AK-Präsident Stangl: „Jede dritte Familie hat große Probleme bei Kinderbetreuung in Semesterferien

Die Semesterferien stehen vor der Tür. Für viele erwerbstätige Eltern bedeutet das einmal mehr, den Spagat zwischen Arbeit und Familie zu schaffen. Das öffentliche Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen hat massive Lücken, besonders problematisch ist die Lage in den ländlichen Gemeinden Oberösterreichs. „Eine gute Verfügbarkeit der institutionellen Kinderbetreuung wirkt sich positiv auf die Erwerbsbeteiligung von Frauen aus, aber auch auf den Bildungserfolg und die Chancengleichheit von Kindern“, sagt AK-Präsident Andreas Stangl.

Laut Kindertagesheimstatistik 2020/21 sind in Oberösterreich Kindergärten, Krabbelstuben und Horte über das ganze Jahr gerechnet fast 27 Tage geschlossen, österreichweit mit 20,5 Tagen rund eine Woche weniger. „Das Dilemma vieler berufstätiger Eltern ist, dass sie nur fünf Wochen Urlaub haben“, so Präsident Stangl. Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie mussten viele Urlaubstage für zusätzlichen Betreuungsaufwand verbraucht werden.

„Aus unseren Beratungsgesprächen wissen wir, dass in den in den Ferien geöffneten Einrichtungen die normale Betreuungszeit häufig verkürzt wird und es kein Mittagessen gibt“, so Stangl. Was berufstätige Eltern von der Ferienbetreuung in Oberösterreich halten, zeigt eine Befragung der Arbeiterkammer Oberösterreich: 52 Prozent der Eltern sind eher bzw. sehr unzufrieden. Dabei gibt es deutliche Unterschiede je nach Größe der Gemeinde – je kleiner, desto unzufriedener. Der Handlungsbedarf ist dringend: Jede dritte Familie (33 Prozent der Befragten) hat in den Semesterferien Probleme, die Kinderbetreuung zu organisieren.

Bedürfnisse erwerbstätiger Eltern

In einer sich rasant verändernden Arbeitswelt, in der von den Arbeitnehmern/-innen immer mehr Flexibilität erwartet wird, ist das vorhandene Kinderbetreuungsangebot in Oberösterreich absolut unzufriedenstellend. „Um den Bedürfnissen erwerbstätiger Eltern gerecht zu werden, braucht es dringend zielgerichtete, verpflichtende und professionelle Bedarfserhebungen in den Gemeinden, die als Grundlage für die Planungen innerhalb einer Region dienen sollen“, sagt AK-Präsident Stangl.

Darüber hinaus braucht es zusätzliche Finanzmittel für den vollzeittauglichen Ausbau von Betreuungseinrichtungen. Weiters müssen die Beiträge für die Nachmittagsbetreuung abgeschafft werden und es braucht rasch einen bundeseinheitlichen Qualitätsrahmenplan für Krabbelstuben und Kindergärten sowie eine Qualitätsoffensive in Form einer umfassenden Sprachförderung für die kleinsten Kinder. Außerdem muss ein zweites verpflichtendes und kostenloses Kindergartenjahr eingeführt werden. Und nicht zuletzt müssen die Arbeits- und Rahmenbedingungen der Beschäftigten durch einen angemessenen Personalschlüssel, kleinere Gruppen und höhere Bezahlung verbessert werden.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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