Transplacement statt Rivalität:Firmenübergreifendes Pilotprojekt sichert Fachkräfteim Bezirk Kirchdorf

LR Achleitner / Kröll / Steinwendner / Haidlmair 2
Pressekonferenz am 21. März 2022
Summary
Transplacement: Firmenübergreifendes Pilotprojekt
sichert Fachkräfte im Bezirk Kirchdorf
Der Bezirk Kirchdorf ist eine florierende Industrie- und Tourismusregion. Namhafte
international agierende Leitbetriebe und zahlreiche kleine und mittlere Betriebe sorgen
für einen auf Höchsttouren laufenden Wirtschaftsmotor. Die rund 1.000
Arbeitgeberbetriebe im Bezirk haben enormen Arbeits-, Fachkräfte- und Expertenbedarf
– denn de facto herrscht Vollbeschäftigung in der Region. Die Corona-Pandemie hat die
Situation weiter verschärft: Während in einigen Betrieben Kurzarbeit eingeführt wurde,
suchen andere wegen guter Auftragslagen dringend nach Personal.
Daher geht der Bezirk Kirchdorf nun einen innovativen Weg bei der Fachkräftesicherung
und –qualifizierung: Die Betriebe haben sich zur gemeinsamen firmenübergreifenden
Initiative „Transplacement“ zusammengeschlossen. In einem Pool „teilen“ sich die
Partnerbetriebe sozusagen die Arbeitskräfte und qualifizieren sie gemeinsam zu den
gesuchten Fach- bzw. Arbeitskräften. Gleichzeitig haben Arbeitsuchende oder
Menschen mit Schwierigkeiten, einen Job zu finden, eine Möglichkeit, eine
Beschäftigung zu finden.
Die dafür gegründete WLH GmbH vermittelt und betreut die Arbeitskräfte und qualifiziert
sie – falls erforderlich – gemeinsam mit den teilnehmenden Betrieben. Träger ist der
Verein Technologie Gruppe Kirchdorf. Das Pilotprojekt in der Region Kremstal wird bis
2026 vom Land Oberösterreich gefördert und vom AMS Kirchdorf und der OÖ.
Standortagentur Business Upper Austria unterstützt.
„Dieses Projekt ist ein Musterbeispiel dafür, dass von einer Zusammenarbeit alle
Beteiligten profitieren – von den Betrieben bis zu den Beschäftigten. Daher fördert das
Land OÖ dieses Modellprojekt. Wir wollen damit neue Wege bei der Fachkräftesicherung
aufzeigen und neue Impulse für den oö. Arbeitsmarkt setzen“, betont Wirtschafts-
Landesrat Markus Achleitner.

Ein Musterbeispiel für neue Wege bei der
Fachkräftesicherung
„Es ist grundsätzlich sehr erfreulich, dass sich gerade in Oberösterreich der
Arbeitsmarkt so rasch von der Corona-Krise erholt hat. Zugleich wird es aber für
viele Betriebe immer schwer, passendes qualifiziertes Personal für bestimmte
Stellen zu finden. Denn mittlerweile gibt es in unserem Bundesland schon mehr
offene Stellen als Arbeitssuchende. Das führt auch dazu, dass die Suche nach den
besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in manchen Branchen und Regionen zu
einem echten Tauziehen werden kann. Das Projekt ‚Transplacement‘ zeigt, dass
es auch anders geht und von Zusammenarbeit alle Beteiligten profitieren“, hebt
Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner hervor. „Damit zeigt sich einmal mehr,
dass die Region Kirchdorf zu Recht als Vorzeigebeispiel für aktive und gute
Kooperation der Betriebe gilt“, unterstreicht Landesrat Achleitner.
Der Bezirk Kirchdorf an der Krems ist eine sehr starke oberösterreichische
Industrieregion. Namhafte international agierende Leitbetriebe und zahlreiche kleine und
mittlere Betriebe sind der Wirtschaftsmotor im Bezirk. In Summe gibt es 1.000
Arbeitgeberbetriebe im Bezirk Kirchdorf an der Krems. Der große Arbeits-, Fachkräfte-
und Expertenbedarf ist in der Region deutlich spürbar und teilweise ein Hemmschuh in
der Entwicklung der Region. „Arbeits- und Fachkräftemangel hat sich in den
vergangenen Jahren zum dominanten Thema auch in dieser Region entwickelt. Mit dem
Projekt ‚Transplacement‘ wurde ein innovatives Instrument entwickelt, das einen
wesentlichen Beitrag zur Bewältigung dieser Herausforderung leisten kann“, betont
Wirtschafts-Landesrat Achleitner.
Innovative Fachkräftesicherung
Die Corona-Pandemie hat die Herausforderungen für die Betriebe weiter verschärft.
Während zahlreiche Betriebe ihre Belegschaft in Kurzarbeit schickten, suchten andere
aufgrund ihrer ausgelasteten Kapazitäten nach Personal: „Daher braucht es jetzt
innovative Ansätze für das Finden und Qualifizieren der benötigten Fachkräfte. Einer
dieser Ansätze ist, dass sich Unternehmen die Leistung von Arbeitskräften ‚teilen‘ und
von deren Qualifikation gemeinsam profitieren“, erklärt Landesrat Achleitner.

