Dr. Haimbuchner: Steigende Bau- und Energiekosten als Herausforderungen im Wohnbau

Herausforderungen im Wohnbau
Die teils massiv gestiegenen Bau- und Energiepreise stellen nicht nur die Bauwirtschaft
vor große Herausforderungen, sondern auch die Oberösterreicherinnen und
Oberösterreicher. So ist zum Beispiel der Preis für Leimbinder in letzten Jahr um satte
109 % gestiegen und auch andere Baustoffe, wie Metall oder Ziegel sind aufgrund von
Friktionen in den Lieferketten und wegen der gestiegenen Energiepreise signifikant teurer
geworden. Um die Leistbarkeit im sozialen Wohnbau zu gewährleisten, hat die
Wohnbaupolitik schon im Jahr 2021 entsprechend gegengesteuert, um es damit zum
einen den Wohnbaugenossenschaften und Bauträgern zu ermöglichen, weiterhin
leistbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen und zum anderen dafür Sorge zu tragen,
dass die steigenden Baukosten nicht zu Lasten der Mieterinnen und Mieter gehen.
Hiezu wurde die Baukostenobergrenzen im mehrgeschoßigen Wohnbau entsprechend
angehoben und ein Sonderzuschuss von 2.500 Euro für jede gefördert errichtete
Mietwohnung und 2.000 Euro für jede gefördert errichtete Eigentumswohnung und jedes
gefördert errichtete Eigenheim beschlossen.
„Die gegenwärtige Entwicklung der Baukosten hat die Wohnbaugenossenschaften in
eine Situation gebracht, in welcher sozialer Wohnbau zu den gesetzlichen Vorgaben nicht
mehr funktioniert hätte. Wir haben hier den dringenden Handlungsbedarf erkannt und
entsprechend reagiert, um auch weiterhin unserer Verantwortung im Wohnbau gerecht
zu werden. Neben der Anhebung der Baukostenobergrenze haben wir auch ein System
von Direktzuschüssen implementiert, damit sich die hart arbeitenden
Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher auch weiterhin ein sicheres Wohnumfeld
leisten können. Gemeinsam mit den Wohnbaugenossenschaften, den Bauträgern und
dem Baunebengewerbe werden wir so auch zukünftig leistbaren Wohnraum für die
Leistungsträger in unserer Heimat zu Verfügung stellen können,“ unterstreicht
Wohnbaureferent Landeshauptmann-Stv. Dr. Manfred Haimbuchner.
„Die oberösterreichische Bauwirtschaft ist aktuell mit großen Herausforderungen
konfrontiert. Die Preise werden weiter in die Höhe schießen und schwankende
Verfügbarkeit von ausreichend Baumaterial sorgt für Verzögerungen. Aber im Gesamtbild
lässt sich feststellen: Die Bauwirtschaft hat der Krise auch im zweiten Corona-Jahr
getrotzt. Ganz deutlich zeichnet sich ab, dass der Wunsch nach den eigenen vier Wänden
trotz Krise und steigender Produzentenpreise ungebrochen bleibt. Der Wohnungsbau ist
ein Stützpfeiler der Baukonjunktur. Die Bauinvestitionen und das Bauvolumen werden
jedoch unterschiedlich steigen. Eine langfristige Investitionsplanung von öffentlicher
Hand könnte die Perspektiven in anderen Bereichen durchaus verbessern. Um wieder
mehr Arbeitskräfte für den Bau zu begeistern, gehe es in Zukunft darum, die Faszination
des Bauens zu vermitteln. Wie man es dreht und wendet: Der Fachkräftemangel wird
auch 2022 ein großes Problem bleiben,“ so Norbert Hartl, Landesinnungsmeister Bau
OÖ.

