Geschlechterforscherin in Salzburg zieht EU-Fördergeld an Land

Drei Millionen Euro-Forschungsauftrag für Salzburger Gender-Professorin

Salzburger Landeskorrespondenz, 11. März 2022

(LK)  Zoe Lefkofridi bekleidet die einzige Genderprofessur der Welt, die quantitative, also mit Zahlen belegbare, Methoden verwendet. Sie hat im wichtigsten europäischen Wissenschaftsförderprogramm Horizon Europe einen mit drei Millionen Euro dotierten Forschungsauftrag für Salzburg erhalten. „Das Land hat mit einer zusätzlichen Stelle zur Unterstützung der Geschlechterforschung in Salzburg den richtigen Hebel angesetzt und damit den Universitätsstandort eindrucksvoll gestärkt“, ist Landesrätin Andrea Klambauer stolz auf den Zuschlag.

Forschungsauftrag für Salzburger Gender-Professorin, im Bild: Gender-Professorin Zoe Lefkofridi, LR Andrea Klambauer und Forscherin Nadine Zwiener-Collins. 10.03.2022
Copyright: Land Salzburg/Karin Feldinger

Das Horizon-Forschungsprogramm stärkt die Grundlagenforschung in Europa auf höchstem Niveau. „Dieser erfolgreiche Antrag ist ein Nachweis für die geforderte Exzellenz am Universitätsstandort Salzburg. Und mit Zoe Lefkofridi haben wir eine Wissenschaftlerin, die sich zum Ziel gesetzt hat, Ergebnisse ihrer Geschlechterforschung in die Salzburger Zivilgesellschaft zu bringen und auch für Nicht-Expertinnen und Nicht-Experten verständlich zu machen“, so Landesrätin Andrea Klambauer.

Hebelwirkung für Geschlechterforschung

Wissenschaftliche Stellen sind in diesem Umfeld derzeit über die Universität allein nur schwer finanzierbar. „Wir fördern daher einen zusätzlichen Posten für drei Jahre mit 215.000 Euro“, so Klambauer. Seit April 2021 ist er mit Nadine Zwiener-Collins besetzt, die zuvor am Sozialforschungsinstitut der University College London, einer der renommiertesten Universitäten der Welt, geforscht hat.

Was das Geschlecht in Politik und Gesellschaft bedeutet

Zoe Lefkofridi ist Professorin am Fachbereich Politikwissenschaft. Sie forscht und lehrt über Demokratie, Diversität und Gleichheit, mit Fokus auf den Ursachen und Konsequenzen ungleicher politischer Beteiligung und Vertretung sowie auf den Einfluss der Europäischen Integration auf Demokratien. Das Landes-Medienzentrum (LMZ) hat mit ihr gesprochen.

LMZ: Was zeichnet ihre Tätigkeit aus?

Lefkofridi: Ich habe die weltweite einzige Genderprofessur, die quantitative Daten, aber auch Aspekte wie Behinderung und ethnische Herkunft berücksichtigt. Ohne die Förderung könnte ich meine Forschung nicht auf diesem Niveau und in diesem Umfang betreiben. Das Land hat verstanden, dass die Geschlechterforschung wichtig ist.

LMZ: Wofür haben Sie den Forschungsauftrag erhalten?

Lefkofridi: Es geht dabei um Demokratie über das Horizon-Programm. Wir haben uns gegen 25 internationale Einreichungen durchgesetzt. Wir untersuchen das Phänomen „Backlash“ bei der Gleichstellung der Geschlechter, das sowohl für die Demokratie als auch die EU gefährlich ist. Gemeint sind Rückschritte zum Beispiel bei Frauenrechten, wie wir sie in Ungarn oder den USA beobachten können.

LMZ: Welche Erkenntnisse gibt es bereits?

Lefkofridi: Es beginnt bei der Sprache, die Gewalt gegen Frauen fördert. Nach wie vor haben die Frauen den größeren Anteil bei der Hausarbeit und der Kinderbetreuung. Sie stehen zwar stärker im Arbeitsprozess als früher, dazu kommt aber die Doppelrolle als Mutter. Die alten Vorurteile, was Männer angeblich besser können als Frauen, sind nach wie vor präsent. Wir lernen das von Kindesbeinen an. Und es fehlen männliche Bezugspersonen, etwa im Kindergarten. Das hat sich besonders in Corona-Zeiten wieder verschärft.

LMZ: Zur Situation in Österreich und in Salzburg: Wo sind wir weiter und wo weiter hinten?

Lefkofridi: In Österreich ist sehr spezifisch, dass Frauen ab der Geburt eines Kindes entweder gar nicht oder in Teilzeit arbeiten und damit in die Armutsfalle rutschen können. Besonders dann, wenn eine Scheidung folgt und ihre Pensionsbeiträge zu gering sind. Positiv ist der gestiegene Anteil von Frauen in der Politik, nach wie vor selten aber Mütter von Kindern, die beides unter einen Hut bringen. Voraussetzung dafür sind Männer, die bereit sind, mehr Aufgaben zuhause zu teilen. 

Quelle: Land Salzburg

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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