LRin Langer-Weninger: Lehren aus geopolitischer Krise ziehen; Versorgungssicherheit wieder stärker priorisieren

In Krisen- und Kriegszeiten rückt die Ernährungssicherheit  in den Fokus. Mit der Invasion Putins in die Ukraine drängt sich vielen österreichischen Bürger/innen die Frage auf, ob nun ein Lebensmittelengpass zu befürchten ist, schließlich gilt die Ukraine als Kornkammer Europas. „In Österreich wie auch in der gesamten EU ist die Ernährungssicherheit dank hoher Selbstversorgungsgrade gewährleistet“, beruhigt Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger: „Um auch in der Zukunft diese weitgehende Autonomie zu erhalten, ist es von zentraler Bedeutung, unsere heimischen Familienbetriebe zu stärken und ihre Agrarflächen für die Produktion zu schützen. Auch sichere Energieformen, wie beispielsweise Wärme und Strom aus Biomasse, müssen stärker in den Mittelpunkt rücken.“

Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger: „Die Ernährungssicherheit muss wieder stärker priorisiert werden. Das ist eine der Lehren aus der aktuellen geopolitischen Situation.“
 Foto: Land OÖ

Preise für Agrargüter explodieren – Ziehen die Lebensmittelpreise nach?

Die Ukraine ist ein wichtiger Agrarhandelspartner der Europäischen Union (EU). Auch im internationalen Vergleich zählt die Ukraine ebenso wie Russland zu den großen Playern auf den Rohstoffmärkten. Folglich explodieren seit Beginn des bewaffneten Konflikts die Marktpreise für Energie und Getreide. Wie weit die Kurse noch klettern, lässt sich schwer einschätzen. Was sich aber bereits sagen lässt, ist, dass sich die wirtschaftliche Lage auf Oberösterreichs Höfen wegen der explodierenden Betriebsmittelpreise zuspitzt. „Die Agrarrohstoffkurse gehen gerade durch die Decke. Wo es nötig und möglich ist, sollten nun rasch Stabilisierungsmaßnahmen gesetzt werden“, fordert Agrar-Landesrätin Langer-Weninger.Im Landwirtschaftsministerium wurde bereits ein eigener Einsatzstab eingerichtet, der die Lage auf den Agrarmärkten, die Handelsströme und die Lebensmittelversorgung genau beobachtet und bewertet. Diese Informationen werden die Basis für weitere Entscheidungen und gezielte Stabilisierungsmaßnahmen sein. 

Landerätin Michaela Langer-Weninger hat bereits konkretere Maßnahmen ins Auge gefasst und unterstützt die immer lauter werdende Forderung nach einer Steuererleichterung bei Sprit: „Die Preise für Benzin, Diesel und Agrar-Sprit sind ungeheuer hoch und für viele kaum mehr tragbar. Die Hälfte der Treibstoffkosten sind Steuerabgaben an den Bund. Eine vorübergehende Senkung der Spritsteuern, etwa der Mineralölsteuer, würde die Bevölkerung als auch die Landwirtschaft spürbar entlasten.“ 

Zum Glück halten die Bäuerinnen und Bauern am Fortbestand ihrer Betriebe und damit an der Produktion von Lebensmitteln fest. „Sie garantieren damit weiterhin die Ernährungssouveränität in Österreich“, betont Landesrätin Langer-Weninger. So auch im Getreide-Sektor, wo mit der Ukraine heuer ein zentraler Weizen- und Mais-Exporteur zur Gänze auszufallen droht. „In Österreich haben wir bei vielen Getreidesorten eine hundertprozentige Selbstversorgung, etwa bei Hartweizen und Triticale. Auch im Durchschnitt aller Getreidesorten liegt der Selbstversorgungsgrad bei knapp 90  Prozent“, so Langer-Weninger, die in Richtung besorgter Konsument/innen beruhigt.

Differenzierter stellt sich die Lage im Bereich der Öl- und Eiweißfrüchte sowie der pflanzlichen Öle dar. Hier ist man im gesamten europäischen Raum von Importen abhängig. „Die Inlands-Selbstversorgung liegt bei Pflanzenölen bei 30 Prozent, bei Ölsaaten bei circa 40 Prozent. Die stark steigenden Marktpreise, treffen vorerst nur den Agrar- und Lebensmittelsektor werden sich in weiterer Folge aber auch auf den Konsumbereich durchschlagen. Ein Anziehen der Lebensmittelpreise ist so gut wie sicher. Auch die Inflation wird Energie-bedingt weiter ansteigen“, so Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger.Dank der gut aufgestellten produzierenden Landwirtschaft (tierhaltende Betriebe) ist bei den tierischen Lebensmitteln wie Milch, Eiern und Fleisch die Inlandsversorgung aber zur Gänze gesichert.

Trotz Ernährungssouveränität in Österreich vergisst Landesrätin Langer-Weninger nicht auf die Versorgungslage in der Ukraine aufmerksam zu machen: „Wir dürfen nicht vergessen, welche weitreichenden Folgen eine stark reduzierte landwirtschaftliche Produktion in der Ukraine für die Menschen vor Ort hat. Das neue Produktionsjahr beginnt gerade. Die Aussaat steht unmittelbar bevor. Ich glaube man muss nicht ausführen, welche Herausforderungen auf den ohnehin schwer getroffen Staat zukommen, wenn die Äcker jetzt nicht bestellt werden.“

Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger: „Die Ernährungssicherheit muss wieder stärker priorisiert werden. Das ist eine der Lehren aus der aktuellen geopolitischen Situation.“
 Foto: Land OÖ

Ackerbau: Weniger Dünger, geringere Ernte

Generell wird für 2022 eine reduzierte weltweite Getreideernte prognostiziert. Denn die Düngermittelpreise waren bereits im Herbst hoch, sind aber jetzt auf einem Höhenflug. Ursächlich hierfür sind die stark gestiegenen Preise für Gas, einem Ausgangsstoff der Düngermittelproduktion. Hinzu kommt noch, dass Russland ein wichtiges Düngermittel- Exportland ist, wodurch die Verfügbarkeit von Stickstoff-, Kali- und Phosphordünger und Co. noch einmal deutlich eingeschränkt ist. Doch weniger Dünger, bedeutet weniger Pflanzennährstoffe, schlechteres Wachstum und im Endresultat eine geringere Ernte.

Lehren aus der aktuellen Situation ziehen

„Die bisherige EU-Agrarpolitik ebenso wie die geplanten, überbordenden Maßnahmen im Rahmen des Green Deals wie zum Beispiel zehn Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen für Naturschutzzwecke aus der Produktion zu nehmen, müssen dringend überdacht werden. Gleiches gilt für die Biodiversitätsstrategie, die zehn Prozent der Wälder außer Nutzung stellen will. Denn gerade der Wald bietet in Form von Biomasse eine nachhaltige und sichere Alternativ-Energieform zu Öl und Gas“, so Michaela Langer-Weninger. Für Oberösterreichs Agrar-Landesrätin ist die zentrale Lehre aus der aktuellen geopolitischen Situation: „Die Ernährungssouveränität, aber auch die Eigenversorgung mit agrarischen Gütern müssen wieder einen höheren Stellenwert bekommen. Dazu gehört, die heimischen Familienbetriebe und Agrarunternehmen zu stärken sowie den Bodenverbrauch zu stoppen.“

Quelle: Landeskorrespondenz OÖ

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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