Causa Ohlsdorf: Fragwürdige „Auftrags-Gutachten“ als Vorboten von Äxten und Sägen?

Wirtschaftliches und öffentliches Interesse, Arbeitsplätze, ein normaler Umwidmungsprozess, erfüllte Kriterien und Voraussetzungen – das ist das Argumentations-Fundament der Betreiber und Befürworter des Ohlsdorfer Waldvernichtungsprojekts. Ein Projekt, dem 190.000 Quadratmeter Wald weichen mussten für angeblich hell leuchtende Benefits, die aber zusehends verglühen. Dieses Begründungs-Fundament hat mittlerweile meterdicke Risse bekommen. Beim geplanten und vollautomatisierten Warenlager mit geschätzten 60 MitarbeiterInnen kann wohl kaum von öffentlichem Interesse und Job-Turbo gesprochen werden. Von einem Leitstandort wie von LR Achleitner verkündet, ist man ebenfalls meilenweit entfernt. Im Umwidmungsprozess wurden Einwände und damit Versagensgründe von ExpertInnen des Landes unerklärlicherweise bei Seite geschoben.

„Auf diesem Projektweg tauchen hinter jeder Ecke offene Fragen und Widersprüchlichkeiten auf. Den dafür Verantwortlichen mag es unbequem sein, aber wir Grüne gehen jeder dieser offenen Fragen nach, wir arbeiten daran, jede Widersprüchlichkeit aufzuklären und dieses gesamte Projekt auf den Prüfstand zu stellen. Wir wollen dafür sorgen, dass die Wahrheit ans Licht kommt und eine derartige Wald- und Bodenvernichtung nicht mehr möglich ist“, betont der Grüne Landessprecher LR Stefan Kaineder.

Privates Forstgutachten versus Amtsgutachten

Zu diesen Ungereimtheiten zählt auch jenes Forstgutachten, das die Rodung des betreffenden Waldstückes als vertretbar und zulässig erachtet hat. Ein privates Gutachten, das die damalige Bürgermeisterin von Ohlsdorf in Auftrag gegeben hat. Dies ist insofern pikant, als das forstrechtliche Gutachten des Amtssachverständigen zuvor zu einem gänzlich gegenteiligen Befund gelangt war. Darin war die Funktion dieses Waldstückes generell und die Bedeutung des Waldes für das ohnehin unterbewaldete Ohlsdorf im Speziellen betont worden.

„Es ist also ein Gegengutachten in Auftrag gegeben worden. Weil man das Projekt wollte und das Gutachten des Amtssachverständigen nicht gepasst hat. Ein privates Gegengutachten, das dann plötzlich das gewünschte Ergebnis gebracht hat“, betont Kaineder.

Bürgermeisterin beauftragt Gutachten, Asamer zahlt

Seit dem gestrigen ORF-Report-Beitrag wissen wir, dass dieses Gutachten zwar von der ehemaligen Bürgermeisterin beauftragt aber vom Projektinitiator und Hauptprofiteur Hans Asamer bezahlt worden ist. „Das gibt ein ganz schräges Bild. Das offizielle Forstgutachten des Amtssachverständigen sollte mit einem vom Hauptprofiteur bezahlten Privatgutachten entkräftet werden. Bei allem Respekt, aber das ist überaus merkwürdig. Gerade wenn ich an die Ausführungen von LR Achleitner in seiner Anfragebeantwortung im letzten Landtag denke, wo er immer davon gesprochen hat, dass die Gemeinde ja die Widmung vorangetrieben hat und es im Interesse der Gemeinde liegt, den Wald zu roden. Dass nun Asamer ein von der Gemeinde beauftragtes Gutachten bezahlt hat, zeigt, wie Asamer die damalige Bürgermeisterin und die Gemeinde für seine eigenen Interessen eingespannt hat. Am Ende bleibt ein millionenschwerer finanzieller Vorteil für Asamer und ein nachhaltiger Schaden für die Gemeinde, die Republik und die Schönheit unserer Heimat übrig“, betont Kaineder.