Das vom Land OÖ geförderte Modellprojekt „Transplacement“ soll neue Wege bei der
Fachkräftesicherung aufzeigen und zusätzliche Impulse für den Arbeitsmarkt setzen.
Das Modell entspricht in Bezug auf gestiegene Flexibilitätsanforderungen den
Bedürfnissen der Unternehmen. Das kooperative, firmenübergreifende Projekt soll
etwaige Spitzen bzw. Tiefpunkte beim Personalbedarf sowohl an Fachkräften als auch
an Spezialisten in der Region ausgleichen. Es kann aber auch beim beruflichen Einstieg
von Menschen in schwierigen Situationen eine Rolle spielen sowie
Weiterbildungsmaßnahmen fördern. „Nach einer Initialphase soll sich ‚Transplacement‘
selbst finanzieren. Aktuell befindet sich das Modellprojekt in der zweiten von drei Phasen
und soll mit seinen Erkenntnissen nach der jetzigen Erprobung anderen Regionen zur
Verfügung gestellt werden“, erläutert Landesrat Achleitner.
Eigene Trägergesellschaft gegründet
Am 1. November 2021 wurde die WLH GmbH als 100-Prozent-Tochter des Vereins
Technologie Gruppe Kremstal (TGK) gegründet, die die Arbeitskräfte auf die
teilnehmenden Betriebe verteilt. Die drei Buchstaben WLH stehen für „work“, „life“ und
„hub“ und symbolisieren die Vision als Drehscheibenfunktion einer neuen Arbeitswelt.
Die WLH GmbH will in der Region erproben, wie verfügbare Arbeitskräfte mit
begleitenden Maßnahmen zu gesuchten Fachkräften werden können. Projektträger ist
die TGK. Das AMS Kirchdorf und die oberösterreichische Standortagentur Business
Upper Austria begleiten das Projekt und arbeiten das Modell gemeinsam aus.
Arbeit neu denken

