Causa Ohlsdorf: Warum hat selbst der Naturschutz dieses Waldvernichtungsprojekt nicht gestoppt – schriftliche Anfrage an LR Haimbuchner

110 im Umfeld dokumentierte seltene und geschützte Arten – Europaschutzgebiet „Untere Traun“ in unmittelbarer Nähe – dennoch keine Ablehnung durch Naturschutz-Zuständige

„Die Causa Ohlsdorf ist bis zum Rand gefüllt mit offenen Fragen. Fragen, denen wir Grüne detailliert nachgehen und auf die wir Antworten verlangen. Es geht um das Umwidmungsprozedere, um forstrechtliche Aspekte und es geht auch um naturschutzrechtliche Fragen. Daher haben wir nun eine schriftliche Anfrage an den Naturschutzlandesrat Haimbuchner gerichtet. Wir wollen Aufklärung, warum ausgerechnet Naturschutz-Zuständige dieses Wald- und Bodenzerstörungsprojekt quasi mitabgesegnet haben. Wir wollen wissen, wie das Verfahren abgelaufen ist. Ob, was, wann und wie geprüft und eventuell warum nicht geprüft worden ist. 190.000 Quadratmeter Wald sind für ein Betriebsbaugebiet weggeschoben worden und der Naturschutz hat nichts dagegen eingewendet. LR Haimbuchner möge uns das erklären“, erwartet sich der Grüne Naturschutzsprecher LAbg. Rudi Hemetsberger erhellende Auskünfte von LR Haimbuchner.

Fakt ist: Im Raumordnungsverfahren hat der Regionsbeauftragte für Natur- und Landschaftsschutz befunden, dass eine ablehnende naturschutzfachliche Stellungnahme nicht gerechtfertigt ist. Diese Einschätzung ist schwer verständlich. Denn Waldstruktur- und Baumartenreichtum dieses Areals lassen auf eine hohe Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten schließen. Die Biodiversitätsdatenbank beim Haus der Natur Salzburg dokumentiert 110 seltene und geschützte Arten im nahen Umfeld der gerodeten Fläche. Zudem liegt das neue Betriebsbaugebiet in unmittelbarer Nähe zum Europaschutzgebiet „Untere Traun“ und damit einem wichtigen Vogelschutzgebiet. An EU-rechtlich geschützten Arten wurden im nahen Umfeld u.a. beobachtet: Wespenbussard, Neuntöter, Rohrweihe, Rotmilan, Schwarzspecht, Schwarzstorch, Trauerseeschwalbe, Weißstorch, Grasfrosch, Gelbbauchunke, Laubfrosch, Springfrosch und Haselmaus.

„Und trotzdem hat man keine naturschutzrechtlichen Bedenken? Keine Einwände, dass Tier- und Pflanzenarten zerstört und beeinträchtigt werden? Keine Gründe, sich gegen Rodung und Betonierung zu stellen? Dieser verstörenden Haltung gehen wir nach. Natur zu schützen – das ist schlüssig das Ziel des Naturschutzes und die Aufgabe der dafür Verantwortlichen“, betont Hemetsberger.

Als weiteres Puzzle in der Causa Ohlsdorf sieht der Grüne Klubobmann LAbg. Severin Mayr diese offenen Fragen. „Was in Ohlsdorf passiert und wie zu Entscheidungen gekommen ist, ist auf vielen Ebenen schwer erklärbar. Wir wissen nicht, warum Versagensgründe das Projekt nicht gestoppt haben, welche Betriebe sind ansiedeln und wo das öffentliche Interesse liegt. Und wir wissen auch nicht, warum sich der Naturschutz nicht gegen diese Artengefährdung gestellt hat oder zumindest eine naturschutzfachliche Prüfung veranlasst hat“, betont Mayr.

Mayr: „Die Grüne Aufklärungsarbeit in dieser kolossalen Boden- und Waldvernichtung hat erst begonnen. Möge es auch unbequem sein für all jene, die dieses Projekt betrieben, gutgeheißen oder geduldet haben. Die so vorgehen, als wäre der exorbitante Flächenverbrauch ein Randproblem und der Naturschutz ein Anhängsel“.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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