Beschäftigte in der Pflege sind am Limit: AK-Präsident Stangl fordert sofortige Entlastung

Die Situation in den Spitälern ist dramatisch, das berichten immer mehr Betriebsrätinnen und Betriebsräte aus den oberösterreichischen Krankenhäusern. Sie schlagen trotz sinkender Infektionszahlen Alarm, weil die Belastung mit Covid-Patienten/-innen nach wie vor hoch, der Rückstau an anderen Operationen und Behandlungen enorm ist. Zudem kommt es permanent zu Personalausfällen. „Wenn uns die Gesundheit und Einsatzfähigkeit des Personals in Spitälern und Pflegeheimen auch nur annähernd wichtig ist, brauchen wir jetzt eine sofortige Entlastung. Das heißt: keine neuen Aufgaben, mehr Unterstützungspersonal, mehr budgetäre Mittel für die Gesundheitsberufe“, sagt AK-Präsident Andreas Stangl.

Covid ist in den Krankenhäusern und Heimen noch lange nicht vorbei. Die Bettenbelegung mit Covid-Patienten/-innen stagniert auf hohem Niveau, viele Pflegekräfte sind selbst erkrankt und fallen aus. Selbst die vorübergehend niedrigeren Infektionszahlen im Sommer werden zu keiner Entlastung des Personals führen, da viele Operationen und Behandlungen aufgeschoben wurden und nachgeholt werden müssen.  

In manchen Abteilungen fallen derzeit bis zu 40 Prozent des Personals aus. Das bedeutet für die anderen: erschwerte Arbeitsbedingungen, Dauerrufbereitschaft, keine Planbarkeit, permanentes Aushelfen in anderen Bereichen. Die Verkürzung der Quarantäne auf fünf Tage wird diese Probleme nicht lösen, sondern eher verschärfen. „Beschäftigte, Patientinnen und Patienten sowie Bewohnerinnen und Bewohner zahlen nun mit ihrer Gesundheit den Preis für zwei Jahre politisches Versagen im Pandemiemanagement“, sagt AK-Präsident Andreas Stangl.

Die gesundheitlichen Folgen sind jetzt schon massiv und schwerwiegend: Laut Arbeitsklima Index leidet mehr als die Hälfte der Pflegekräfte unter Schlafstörungen. Sechs von zehn sind erschöpft und ausgelaugt. Jeweils rund 70 Prozent haben Muskelverspannungen und Rückenschmerzen. Ein Viertel hat hohen Blutdruck, ein Fünftel Herzrasen. Etwas mehr als die Hälfte der Pflegekräfte hat resigniert, noch etwas mehr berichten über Fälle von Burnout im eigenen Betrieb. All das führt dazu, dass sechs von zehn Beschäftigten in Pflegeberufen nicht glauben, ihren Beruf bis zur Pension ausüben zu können.

Und was macht die Politik? Sie halst den Pflegekräften noch eine weitere Aufgabe auf. Mit der neuen Verordnung können Besucher/-innen Antigentests seit 1. April auch in Krankenhäusern und Heimen machen. „Die Frage ist nur: Von wem? Die Selbsttests auszuteilen alleine reicht nicht, dadurch kommt ein zusätzlicher Aufwand auf die ohnehin schon überstrapazierten Beschäftigten zu“, beklagt der AK-Präsident und fordert die Politik auf, von weiteren Belastungen und Aufgaben für die Pflegebeschäftigten abzusehen. Vom Land OÖ verlangt Stangl den sofortigen Einsatz von Unterstützungskräften in allen Bereichen zur Entlastung des Pflegepersonals. So kann auch der Druck auf kranke Kollegen/-innen, so schnell wie möglich wieder zu arbeiten, gemindert werden.

Langfristig braucht es mehr finanzielle Mittel für die Gesundheitsberufe und ein Pandemiemanagement, das diesen Namen verdient. Der vielzitierte Bundes-Ausbildungsfonds mit 50 Mio. Euro pro Jahr wird bei weitem nicht reichen. Berechnungen der AK zeigen, dass alleine in Oberösterreich rund 23 Mio. Euro pro Jahr nötig sind, um Beschäftigte in Unterstützungsberufen einzusetzen und erste nachhaltige Ausbildungsinitiativen zu starten.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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