Intensivmedizinerin: „Es gibt keinen vernünftigen Grund, die Impfung zu verweigern.“

Schutz vor schwerem Covid-Verlauf / Interview mit Primaria Dr. Hoppe

Salzburger Landeskorrespondenz, 18. Januar 2022

(LK)  Die Omikron-Variante des Corona-Virus sorgt aktuell für Rekordwerte bei den Neuinfektionen in Salzburg, gestern wurde mit 2.114 die höchste 7-Tage-Inzidenz seit Pandemiebeginn verzeichnet. „Das Virus ist für alle Altersgruppen gefährlich. Niemand ist davor gefeit, einen schweren Krankheitsverlauf zu haben“, warnt Primaria Dr. Uta Hoppe vom Universitätsklinikum im Interview mit dem Landes-Medienzentrum und appelliert einmal mehr, die Corona-Schutzimpfung zu nutzen.

Die fünfte Covid-Welle hat Salzburg voll erfasst. Die dominierende Virusvariante Omikron sorgt zur Zeit noch für keine Überlastung in den Spitälern, laut Prognosen dürften kritische Spitzenwerte auf den Intensivstationen aus derzeitiger Sicht auch nicht erreicht werden. Warum man sich vor Omikron aber nicht zu sehr in Sicherheit wiegen sollte, erklärt Primaria Dr. Uta Hoppe im Interview mit dem Landes-Medienzentrum (LMZ)

LMZ: Frau Dr. Hoppe, was sagen Sie jenen, die sich nicht gegen Corona impfen lassen wollen?

Hoppe: Ganz einfach: Niemand will im Spital oder gar auf der Intensivstation landen, um Luft ringend. Das kann jeden treffen. Genau das möchte ich so vielen wie möglich ersparen. Daher: Wir haben die Impfung, sie wirkt gegen einen schweren Verlauf, sie ist in Salzburg kostenlos und fast jederzeit zu haben. Es gibt keinen vernünftigen Grund, diesen Schutzschild nicht zu nutzen.

LMZ: Frau Dr. Hoppe, wie wirkt sich die Omikron-Welle aktuell in Salzburgs Spitälern aus?

Hoppe: Wir hatten mit Stand Montagfrüh 13 Patienten in intensivmedizinischer Betreuung, zum Großteil 50- bis 60-Jährige ohne Impfung, alle sind noch mit der Delta-Variante infiziert. Omikron-Fall gibt es bisher auf den Intensivstationen noch keinen. Auf den Normalstationen hat sich die Zahl der Patienten zuletzt erhöht, zu Wochenbeginn recht deutlich von 43 auf 52. Insgesamt wird bei dieser Welle die Situation auf den Normalstationen die Messlatte sein, das liegt einerseits am durchschnittlich weniger schweren Krankheitsverlauf von Omikron und andererseits an der hohen Durchimpfungsrate bei den höheren Altersgruppen.

LMZ: Darf man den weniger schweren Krankheitsverlauf als eine gewisse Entwarnung sehen?

Hoppe: Keinesfalls. Omikron ist wesentlich ansteckender als Delta, die Viruslast höher. Gleichzeitig hat das Virus zum Glück weniger Kraft, um in die Lunge vorzudringen. Bei einer Infektion mit der Omikron-Variante ist das relative Risiko, auf die Intensivstation zu kommen, 75 Prozent niedriger als bei der Delta-Variante, für die Normalstation halb so hoch. Aufgrund der hohen Ansteckung bleibt das Virus aber gefährlich.

LMZ: Dann ist doch alles gut…

Hoppe: Ich sehe das so: Jeder Spitalsaufenthalt, jede Betreuung auf der Intensivstation ist zu viel. Warum? Weil sie nicht notwendig ist, da wir ein Mittel dagegen haben. Nur nützen muss man es. Wir sehen so viel Leid bei uns, so viel wäre vermeidbar. Da kann man als Ärztin schon mal fragen, warum sich die Menschen das immer noch antun.

LMZ: Wie kann man sich am besten gegen Omikron schützen?

Hoppe: Einen guten Schutz gegen einen schweren Krankheitsverlauf, vor dem Spital und der Intensivstation – auch bei Omikron – hat man nur durch die Corona-Impfung und dabei insbesondere durch den Booster-Effekt nach dem dritten Stich. Das Tragen einer FFP2-Maske, das Abstandhalten und einfache Hygienemaßnahmen wie gründliches Händewaschen bremsen darüber hinaus die Ansteckungszahlen.

LMZ: Wie gut schützt die Corona-Impfung nach aktuellen Erkenntnissen?

Hoppe: Zweifach geimpft ist man im Vergleich zu Ungeimpften um etwa 65 Prozent vor einer Hospitalisierung geschützt, nach der dritten Impfung liegt der Wert für einige Zeit weit über 80 Prozent. Der Schutz vor Symptomen nimmt dann nach zehn Wochen ab, vor schweren Infektionen bleibt man aber als Geimpfter weiterhin gut geschützt. Es werden also nicht großteils die dreifach geimpften Senioren sein, die wir im Laufe der aktuellen Corona-Welle auf den Intensivstationen sehen werden.

LMZ: Kann man durch eine hohe Testrate die Omikron-Variante einbremsen?

Hoppe: Ich würde es so formulieren: Wären wir alle geimpft und geboostert, wären wir alle sehr gut geschützt. Unabhängig davon, ob einige Geimpfte das Virus übertragen oder nicht. Wir könnten uns, mit Ausnahme von einigen sensiblen Bereichen wie zum Beispiel medizinischen Einrichtungen und Seniorenwohnhäusern, den hohen Aufwand und die Kosten für das Testen großteils ersparen. Aktuell empfiehlt sich aber natürlich noch eine großzügige Testinfrastruktur, um Corona-Fälle festzustellen und zu isolieren, da die Impfrate noch zu gering ist, um darauf zu verzichten.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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