Vorbeugende Einnahme von Kaliumjodid ist sinnlos und sogar gefährlich

Nur im Ernstfall für bestimmte Bevölkerungsgruppen und nur auf Anweisung der Behörden

Salzburger Landeskorrespondenz, 08. März 2022

(LK) Das Risiko von strahlenbedingtem Schilddrüsenkrebs wird durch die Einnahme von Kaliumjodidtabletten prinzipiell deutlich verringert. Aber: „Es besteht aufgrund der Kriegshandlungen in der Ukraine derzeit keinerlei Grund für die vorbeugende Einnahme von Kaliumjodid, diese darf nur nach Aufforderung von Behörden erfolgen. Außerdem: Ab dem 40. Lebensjahr ist auch in einem Ernstfall die Einnahme nicht nötig“, informieren Landessanitätsdirektorin Petra Gruber-Juhasz und ihr Stellvertreter Robert Sollak.

Aufgrund des Kriegs in der Ukraine und der Angst vor der Freisetzung von Radioaktivität nimmt der private Einkauf von Kaliumjodidtabletten in den Apotheken deutlich zu. „Eine Veranlassung dafür besteht auf Grund der bestehenden Vorräte keine, zudem ist die Einnahme im Ernstfall auf gewisse Zielgruppen beschränkt, wobei auch der richtige Zeitpunkt der Einnahme von besonderer Bedeutung ist. Wenn keine offizielle Aufforderung durch die Behörden erfolgt, ist von einer Einnahme unbedingt abzusehen“, unterstreichen Landessanitätsdirektorin Petra Gruber-Juhasz und Stellvertreter Robert Sollak.

Gruber-Juhasz: „Nur im Ernstfall!“

„Die Haupt-Zielgruppen für eine Verabreichung von Kaliumjodid im Ernstfall sind Kinder und Jugendliche. Sie sind in verstärktem Ausmaß gefährdet, an strahlenbedingtem Schilddrüsenkrebs zu erkranken. Auch Schwangere und Stillende würden zu gegebenem Anlass zur Einnahme von Kaliumjodid aufgefordert werden. Personen ab dem 40. Lebensjahr sollten Kaliumjodid-Tabletten nicht mehr einnehmen, da ihr Risiko an strahlenbedingtem Schilddrüsenkrebs zu erkranken sehr gering, das Risiko von schweren Nebenwirkungen durch die Zufuhr von Jod aber hoch ist“, so die Landessanitätsdirektorin.

Sollak: „Auf Aufforderung warten“

„Kaliumjodidtabletten sind nicht einzunehmen, wenn irgendwo auf der Welt oder in Europa etwas passiert. Es muss eine unmittelbare örtliche Nähe bestehen, wenn sich also zum Beispiel radioaktive Luftmassen durch den Wind einer gewissen Region nähern. Diese Parameter können nur Spezialisten beurteilen. Und diese würden dann in Abstimmung mit den Behörden auch zur Einnahme raten – und nur dann sollte man die Tabletten nehmen“, so Robert Sollak.

Bestände in Schulen und Kindergärten

Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen haben grundsätzlich einen Vorrat an Kaliumjodid-Tabletten. Zu einer Verabreichung kommt es nur nach Aufforderung durch die Behörden und wenn die Erziehungsberechtigten ihr Einverständnis erklärt haben.

Ausreichend Vorräte vorhanden

Das Bundesministerium für Gesundheit beschafft aus Vorsorgegründen bereits seit Anfang der 1990er Jahre Kaliumjodid-Tabletten für die Bevölkerung. Zusätzlich stehen in Österreich dezentrale Lager zur Verfügung, in denen ausreichend Tabletten für die Bevölkerung vorhanden sind, sollten diese im Notfall benötigt werden.

©Land Salzburg/Sophie Huber-Lachner

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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