„Als Arbeitsmarktservice beteiligen wir uns an diesem Projekt sehr gerne, weil es sich
um ein innovatives Arbeitsmarktprojekt handelt. Der Arbeitskräftemangel beschäftigt
uns, umso erfreulicher ist es, wenn sich Betriebe zusammentun und hier etwas Neues
ausprobieren“, betont Julia Kröll, Geschäftsstellenleiterin des AMS Kirchdorf.
„Qualifizierung und Beschäftigung sind für das AMS von sehr großer Bedeutung, zumal
beides dazu beiträgt, Arbeitslosigkeit zu verkürzen oder überhaupt zu verhindern. Arbeit
neu denken ist für uns nicht nur ein Schlagwort, sondern wir bringen uns auch gerne in
Pilotprojekten wie dem Transplacement-Projekt ein“, so Kröll.
Alle fischen im selben Teich
„Die WLH GmbH ist eine unglaubliche Chance für die Menschen, die Unternehmen und
die Region. Alle Unternehmen fischen im selben Teich und können ihre Stellen auch mit
höchsten Anstrengungen nur mehr teilweise oder gar nicht besetzen. Die bisherigenLR Achleitner / Kröll / Steinwendner / Haidlmair 5
Pressekonferenz am 21. März 2022
Rekrutierungsprozesse laufen oft ins Leere und erzeugen hohe Kosten. Die WLH GmbH
geht neue Wege und verbindet Mitarbeiter/innen und Unternehmen mit gezielten
Programmen, abgestimmt auf den jeweiligen Bedarf. Dabei stehen Aus- und
Weiterbildungen im Fokus. Um diese Herausforderung zu bestehen, braucht es einen
gemeinsamen Weg, einen Verbund zwischen allen Beteiligten“, sagt Erich
Steinwendner, gewerberechtlicher Geschäftsführer der WLH GmbH.
Kooperative Region Kirchdorf
Der Verein Technologie Gruppe Kirchdorf (TGK) hat bereits 2019 die Initiative
„worklifehub kirchdorfkrems – Schöne Wohn- und Arbeitswelt“ zur Standort- und
Arbeitgeber-Attraktivierung mit rund 60 Mitgliedsbetrieben gestartet. Mittels aktivem
Regionalmarketing sollen mehr Fachkräfte in der Region gehalten und vor allem neue
requiriert werden.
TGK-Obmann René Haidlmair erklärt seine Motivation hinter dem Projekt
Transplacement: „Diese Idee und dieses Unternehmen setzen einen weiteren
wesentlichen Meilenstein in unserer Vereinsgeschichte. Als TGK ist es uns stets ein
Anliegen, gemeinsame Interessen und Themen unserer Mitglieder zu initiieren, die für
das einzelne Unternehmen nicht alleine umsetzbar sind. Durch die vertrauensvolle und
freundschaftliche Atmosphäre ist ein Austausch auf Augenhöhe möglich – gleichzeitig
die Voraussetzung dafür, gemeinsam ein so wichtiges Thema anzugehen. WLH ist
überdies für die ansässigen Unternehmen kein Fremdwort, sondern steht synonym für
unsere tolle Region, die Leute, die Vereine, die Infrastruktur, die Möglichkeiten beim
Wohnen und Leben und die Arbeitsmöglichkeiten, die wir im Rahmen des
Regionsmarketings worklifehub KirchdorfKrems zusammenfassen.“
Weiterbildung und Qualifizierung
Das Transplacement-Modell vereint Weiterbildung und Qualifizierung mit Elementen der
Arbeitskräfteüberlassung und ermöglicht den Übertritt in eine Dauerbeschäftigung. Das lässt
sich an einem konkreten Beispiel illustrieren: Ein angelernter arbeitsloser Arbeiter erhält über
das AMS das Angebot der speziellen Zusatzausbildung im Fräsen und über Transplacement
die Möglichkeit, in verschiedenen Unternehmen die Kenntnisse zu vertiefen. Im Anschluss
erhält er eine Befristung bei Transplacement und arbeitet bei zwei Unternehmen jeweils 15
Stunden. Aufgrund der verbesserten Auftragslage und guten Einarbeitung wird er von einem
der Unternehmen in ein Dauerarbeitsverhältnis übernommen.LR Achleitner / Kröll / Steinwendner / Haidlmair 6
Pressekonferenz am 21. März 2022
Innovative Pool-Lösungen
Auch die Art des Teilens kann sich unterschieden. Während z. B. Reinigungskräfte oder
auch Lehrlingsausbilder eher stundenweise geteilt werden, können Instandhalter/innen
auch mehrere Wochen oder Monate durchgängig in einem Unternehmen sein und dann
zur nächsten „Baustelle“ wechseln. Jene Arbeitskräfte, die über „Pool-Lösungen“ geteilt
werden können, lassen sich in die zwei Bereiche Hilfskräfte (Reinigung, Hilfskräfte
Metall) und Spezialist/innen (Lehrlingsausbilder Metall, Sicherheitsfachkräfte, Lkw-
Fahrer, Instandhalter für Gebäude) unterteilen.
Erste Ausbildung startet
Das AMS OÖ ermöglicht potenziellen Arbeitskräften beispielsweise den Zugang zu einer
Metallausbildung in einem Metallausbildungszentrum. Mithilfe dieser Grundausbildung
werden die Teilnehmer/innen mit Grundkompetenzen ausgestattet. Sie können im
Rahmen von Praktika während der Ausbildung ihre Fähigkeiten vertiefen und
anschließend mit einer Arbeitserprobung bis zu vier Wochen in einem Betrieb ihr Können
unter Beweis stellen. Die WLH GmbH vermittelt die Kandidat/innen und stellt sie an.
Diese Personen können dann mithilfe der WLH GmbH zielgerichtet für und mit den
Betrieben weiter ausgebildet werden. Da diese Ausbildungsoption zeitlich losgelöst
starten kann, ist ein Einstieg für Interessierte jederzeit möglich.
„Dass dieses Projekt arbeitsmarktpolitische Relevanz besitzt, zeigen die
Arbeitslosenquote von 3,8 Prozent im Jahr 2021 und die Stellenandrangsziffer im Jahr
2021 von 0,9“, sagt die Kirchdorfer AMS-Geschäftsstellenleiterin Julia Kröll. „Neue
Formen der Beschäftigung und neue Möglichkeiten der Qualifizierung sowie
Perspektiven für Rückkehrer/innen in die Region bzw. (Wieder-)Einstieger/innen in den
regionalen Arbeitsmarkt werden dringend benötigt, um die offenen Stellen besetzen zu
können.“
Die ersten Stellen sind schon auf der Website der WLH GmbH gelistet:
www.wlh-gmbh.atLR Achleitner / Kröll / Steinwendner / Haidlmair 7
Pressekonferenz am 21. März 2022

