Vögel im Aufwind – Wissensgewinn und stete Arbeit wirken

Grundlagen für den Vogelschutz

Ein Rückgang der Artenvielfalt ist ein globales Problem der letzten Jahre und Jahrzehnte.
In unseren Breiten sind es vor allem Insekten aber auch Vögel, deren Bestände in
quantitativer wie auch qualitativer Hinsicht gelitten haben. Bei den Vögeln ist Sorge zwar
berechtigt, die Entwicklungen sind aber bei genauer Betrachtung recht unterschiedlich
mit auch etlichen positiven Tendenzen. Um zu ergründen, welche Vogelarten besonders
gefährdet sind, bedarf es eines wissenschaftlich fundierten Grundwissens, welches in
Österreich durch lange und exakte Beobachtungen aufgebaut wurde. Der Kenntnisstand
zu Verbreitung, Bestandssituation und zum Gefährdungsgrad der in Oberösterreich
vorkommenden Vogelarten ist sehr hoch und bildet auch die Grundlage der Oö.
Artenschutzstrategie. Die Verbreitung der in Oberösterreich vorkommenden
Brutvogelarten wurde für den Zeitraum 1997 – 2001 von der Ornithologischen
Arbeitsgemeinschaft am Biologiezentrum der Oö. Landesmuseen umfassend erhoben.
Im Jahr 2012 wurde der erste österreichische Bericht gemäß der Vogelschutzrichtlinie
zur Situation der Brutvogelarten und ausgewählter Zugvogelarten erstellt. In den Jahren
2013 bis 2017 erfolgen umfangreiche Kartierungsarbeiten im Rahmen der Erstellung des
zweiten österreichischen Brutvogelatlas.

Fotos: Land OÖ/ Lisa Schaffner


Eine Auswertung der Daten zum Brutvogelatlas mit einem Vergleich der
Bestandssituation des Zeitraums 1997-2001 und 2013-2018 ergibt folgendes Bild:
Die Zahl der Brutvogelarten, also der Arten die in den jeweiligen Zeiträumen zumindest
einmal in Oberösterreich gebrütet haben, ist in diesem Zeitraum konstant geblieben. Es
spricht viel dafür, dass diese Tendenz bereits seit mehreren Jahrzehnten besteht. Die
Populationen der einzelnen Arten entwickeln sich aber durchaus sehr unterschiedlich.
Insgesamt betrachtet sind mit 49 % etwa die Hälfte der Brutvogelarten in ihrem Bestand
stabil, 29 % der Arten nehmen im Bestand ab, aber 22 % der Arten nehmen im Bestand
zu. Es ist mittlerweile allgemein bekannt, dass in ganz Europa die Arten der
Kulturlandschaft, insbesondere von Wiesen- und Ackerflächen, abnehmen. Das betrifft
auch häufige und weit verbreitete Arten wie Rebhuhn und Feldlerche. Die Brutvogelarten
der Wälder, des Gebirges und von Siedlungen sind weitgehend stabil und teils
anwachsend. Die Vogelarten der Feuchtgebiete zeigen sehr unterschiedliche
Entwicklungen, mit deutlichen Abnahmen, aber auch Zunahmen.


Zunehmend erkennen wir auch, mit welchen Maßnahmen Arten erfolgreich unterstützt
werden können. Vor allem Großvögel wie Greifvogelarten, Störche und Kranich zeigen
überregional anhaltende Ausbreitungstendenzen, die damit zusammenhängen, dass sie
rechtlich geschützt und von der Bevölkerung akzeptiert werden. In Oberösterreich betrifft
das Seeadler, Rotmilan und Schwarzstorch. Für diese Arten gilt es die natürliche
Wiederansiedlung zu unterstützen. Andere Arten können in Schutzgebieten erfolgreich
gesichert werden. Ein Beispiel ist der Große Brachvogel, der in Mooren und
Wiesengebieten mit entsprechend später Mahd eine Bestandszunahme verzeichnet. Der
auf Ackerflächen in Oberösterreich noch weit verbreitete Kiebitz, kann außerhalb von
Schutzgebieten durch spezielle Maßnahmen mit den Landwirt/innen unterstützt werden,
etwa das Markieren von Nestern oder die Vereinbarung von nutzungsfreien Zeiträumen.
„Vielerorts wird seit Jahren der Artenrückgang festgestellt und oft sind diese
Betrachtungen auch richtig und teils durchaus besorgniserregend. Sieht man sich aber
diverse Arten im Detail an und legt man wissenschaftliche Betrachtungsmethoden
zugrunde, so sind die Aussichten nicht immer so negativ, wie das gerne behauptet wird.
Gerade im Naturschutz versuchen wir in Oberösterreich immer das große Ganze zu
sehen und eben dort anzusetzen, wo es möglich und sinnvoll ist. Wie immer, wenn man
von Politik mit Hausverstand spricht, gilt es nicht auf schnelle, öffentlichkeitswirksame
Erfolge zu schielen, sondern vielmehr durch gute und kontinuierliche Arbeit die Situation
zu verbessern. Mit der konsequenten Verfolgung unsere Artenschutzstrategie, einer
intensiven Zusammenarbeit mit spezialisierten NGOs und einer engen Einbindung der
Landwirtinnen und Landwirte sowie Grundeignerinnen und Grundeigner sind wir in allen
Belangen des Naturschutzes in den letzten zwölf Jahren einen erfolgreichen Weg
gegangen, auch was den Schutz und die Erhaltung unsere Vogelwelt betrifft,“ betont
Naturschutzreferent Landeshauptmann-Stv. Dr. Manfred Haimbuchner.

