Neues Lebewesen im Nationalpark Hohe Tauern entdeckt

Unscheinbare Flechten sorgen für saubere Luft und Artenvielfalt / Entdecker Roman Türk im Interview

Salzburger Landeskorrespondenz, 14. Februar 2022

(LK)  Der Nationalpark Hohe Tauern ist um eine ökologische Attraktion reicher. Der Salzburger Biologe Roman Türk entdeckte im Sommer 2021 eine neue Flechtenart. „Dieser Fund ist sensationell und zeigt, welchen hohen Stellenwert das Salzburger Naturjuwel für Flora und Fauna hat. Es ist ein einzigartiges Ökosystem für viele unterschiedliche Lebewesen“, sagt Nationalpark- und Naturschutzlandesrätin Daniela Gutschi.

©Land Salzburg
Roman Türk (links) übergibt das Ergebnis seiner Forschungsarbeit im Form eines Buches an LR Daniela Gutschi.

Entdeckt wurde die Flechte mit dem wissenschaftlichen Namen „Involucropyrenium altimontanum“ im Gipfelbereich des Hinteren Modereck auf rund 2.900 Metern im Gemeindegebiet von Rauris. „Diese Organismen wirken auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär, sind aber wichtige Indikatoren für eine saubere Luft. Sie reagieren sehr sensibel auf Schadstoffe oder Abgase und fühlen sich nur an Orten mit bester Luft richtig wohl“, so Landesrätin Daniela Gutschi, die im Fund auch eine Bestätigung für die Natürlichkeit des Nationalparks Hohe Tauern sieht.

Mehr als 1.000 Flechten im Nationalpark

Quer durch alle Lebensräume des Schutzgebietes wurden, von den Talböden bis zu den Gipfeln, bisher mehr als 1.100 verschiedene Arten gefunden. Das ist knapp die Hälfte aller in Österreich bis jetzt nachgewiesenen Flechten. Der emeritierte Salzburger Universitätsprofessor und Flechtenexperte Roman Türk hat im Sommer 2021 im Nationalpark die Neuentdeckung gemacht. Das Landes-Medienzentrum (LMZ) hat mit ihm über seinen Fund gesprochen.

LMZ: Wie haben sie die Flechte gefunden?

Türk: Ich hatte von der Nationalparkverwaltung den Auftrag den Flechtenbestand zu untersuchen. Dabei habe ich die Umgebung, eines von mir beliebig gewählten GPS-Punkts, in einem 50-Meter-Radius abgesucht. Auf rund 2.900 Metern Seehöhe konnte ich die Entdeckung machen. Kommissar Zufall spielte in diesem Fall die entscheidende Rolle.

LMZ: Welche Schritte folgten nach dem Fund?

Türk: Die Flechte ist für das freie Auge de facto nicht sichtbar. Nach ersten Analysen im Labor war ich mir ziemlich sicher, dass es sich um eine neuentdeckte Lebensform handeln musste. Ihre Form und Ausgestaltung war mir so nicht bekannt. Ich hatte großes Glück, dass der Fruchtkörper des Organismus nicht beschädigt wurde. Sonst hätte ich die Entdeckung nicht bestimmen können.

LMZ: Im Sommer 2021 haben sie die Entdeckung gemacht. Seit wann haben sie Gewissheit, dass es sich um eine neue Flechte handelt?

Türk: Die finale Bestätigung erfolgte durch den Wiener Kollegen Othmar Breuss. Er hat ihr auch den wissenschaftlichen Namen „Involucropyrenium altimontanum“ gegeben. Auf Deutsch übersetzt heißt das „der verhüllte Sporenbehälter“, weil die Fruchtkörper der Flechte kurgförmig eingewölbt sind. Gemeinsam haben wir die Entdeckung in einer Fachzeitschrift publiziert.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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