrologischen Dienstes von Myanmar (DMH) zu verbessern, finanziert durch die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und die Weltbank.
2015/2016 Evaluierung der Warnkapazitäten
„Wir haben Erfahrung mit ähnlichen Projekten und sind auch verantwortlich für die Koordination der europaweiten Warnplattform meteoalarm.org“, erklärt Meteorologe und Projektleiter Rainer Kaltenberger von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). „Daher wurden wir eingeladen, in den Jahren 2015 und 2016 die Warnkapazitäten von Myanmars nationalem meteorologischen und hydrologischen Dienst DMH zu analysieren und Lösungsvorschläge für ein modernes, effizientes Warnsystem zu erarbeiten.“
Die Vorschläge haben überzeugt und 2019 wurde die ZAMG beauftragt, ein neues, farbkodiertes Warnsystem nach internationalen Kriterien und maßgeschneidert auf den Bedarf von Myanmar zu entwickeln sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzuschulen.
Bedarf der Nutzer steht im Mittelpunkt
„Damit verbunden war die Umstellung auf eine völlig neue Warnphilosophie“, sagt ZAMG-Experte Rainer Kaltenberger. „Es ging vor allem um den Aufbau von auswirkungsorientierten Warnungen. Vereinfacht heißt das, es geht weniger um die Frage, wie das Wetter wird, sondern darum, welche Auswirkungen das bevorstehende Wetter verursachen kann. Dadurch ist für die Bevölkerung und die Verantwortlichen der Behörden viel klarer, welche Gefahren drohen und welche Schutzmaßnahmen notwendig sind. Ein Beispiel dafür sind vermehrt zu erwartende Schlangenbisse nach Überflutungen von Feldern entlang des Chindwin-Flusses und die entsprechende Vorsorge hinsichtlich Lieferung und Einkühlen von zusätzlichen Gegengiften nach Ausgabe einer Hochwasserwarnung.“
Schnittstellen für Internationales Rotes Kreuz, Google, etc.
Ein anderer wichtiger Aspekt ist, dass alle Warnungen in einem täglichen objektiven Entscheidungsprozess gemeinsam mit dem staatlichen Krisen- und Katastrophenmanagement in Myanmar erstellt werden, über eine Entscheidungsmatrix in einem Warntool eingegeben werden und über einen Ampelcode öffentlich zur Verfügung stehen. Damit erhält die Bevölkerung zum einen direkt über die Website die aktuellsten Warnungen. Zum anderen können Drittanbieter über eine Schnittstelle auf international genormte, maschinenlesbare Warndaten zugreifen.
„So können künftig Warnungen vor gefährlichen Wetter- und Hochwasserereignissen zum Beispiel mittels Push-Nachrichten auf Smartphones direkt und schnell die Bevölkerung und Touristen erreichen. Verschiedenste Organisationen wie das Internationale Rote Kreuz, Google und private Wetterdienste möchten diese Daten in ihren Systemen einbinden“, sagt Kaltenberger.
Schwierige Bedingungen durch Militärputsch und Pandemie
Die Arbeiten in Myanmar waren wesentlich schwieriger als erwartet. 2020 lief eine zweiwöchige Mission in Myanmars Hauptstadt Naypyidaw mit Workshops noch nach Plan. Dann folgten die Coronapandemie und politische Unruhen mit einem Militärputsch in Myanmar sowie der Rückzug von Projektpartnern. Es mussten alle weiteren Tätigkeiten aus über 7.000 Kilometer Entfernung online und per Videokonferenzen erledigt werden, zum Beispiel die gesamte organisatorische, inhaltliche und technische Entwicklung des Warnsystems inklusive klimatologischer Analysen, das Training des hydrologischen und meteorologischen Teams sowie die Begleitung der Testphase in der Monsunsaison 2021.
Seit April 2022 in Vollbetrieb
„Das alles war eine große Herausforderung und speziell die Umsetzung des Change Managements innerhalb der Organisation war aufgrund der politischen Situation zum Teil heikel“, sagt Projektleiter Rainer Kaltenberger. „Trotz dieser extrem schwierigen Rahmenbedingungen arbeiteten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des meteorologischen und hydrologischen Diensts DHM in Myanmar sowie das insgesamt neunköpfige Projektteam an der ZAMG beziehungsweise die externen IT-Entwickler hochmotiviert und intensiv an der Umsetzung. Seit April 2022 läuft das neue Warnsystem in Vollbetrieb und hilft künftig, die Menschen und die Infrastruktur von Myanmar zu schützen.“

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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