Ein AK OÖ-Befund zum Frauentag: Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit muss endlich Wirklichkeit werden

Der Frauentag am 8. März hat an seiner Aktualität und Notwendigkeit nicht eingebüßt. Denn Frauen verdienen in Oberösterreich in Vollzeit über das Jahr gerechnet mehr als ein Fünftel weniger als Männer. Diese Differenz gehört zu den höchsten im Vergleich der österreichischen Bundesländer. Geringer Stundenlohn, weniger Arbeitsstunden und eine niedrige Erwerbsbeteiligung sind die zentralen Ursachen für die große Einkommenslücke. „Die Anhebung des Mindestlohns auf 1.700 Euro brutto, gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit und ein gerechter Mehrarbeitszuschlag bei Teilzeit sind das Gebot der Stunde“, so AK-Präsident Andreas Stangl.

„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ hieß es schon bei den ersten Demonstrationen zum internationalen Frauentag vor über 110 Jahren – und die Forderung bleibt weiter aufrecht. Im Laufe eines Berufslebens wächst das Einkommen bei Männern meist kontinuierlich, während es bei Frauen im mittleren Alter stark einbricht. Berufliche Unterbrechungen wegen Geburt und Karenz, aber auch längerfristige Arbeitsreduktionen aufgrund fehlender Kinderbetreuungsangebote vermindern das Einkommen von Frauen deutlich und haben langfristig Auswirkungen auf Versicherungszeiten und die Pensionshöhe. Häufig sind Frauen deshalb im Alter von Armut bedroht.

Arbeitete 2020 eine Frau in Oberösterreich das ganze Jahr über Vollzeit, hatte sie am Jahresende im Schnitt brutto um über ein Fünftel weniger am Lohnkonto als ein Mann. Das bedeutete in Summe 11.460 Euro oder einen Kleinwagen weniger. Selbst wenn man Faktoren wie Branche, Beschäftigungsausmaß, Alter, Beruf, Region, Bildungsniveau oder die Art des Arbeitsvertrages herausrechnet, sind laut Statistik Austria zwei Drittel des Lohnunterschiedes immer noch nicht erklärbar. Zudem erbrachten die Oberösterreicherinnen 2020 rund 10,6 Millionen Überstunden, davon geschätzt 1,5 Millionen unbezahlt.

Frauen verdienen österreichweit nach der Geburt des Kindes viele Jahre deutlich weniger als zuvor. Hingegen erleben gerade gutverdienende Männer, die meist nur eine kurze Väterauszeit nehmen oder ihre Erwerbstätigkeit gar nicht unterbrechen, einen wahren Einkommensschub. Verdienen knapp zwölf Prozent der werdenden Väter in Oberösterreich vor der Kinderauszeit 4.000 Euro und mehr, sind es zwölf Jahre später mit fast 23 Prozent beinahe doppelt so viele. Davon können Frauen nur träumen. Zudem tragen Frauen in der Realität überwiegend die Hauptlast der Kinderauszeit und beginnen beim Wiedereinstieg ins Berufsleben oft nur geringfügig oder in Teilzeit zu arbeiten. Fehlende Kinderbetreuungseinrichtungen und familienfreundliche Arbeitsplätze, aber auch ein Mangel an Vereinbarkeitsmöglichkeiten für Väter tragen zur Schieflage bei.

„Die AK Oberösterreich fordert daher eine flächendeckende kollektivvertragliche Anhebung des Mindestlohns auf 1.700 Euro brutto und gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit sowie einen wirksamen Mehrarbeitszuschlag bei Teilzeit“, so AK-Präsident Andreas Stangl. Die europaweit geplante Transparenzrichtlinie, die Informationen zur Entlohnung und jährliche Unternehmensaktionspläne zur Einkommensgleichheit auf Betriebsebene sichtbarer macht, muss umgesetzt werden. „Mehr Lohntransparenz in den Betrieben ermöglicht ein Schließen der Einkommensschere. Zusätzlich ist noch ein massiver und vor allem qualitätsvoller Ausbau der institutionellen Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen nötig“, so Stangl abschließend.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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