Die Bürgertrommelweiber dominierten am Faschingmontag Bad Aussee

Alle Trommelweiber sind traditionell männlich und tragen Frauenmasken sowie ein vorwiegend weißes Gewand, das auch als Nachtgewand gesehen werden kann. Das Obertrommelweib (Andy Winkler musste diesmal aus Coronagründen den Zug vom Fenster aus beobachten) führt den Zug an, der aus Musikanten, die den traditionellen Ausseer Faschingmarsch spielen, sowie einer großen Anzahl von Trommlern besteht. Es wird ständig ein sehr einprägsamer Rhythmus getrommelt, der die Trommelweiber schon von Weitem ankündigt.

Um in den Kreis der Trommelweiber aufgenommen zu werden, ist eine Aufnahmeprüfung vorgesehen. Bei den Bad Ausseer „Bürgertrommelweibern“ zum Beispiel müssen die Novizinnen einen viertel Liter Schnaps in einem Zug austrinken, eine Zigarre rauchen, einen Luftballon aufblasen, bis er platzt sowie eine scharfe Pfefferoni verspeisen. Danach erfolgt das Gelöbnis auf die Trommelweiberfahne, immer und überall dem Ruf der großen Trommel zu folgen. Die Aufnahmeprüfungen differenzieren zwischen den einzelnen Gruppen. So müssen Novizinnen bei den „Arbeitertrommelweibern“ beispielsweise einen mit Senf gefüllten Krapfen verspeisen. Eine Ausnahme im Aufnahmeverfahren stellen die Musikanten dar: Um spielfähig zu bleiben, wird ihnen die Prozedur erspart. Heute wurden bei den Bürgertrommelweibern 4 Novzinnen aufgenommen.

In Bad Aussee gibt es in den verschiedenen Ortschaften gleich mehrere Trommelweibergruppen. Die beiden Gruppen des Marktes (Ortschaft im Zentrum) stechen hier mit einer standesbetonten Tradition hervor: Die Trommelweiber am Faschingmontag repräsentieren das Bürgertum, jene am Faschingdienstag das Arbeitertum. Auch äußerlich gibt zwischen den beiden eine kleine Unterscheidung: Die Montagsgruppe stellt sich etwas farbenträchtiger dar (bunte Schürzen), was aber in der Dienstagsgruppe verpönt ist. Einige Trommelweiber, die am Dienstag mit dem falschen Kostüm auftreten, werden auch heute noch schimpfend verjagt. Beim Umzug gibt es nur wenige Stationen, die beide Trommelweibergruppen besuchen

Die Trommelweiber gehören zu den ältesten Figuren des Faschingstreibens im Ausseerland – Salzkammergut. Die Ausseer Bürgertrommelweiber gibt’s schon seit dem Jahr 1767. Sie vertreiben die Winterdämonen, mit Masken damit diese sie nicht erkennen können. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich aus der Arbeiterschaft die Ausseer Arbeitertrommelweiber. Traditionell trifft man sie am Faschingdienstag. Die Bürger Trommelweiber hingegen ziehen bereits am Montag durch die Straßen.

Fotos: Herbert Dobek/ARF

Eine besondere Figur hebt sich aus dem Trommelweiberzug ab, es ist die „Dudl“. Die „Dudl“ erinnert an die ersten Sommerfrischlerinnen des 19. Jahrhunderts, aber sie erfüllt im Faschingzug eine andere wichtige Aufgabe: Sie ist der verlängerte Arm des Obertrommelweibes. Mit dem Sonnenschirm gibt sie den Nachzüglern den Takt an.
Botschafter Stefan Pehringer tauchte noch kurz in den Fasching ein, bevor er am 1. April sein neues Amt in Oslo antreten wird.
Novizinnen haben es schwer

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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