2021 in Österreich sehr viele Erdbeben 

Im Jahr 2021 wurden mit dem Stationsnetz des Erdbebendienstes der ZAMG weltweit rund 12.600 seismische Ereignisse registriert. Mehr als 1.600 Erdbeben wurden in Österreich lokalisiert, davon waren 95 für die Bevölkerung spürbar. Außerdem wurden elf Erdbeben aus Nachbarländern in Österreich wahrgenommen. 
(Anmerkung: alle Angaben mit Stand 30.12.2021, 9 Uhr) 
Mit insgesamt 106 Ereignissen gab es 2021 in Österreich einen Rekord an verspürten Erdbeben. Der Durchschnitt liegt bei 51 verspürten Beben pro Jahr (im Zeitraum 2000 bis 2021). Besonders häufig bebte es im Jahr 2021 in den Bundesländern Niederösterreich, Steiermark und Kärnten. Ein kräftiges Erdbeben im Raum Admont (Steiermark) und zwei Beben bei Neunkirchen (NÖ) waren die stärksten Erdbeben des Jahres und verursachten viele leichte Schäden an Gebäuden. Auch mäßige Schäden, wie Mauerrisse, wurden gemeldet. 
Heuer vier Beben mit Magnitude 4 
Vier Beben hatten im Jahr 2021 eine Magnitude von 4,0 oder größer. Das war seit 1970 noch nie der Fall. Drei Beben pro Jahr mit einer Magnitude von mindestens 4,0 kommt hingegen immer wieder vor, zuletzt im Jahr 2013, und davor in den Jahren 1972, 1973, 1984, 1989, 1996. Statistisch gesehen tritt in Österreich etwa ein Mal pro Jahr eine Magnitude 4 oder größer auf. 
Rekord, aber kein Trend zu mehr Beben 
Text Die Rekordzahl bedeutet aber keinen Trend zu mehr Erdbeben in Österreich. „Die tektonische Aktivität unterliegt natürlichen Schwankungen. Perioden mit höherem Erdbebenaufkommen wechseln sich mit ruhigeren Zeiträumen ab“, sagt Helmut Hausmann, Seismologe an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). „Im vergangenen Jahr ereigneten sich einige stärkere Erdbeben, die durch die veränderten Spannungsverhältnisse im Untergrund zahlreiche Nachbeben verursachten. Etwa ein Drittel der in Österreich spürbaren Erdbeben waren Nachbeben von starken Ereignissen wie zum Beispiel bei Neunkirchen und Gloggnitz (NÖ), im Raum Admont (STMK) sowie aus Kroatien.“ 
Die meisten Erdbeben in Niederösterreich 
Im Jahr 2021 nimmt Niederösterreich mit 35 gefühlten Beben den ersten Platz unter den Bundesländern ein. Ebenfalls deutlich über dem Durchschnitt lag die seismische Aktivität in der Steiermark mit 23 und in Kärnten mit 15 fühlbaren Erdbeben. Auch in Tirol ereigneten sich 15 spürbare Beben, in Oberösterreich drei, in Vorarlberg zwei und in Salzburg und im Burgenland je eines. Aus dem Ausland wurden im Jahr 2021 elf Beben in Österreich wahrgenommen. Davon waren fünf aus Kroatien, jeweils zwei aus Ungarn und Italien und je eines aus Deutschland und Slowenien. 
Über 34.000 Wahrnehmungsberichte per Web und App 
Aufgrund mehrerer kräftiger Ereignisse und der insgesamt hohen Zahl an fühlbaren Erdbeben erreichte auch die Anzahl der Erdbebenmeldungen aus der Bevölkerung einen neuen Rekordwert. Über das Online-Wahrnehmungsformular der ZAMG auf der Website und über die App „QuakeWatch Austria“ langten 2021 mehr als 34.000 Wahrnehmungsberichte beim Erdbebendienst der ZAMG ein. Etwa 23.000 Meldungen konnten zwei stark verspürten Beben bei Neunkirchen zugeordnet werden.
