Sozialer Survey Österreich 2021 – von Abstieg, Angst und enttäuschten Familien

Zwei Jahre Pandemie haben ihre Spuren hinterlassen. Sollte man meinen. Aber stimmt das wirklich? Und: Befinden sich kommende Generationen am sozialen Abstieg? Der Soziale Survey Österreich 2021 hat diese Fragen untersucht.

Bei der Studie handelt es sich um eines der größten sozialwissenschaftlichen Projekte Österreichs. Beteiligt sind neben der Johannes Kepler Universität Linz (Abteilung für Empirische Sozialforschung) auch Universitäten in Graz, Salzburg und Wien. Der Soziale Survey Österreich findet seit 1986 statt; der aktuelle ist die bereits 6. Ausgabe.

Soziale Ungleichheit

In ihrem Beitrag haben JKU Prof. Johann Bacher und JKU Forscherin Martina Beham-Rabanser untersucht, ob Österreich noch immer den kontinuierlichen Aufstieg der nachfolgenden Generation ermöglicht. Ob also die kommende Generation „es besser hat“ als die Elterngeneration, oder ob wir uns bereits in einer Abstiegsgesellschaft befinden. Ihre Analysen zeigen, dass seit den 1980er-Jahren eine Zunahme der sozialen Immobilität festzustellen ist. Haben 1986 noch 48% einen Aufstieg im Vergleich zu den Eltern realisieren können, waren es 2021 nur noch 40% der Untersuchungsteilnehmer*innen. Bei den Männern ist dies durch eine Abnahme der Aufstiege bedingt, bei den Frauen bedingt durch eine Abnahme der Abstiege. Belege, das wir bereits in einer Abstiegsgesellschaft leben, lassen sich jedoch nicht finden.

Zukunftserwartungen

Die JKU Forscher Dimitri Prandner und Robert Moosbrugger haben sich mit den Zukunftserwartungen der Österreicher*innen beschäftigt. Das überraschende Ergebnis: Die Pandemie hat die Zukunftserwartungen der Österreicher*innen als Ganzes nur unwesentlich verändert. So lag der Anteil an Pessimist*innen 2018 mit 14% nur einen Prozentpunkt unter 2021, als 15% der Befragten als Pessimist*innen identifiziert werden konnten.

Allerdings: Personengruppen, die von der Pandemie besonders stark betroffen sind, zeigen weitaus dramatischere Entwicklungen. Familien mit Kindern bis 14 Jahre (2018: 27%; 2021: 38%), Personen mit mäßigem Gesundheitszustand (2018: 28%; 2021: 34%) und Personen, die schwer mit ihrem Einkommen ihr Auskommen finden (20218: 25%; 2021: 36%), sind in der Krise zunehmend pessimistischer bezüglich der zukünftigen Situation in Österreich geworden. Resümee: Von der Krise verstärkt Betroffene haben ihr Vertrauen in die Gesellschaft Großteils verloren – mit dramatischen Konsequenzen für die Gesellschaft als Gesamtheit.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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