Fotos: Land OÖ/ Lisa Schaffner


„Für einen großen Teil der Bevölkerung Oberösterreichs ist der Schutz der heimischen
Vogelarten sehr bedeutend und durch gemeinsame Projekte mit Landwirtinnen und
Landwirten sowie Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümern wird
dieses Verständnis weiter gefördert. Parallel dazu arbeiten wir eng mit BirdLife und dem
Jagdverband zusammen und setzen hier auf die Synergien der jeweiligen Expertisen.
Zugleich evaluieren wir die Entwicklungen der Bestände der Arten fortlaufend, um in der
Lage zu sein, dort gezielt anzusetzen, wo unsere Maßnahmen auch erfolgversprechend
sind. Vieles geht aber nicht von heute auf morgen. Deshalb haben wir in der
Artenschutzstrategie klare Ziele und Arten herausgearbeitet, auf die wir den Fokus
unserer Arbeit legen,“ ergänzt Dr. Alexander Schuster.


Maßnahmen

Probleme von Nicht-Problemen trennen – gezielt gegensteuern
Das Hauptproblem der Oö. Vogelfauna ist die Situation der Vogelarten, die auf
landwirtschaftlich genutzten Flächen brüten. Hier sind zusätzliche Aktivitäten notwendig.
Gleichermaßen muss aber auch darauf hingewiesen werden, dass bereits für die
Sicherung oder das Abbremsen der negativen Entwicklungen hohe Investitionen getätigt
werden. In intensiven Verhandlungen etwa zu den Agrarumweltförderungen wird hier
laufend versucht, Verbesserungen zu erzielen.


 Laufende Überprüfung der Einhaltung der artenschutzrechtlichen Bestimmungen

 Einrichtung und Management von Schutzgebieten

 Umfassender Vertragsnaturschutz sowohl über Entschädigungsverträge als auch
Bewirtschaftungsvereinbarungen insbesondere für die besonders gefährdete
Gruppe der Wiesen- und Ackervögel

 Gezielte Finanzierung oder Förderung von Maßnahmen für besonders seltene
Vogelarten im Rahmen von Artenschutzprojekten; aktuell z.B. für Wiesenvögel,
Kiebitz, Heidelerche, Steinkauz und Rotmilan

 Evaluierung der bisherigen Maßnahmen auf Basis der Ergebnisse der jeweiligen
Berichte


Parallel besteht in Zusammenhang mit Vorkommen besonders gefährdeter Vogelarten
der Bedarf, das Schutzgebietsnetz um einzelne besonders bedeutende
Naturschutzgebiete zu erweitern, insbesondere in Feuchtgebieten.


Die Auswahl der Vogelschutzgebiete gemäß EU-Vogelschutzrichtlinie wurde in
Abstimmung mit der Europäischen Kommission im Jahr 2004 finalisiert. Die rechtliche
Umsetzung der zwölf Vogelschutzgebiete in Oberösterreich ist bis auf eine Ausnahme
erfolgt, für das letzte noch nicht verordnete Vogelschutzgebiet ist die Verordnung zum
Europaschutzgebiet in Bearbeitung. Alle Vogelschutzgebiete werden in enger
Abstimmung der Abt. Naturschutz mit speziell eingerichteten Gebietsbetreuungen
gemanagt. Ein Monitoringsystem, das eine Überprüfung der Bestände in den
Schutzgebieten erlaubt, ist dort, wo der größte Bedarf besteht (Kulturlandvögel,
Wasservögel), eingerichtet. Da die Bestände aller relevanten Schutzgut-Vogelarten
zumindest einmal in den Gebieten erhoben wurden, besteht eine Datenbasis, die es
ermöglicht, den Managementbedarf in den Schutzgebieten nachvollziehbar zu planen.
Daraus ergibt sich, dass Vogelarten der Gebirge und Wälder derzeit eine günstige
Situation aufweisen. In den Gebieten im Kulturland ergibt sich der Handlungsbedarf für
ein Management weiterer extensiv genutzter Wiesenflächen oder Renaturierung von
Mooren. Auch Covid 19 bedingt hat sich die Freizeitnutzung und damit verbundene
Zunahme von Störungen durch Menschen in den gewässergeprägten
Europaschutzgebieten insbesondere im oö. Zentralraum verstärkt.


„Hier gilt es verstärkt das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es eines sorgsamen
Umganges mit der Natur bedarf. Einerseits kann man Natur nur begreifen, wenn man sie
hautnah erlebt, andererseits muss dies aber mit Bedacht und Achtung erfolgen. Naturund Artenschutz sind eine Verantwortung, welche wir alle gemeinsam tragen. Der
hoheitliche Naturschutz in Oberösterreich stellt sich entsprechend breit auf. Intensive
Einbindung der Landwirtschaft, Schaffung und Erhaltung von Habitaten, qualitativer
Ausbau der Schutzgebiete und Wissensvermittlung sind hier die Ansätze, welche wir seit
Jahren erfolgreich verfolgen. Wenn wir diesen Weg konsequent weiter gehen, werden wir
es auch schaffen, nachfolgenden Generationen eine artenreiche und intakte Natur zu
hinterlassen,“ unterstreicht Naturschutzreferent Landeshauptmann-Stv. Dr. Manfred
Haimbuchner.

Quelle: Landeskorrespondenz OÖ

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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