Ziele der Initiative „Transplacement – kooperative Fachkräftesicherung“
– Neuorganisation von Arbeit in definierten Feldern
– bedarfsgerechtes betriebsübergreifendes Pooling von Arbeitskräften
-Wiedereinstiegsmöglichkeit in den ersten Arbeitsmarkt
– Vermeidung von prekären Beschäftigungsverhältnissen
– Schaffung von Arbeitsplätzen für gut qualifizierte Absolvent/innen und
Rückkehrer/innen
– mittel- bis langfristige Perspektiven für Unternehmen und Arbeitsuchende
– Drehscheibe für maßgeschneiderte Ausbildungen, um Region und
Kooperationspartner zu stärken.
– Drehscheibe für Expert/innen (z. B. Jurist/in, HR, Sicherheit, …)
– Drehscheibe für Mitarbeiter/innen innerhalb der Partnerunternehmen bei
Schwankungen.
– Drehscheibe für Mitarbeiter/innen mit geringer, aber gewollter Mehrauslastung.
– WLH GmbH fungiert als externes Personalbüro mit gemeinschaftlicher
Verantwortung
– langfristige Bindung von Fachkräften an die Region durch langfristige Perspektiven
– Zuzug von Fachkräften in die Region durch interessante Möglichkeiten und gelebte
Regionskultur
-Zielgruppen unter den Arbeitskräften sind:
– Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen (Fokus auf ältere
Spezialist/innen oder jüngere Arbeitslose bzw. Langzeitarbeitslose)
– Arbeitskräfte mit Qualifizierungsbedarf
– gut qualifizierte Absolvent/innen und Spezialist/innen, die in der Region keine
Vollanstellung finden
– EPU als flexible Dienstleister
-Wiedereinsteiger/innen
– internationale Arbeitskräfte.
– Schulabgänger/innen, -abbrecher/innen
– Menschen mit Migrationshintergrund
Zielgruppen unter den Arbeitgeber/innen
– Unternehmen mit speziellem Fachkräftebedarf, auch partiell
– Unternehmen mit Fachkräfteüberschuss
– Kommunen, gemeindenahe Vereine und InstitutionenLR Achleitner / Kröll / Steinwendner / Haidlmair 8
Pressekonferenz am 21. März 2022

Beteiligte Unternehmen
– Bernegger GmbH
– Piesslinger GmbH
– TCG UNITECH GmbH
– Mark Metallwarenfabrik GmbH

Das Pilotprojekt in der Region Kremstal wird bis 2026 vom Land Oberösterreich gefördert und
vom AMS Kirchdorf und der oö. Standortagentur Business Upper Austria als strategische
Partner unterstützt.

©Land OÖ / Daniel Kauder
Erich Steinwendner, Geschäftsführer der WLH GmbH, Julia Kröll, Geschäftsstellenleiterin AMS Kirchdorf, Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner und René Haidlmair, Obmann Verein Technologie Gruppe Kremstal.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

error: (c) by salzTV