LABG RUDI HEMETSBERGER

GRÜNER RAUMORDNUNGSSPRECHER

Schwer aufklärungsbedürftig ist auch die naturschutzrechtliche Komponente in der Causa Ohlsdorf. Denn für die Grünen ist schwer verständlich, dass nicht einmal entsprechende Stellen des Naturschutzes sich gegen dieses Projekt gestellt, sondern ihm vielmehr den Weg geebnet haben. So hat im Raumordnungsverfahren der Regionsbeauftragte für Natur- und Landschaftsschutz befunden, dass eine ablehnende naturschutzfachliche Stellungnahme nicht gerechtfertigt ist.

Dass der Naturschutz dieses Projekt durchgewunken hat, ist schwer verständlich

Diese Einschätzung ist schwer nachvollziehbar. Denn Waldstruktur- und Baumartenreichtum dieses Areals lassen auf eine hohe Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten schließen. Die Biodiversitätsdatenbank beim Haus der Natur Salzburg dokumentiert 110 seltene und geschützte Arten im nahen Umfeld der gerodeten Fläche. Zudem liegt das neue Betriebsbaugebiet in unmittelbarer Nähe zum Europaschutzgebiet „Untere Traun“ und damit einem wichtigen Vogelschutzgebiet. An EU-rechtlich geschützten Arten wurden im nahen Umfeld u.a. beobachtet: Wespenbussard, Neuntöter, Rohrweihe, Rotmilan, Schwarzspecht, Schwarzstorch, Trauerseeschwalbe, Weißstorch, Grasfrosch, Gelbbauchunke, Laubfrosch, Springfrosch und Haselmaus.

Weiß Hans Asamer vom Schwarzspecht aus einem Gutachten, das nie an die Öffentlichen gelangt ist?

Einen hochinteressanten Beitrag zu dieser Frage hat der Projektinitiator Hans Asamer selbst geliefert. Konkret mit seiner Aussage in einem Interview, „außer ein paar Schwarzspechte gäbe es dort nix“.

Aus dieser Replik ergeben sich spannende Fragen. Denn die Artenschutzbroschüre des Landes listet den Schwarzspecht als geschützte Tierart.

  • Woher weiß Hans Asamer vom Vorkommen des Schwarzspechtes im betreffenden Waldareal? Denn die Überprüfung des Regionsbeauftragten umfasst nur allgemein nuturschutzrechtliche Fragen und geht nicht detailliert auf einzelne Tier- und Pflanzenarten ein
  • Hat Hans Asamer auch in diesem Fall möglicherweise auf ein privates Gutachten zurückgegriffen. Ein Gutachten, das sehr wohl auf den Schwarzspecht Bezug nimmt, nicht im Sinne Asamers war und daher auch nicht das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat

„Wenn es dieses Gutachten tatsächlich gibt, ist Hans Asamer dringendst aufgefordert, es vorzulegen. Es würde erstens dokumentieren, dass die Einschätzung des Naturschutz-Regionsbeauftragten nicht ausreichend Auskunft über das Artenvorkommen im betreffenden Areal gegeben hat. Und es würde zeigen, dass Hans Asamer sehr wohl Bescheid wusste über das Vorkommen des Schwarzspechts im gerodeten Wald“, betont Hemetsberger, der darauf verweist, dass damit im Fall der Rodung eine Verwaltungsübertretung im Raum stünde.

Hemetsberger: „Wir haben einerseits die forstrechtliche Bewilligung und andererseits die naturschutzrechtliche. Beide sind durchzogen von einer Trübnis in die wir Grüne genau hineinleuchten. Wir wollen sicherstellen, dass hier nichts verbogen und konstruiert wurde, um zu einem gewünschten Ergebnis zu kommen. Dass es kein Prozedere war, dass das aus dem Weg gekehrt hat, was Widmung und Rodung verhindert hätte“.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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