Konflikt zwischen Russland und Ukraine für oö. Wirtschaft immer mehr spürbar

WKOÖ-Präsidentin Hummer verurteilt aggressive Politik Russlands

Die Wirtschaftskammer verfolgt den russischen Angriff auf die Ukraine und dessen Auswirkungen mit größter Sorge und der Beschuss des Atomkraftwerks Saporischschja ist nur ein schreckliches Beispiel, wie dramatisch die Lage inzwischen geworden ist. „Wir verurteilen diesen kriegerischen Akt auf das Schärfste und tragen die Sanktionen der EU bzw. der österreichischen Bundesregierung gegen Russland voll mit. Das enorme menschliche Leid ist unfassbar und es muss jetzt alles unternommen werden, um eine rasche Deeskalation der Lage zu erreichen“, drückt WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer ihre tiefe Betroffenheit zu den Kriegshandlungen in der Ukraine aus.

Gesamtwirtschaftliche Auswirkungen derzeit noch schwer einzuschätzen
„Zur humanitären Katastrophe kommen aber auch die wirtschaftlichen Folgen, die derzeit für unsere heimischen Unternehmen noch schwer abschätzbar sind. Russland und die Ukraine sind rohstoffreiche Länder und auch als Zulieferer von großer Bedeutung. Die derzeitige Lage wirkt sich daher deutlich auf Oberösterreich als Industriebundesland aus, wenn die Verfügbarkeit von Rohstoffen und anderen Vorprodukten gefährdet ist. Bereits vor dem Krieg bestehende Schwierigkeiten in den Lieferketten, in der Rohstoffversorgung und Belieferung mit Vorprodukten (etwa Halbleiter) drohen sich weiter zuzuspitzen. In einigen Branchen kommt es bereits zu Beschaffungsproblemen oder gänzlichen Lieferausfällen“, verweist WKOÖ-Präsidentin Hummer als nur ein Beispiel auf das BMW-Werk in Steyr, das seine Produktion aufgrund von Ausfällen in der ukrainischen Zulieferindustrie vorübergehend stoppen musste.

Steigende Rohstoffpreise
Bereits jetzt hat sich der Konflikt auf die Rohstoffpreise ausgewirkt. Die davor schon hohen Kosten für Erdöl und Erdgas haben ein neues Rekordhoch erreicht. Rund 80 Prozent des importierten Erdgases Österreichs stammen aus Russland und mit ca. 10 Prozent ist Russland der drittwichtigste Erdöllieferant Österreichs.

Erdöl hat mit ca. 37 Prozent den höchsten Anteil am Bruttoinlandsverbrauch in Österreich, gefolgt von Erdgas hat mit ca. 22 Prozent. Beide sind für die Industrie nicht nur ein wesentlicher Energieträger, sondern auch wichtiger Roh- bzw. Grundstoff in der Produktion von Gütern. Für den Produktionsstandort Oberösterreich, aber auch für die Wirtschaft insgesamt ist die Frage der Energiesicherheit essentiell. Die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit muss sichergestellt werden. Gelingt dies nicht, droht ein Abschwung der guten Konjunktur, die für 2022 prognostiziert wurde. „Mittelfristig muss es unser Ziel sein, die heimische Energieversorgung auf eine breitere Basis zu stellen, sowohl bezüglich der genutzten Energieträger — Stichwort Ausbau erneuerbarer Energieträger — als auch hinsichtlich der Zulieferstaaten. Das verringert die Abhängigkeit und stärkt die Resilienz der heimischen Wirtschaft“, plädiert Präsidentin Hummer dafür, zukünftig auf einen diversifizierten Energiemix zu setzen.

Export
Den oberösterreichischen Unternehmen fallen durch den Konflikt de facto auch zwei wichtige Exportmärkte weg. Zwar zählt Russland seit den im Zuge der Annexion der Krim 2014 erhobenen Sanktionen nicht mehr zu den Top-10-Exportmärkten Oberösterreichs (2020 nur noch Rang 17), die Folgen wären aber für das Exportbundesland Oberösterreich trotzdem deutlich spürbar. Oberösterreichs Exporte in die Ukraine (2020: 111 Mio. Euro) sind in erster Linie Maschinen sowie pharmazeutische Erzeugnisse.

Verflechtung von heimischen Betrieben mit Russland und der Ukraine
Viele heimische Unternehmen sind in der Ukraine und in Russland aktiv, auch mit Produkti-onsstätten und Niederlassungen. Laut AußenwirtschaftsCenter Kiew gibt es ca. 200 Niederlassungen österreichischer Unternehmen in der Ukraine, rund 40 aus Oberösterreich. In Russland sind laut AußenwirtschaftsCenter Moskau rund 650 Österreicher Unternehmen mit Niederlassungen vertreten. Insgesamt beträgt das Investitionsvolumen Österreichs in Russland 4,6 Mrd. Euro. Umgekehrt investiert Russland 21,4 Mrd. Euro in Österreich. Russland ist nach Deutschland der größte Investor in Österreich. Rund 500 russische Firmen sind in Österreich vertreten. Das zeigt die enorme wirtschaftliche Verbundenheit und wie wichtig daher eine rasche Beilegung des Konflikts ist.

Im Fokus der Arbeit der Wirtschaftskammer steht jetzt die Unterstützung der in der Ukraine und in Russland tätigen österreichischen Unternehmen und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Für diese Unternehmen bieten unsere AussenwirtschaftsCenter konkrete Hilfestellung vor Ort. Bei Fragen zu Einreisen und zum Aufenthalt von auf der Flucht befindlichen Mitarbeitern nach Österreich stehen die regionalen Wirtschaftskammern zur Verfügung“, zeigt WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer auf.
 Die WKÖ hat unter wko.at/ukraine einen Infopoint für Unternehmen eingerichtet.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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