Fotos: Land OÖ/ Rüdiger Gimborn


Steigende Energiekosten – steigende Wohnkosten
Seit dem vierten Quartal 2021 steigen Strom- und Gaspreise international enorm.
Einerseits, weil der weltweite Bedarf bei gleichbleibendem Angebot aufgrund von
wirtschaftlicher Erholung international zugenommen hat. Andererseits, weil insbesondere
die Versorgung mit Gas aus Osteuropa derzeit deutlich eingeschränkt ist. Zum Beispiel
hat Gazprom zwar alle derzeitigen Liefervereinbarungen nach Mitteleuropa erfüllt, aber
keine darüber hinausgehenden, zusätzlichen Gaskontingente bereitgestellt, um Druck
auf die rasche Inbetriebnahme von Nord Stream 2 zu machen. Diese Situation zeigt
deutlich, dass Österreich immer noch zu stark von ausländischen Staaten und deren
Bereitschaft zur Energiebereitstellung abhängig ist.
Ebenso ist Strom massiv teurer geworden. Das Auslaufen der Preisgarantien unserer
heimischen Energieversorger wird die Stromkosten für private Haushalte weiter in die
Höhe treiben. Die E-Control rechnet damit, dass es bei einem Haushalt mit 3.000 kWh
zu Mehrkosten von rund 400 Euro pro Jahr kommen wird.
„Hier kommen enorme Mehrbelastungen auf die Oberösterreicherinnen und
Oberösterreicher zu. Zu den gestiegenen Gas- Strom- und Treibstoffpreisen tritt die für
den Sommer angekündigte CO2 – Bepreisung der Bundesregierung hinzu. Letztere wird
all jene treffen, die zum Beispiel auf ihr altes Auto angewiesen sind und sich nicht mal so
nebenbei ein neues Elektroauto leisten können oder wollen und auch all jene, die im
Winter gerne die Wohn- und Kinderzimmer heizen würden, damit niemand frieren muss.
Ich möchte an dieser Stelle festhalten, dass es natürlich sinnvoll ist, in einem Land wie
Österreich auf den Ausbau von erneuerbaren Energien zu setzen. Wir sind
glücklicherweise in der Lage, auf natürliche Ressourcen zurückzugreifen, die sich stets
erneuern. Aber alles mit Maß und Ziel und nicht zu Lasten derer mit kleinen und mittleren
Einkommen. Hier ist die Bundesregierung gefordert, so an den Stellschrauben zu drehen,
dass das nicht passiert. In der Wohnbaupolitik können wir nur indirekte Möglichkeiten der
Entlastungen der hart arbeitenden Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher schaffen.
Gezielte Förderungen im Wohnbau und die enge Zusammenarbeit mit den
Genossenschaften und Bauträgern, halten Wohnen leistbar und durch die
Sanierungsoffensive schaffen wir Anreize, Energiekosten zu sparen und Emissionen zu
reduzieren,“ betont Wohnbaureferent Landeshauptmann-Stv. Dr. Manfred Haimbuchner.
„Die gestiegenen Energiepreise werden die privaten Bauherren veranlassen, in die
Energieeffizienz ihrer Häuser zu investieren. Die Bauwirtschaft wird sich auch diesen
Herausforderungen stellen und dafür sind in Zukunft intelligente Baukonzepte gefragt.
Die Pandemie, der Klimawandel und steigende Mietpreise werden zu Mehrbelastungen
für die Gesellschaft. Die Ansprüche an den persönlichen Wohnraum haben sich in den
letzten zwei Jahren verändert: Home-Office, Kinderbetreuung und auch das gemeinsame
Leben mehrerer Generationen unter einem Dach werden in den nächsten Jahren
maßgebend in die Entwicklung von Wohnkonzepten einfließen,“ ist Norbert Hartl
überzeugt.

Fotos: Land OÖ/ Rüdiger Gimborn


Maßnahmen der oö. Wohnbaupolitik
2022 stehen finanzielle Mittel in Höhe von 76,6 Millionen Euro für die Sanierung von
Wohnhäusern in Oberösterreich zur Verfügung. Gefördert werden etwa Fenstertausch,
Haustürentausch, gedämmtes Dach beziehungsweise oberste Geschoßdecke,
Fassadenflächen und Kellerdecken. All diese Maßnahmen führen dazu, dass sich die
energetischen Kennzahlen des sanierten Wohnobjekts verbessern. Dadurch lassen sich
effektiv Energiekosten einsparen. Die Wohnbauförderung forciert somit die
energieeffiziente und umweltgerechte Errichtung und Sanierung von Wohnungen und
Eigenheimen. Das bedeutet: Weniger Heizkosten für Mieter/innen und Eigentümer/innen
und über 11 Millionen Kilo weniger Belastung durch CO2 für die Umwelt pro Jahr.
Das gesamthaft thermisch-energetisch sanierte Eigenheim spart durchschnittlich 74,9
Prozent Heizwärme und die thermisch-energetisch sanierte Wohnung in einem
Mehrfamilienwohnhaus 73,6 Prozent. Diese Sanierung fördern wir besonders stark.
Neben der gesamthaften Sanierung gibt es zusätzlich noch die Einzelbauteilsanierung.
Hier wird etwa nur der Fenstertausch gefördert.
Die Wohnbaupolitik in Oberösterreich unterstützt durch die Förderungen somit die
Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher bei der Bestreitung ihrer Energiekosten und
versucht im Kleinen die Fehler der Politik auf Bundes- und EU-Ebene abzufedern.
Oberösterreich ist seit Jahren Sanierungsstaatsmeister, wie auch der Global 2000
Wohnbaucheck dieses Jahr wieder bestätigte (wie die Jahre zuvor erreichte OÖ den
Spitzenwert von 1,9% Sanierungsrate im Bundesländervergleich).
Neben dem genannten jährlichen Budget in Höhe von 76,6 Millionen Euro für die
Sanierung, gibt es noch 50 Millionen für besonders nachhaltige Projekte im Zeitraum
zwischen 2021 bis 2023. Hier werden etwa die innerstädtische Nachverdichtung oder
besonders herausragende Projekte bezuschusst.
In den letzten zehn Jahren ist der relative Anteil von Gasheizungen in Oberösterreich um
17 % gesunken. Während im Österreichschnitt der Rückgang mit lediglich 7,1 %
ausgewiesen wurde. GLOBAL 2000 bezeichnete den Trend in unserem Bundesland
daher ausdrücklich als erfreulich. Im Bereich des Ausstiegs aus Ölheizungen liegt
Oberösterreich mit einem Rückgang von 36 % in den letzten zehn Jahren über dem
österreichischen Durchschnitt. Einen wesentlichen Beitrag dazu hat das Regelwerk der
Wohnbauförderung geleistet.

Quelle: Landeskorrespondenz OÖ

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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