Die Berichte aus der Bevölkerung geben Auskunft über die Stärke der Fühlbarkeit und ermöglichen die Ermittlung des Intensitätsgrades auf der Europäischen Makroseismischen Skala (EMS-98 – siehe Anhang). Sie sind außerdem ein wesentlicher Beitrag zur Bestimmung der Erdbebengefährdung in Österreich. Der Erdbebendienst der ZAMG bedankt sich bei der Bevölkerung für die zahlreichen Meldungen. 
Auch neuer Rekord bei gemessenen Beben 
Die Zahl instrumentell registrierter Erdbeben in Österreich (die größtenteils nicht spürbar sind) hat im Jahr 2021 mit 1615 Ereignissen ebenfalls einen neuen Rekordwert erreicht. Ein Grund dafür ist neben dem erhöhten Erdbebenaufkommen auch die ständige Erweiterung und Verdichtung des Erdbebenmessnetzes durch die ZAMG und im Rahmen von Kooperation mit Nachbarländern. 
Die stärksten Erdbeben in Österreich 2021 
Information zu den Begriffen Magnitude und Intensität
Die Magnitude ist ein Maß für die im Erdbebenherd freigesetzte Energie. Sie wird aus instrumentellen Aufzeichnungen (Seismogrammen) ermittelt. Die Bestimmung der Magnitude ist unabhängig von Schäden und Fühlbarkeit und geht auf den Amerikanischen Geophysiker Charles Richter zurück.
Die Intensität beschreibt die Auswirkungen eines Bebens an der Erdoberfläche. Die meisten Länder in Europa, einschließlich Österreich, verwenden dafür die 12-stufige Europäische Makroseismische Skala 1998 (EMS-98) (->zur EMS-98).
Ardning, 20. Jänner 2021 
Ein kräftiges Erdbeben der Magnitude 4,5 erschütterte am 20. Jänner um 08:30 Uhr MEZ den Raum Admont, Steiermark. Das Epizentrum lag bei Ardning (47,61°N, 14,37°O), wo an vielen Gebäuden leichte Schäden entstanden. Es wurde vor allem von Rissen und Sprüngen in Mauern sowie von herabgefallenen Verputzteilen berichtet. Auch aus anderen Orten im Umkreis von etwa 20 km wurden leichte Schäden gemeldet. Viele Menschen erschraken, Gegenstände fielen aus Regalen und Fensterscheiben oder Glasgegenstände zerbrachen. Es gingen etwa 2500 Meldungen aus allen Bundesländern mit Ausnahme Vorarlbergs beim Erdbebendienst ein. Die Epizentralintensität betrug 6 Grad auf der 12-stufigen Europäischen Makroseismischen Skala (EMS-98).
Am 20. und 23. Jänner und am 11. März wurden schwache Nachbeben von der Bevölkerung mit einer Intensität von maximal 3 bis 4 Grad (EMS-98) verspürt. 
Trofaiach, 27. Jänner 2021 
In der Steiermark ereignete sich am 27. Jänner um 01:43 Uhr MEZ ein weiteres kräftiges Erdbeben, dessen Epizentrum bei Trofaiach nordwestlich von Leoben lag (47,42°N, 14,99°O). Viele Personen wurden von den Erschütterungen erschreckt und aus dem Schlaf geweckt. In Einzelfällen fielen wenig standfeste Gegenstände um und es bildeten sich feine Risse im Verputz. Bei einer Magnitude von 3,3 erreichte die Intensität im Epizentrum 4 bis 5 Grad auf der EMS-98. Zu diesem Beben sind mehr als 700 Wahrnehmungsberichte aus der Bevölkerung eingelangt. 
Breitenau am Steinfeld, 30. März und 20. April 2021 
Eine bemerkenswerte Erdbebenserie erschütterte im März und April das südliche Wiener Becken, die Epizentren lagen bei Breitenau am Steinfeld, einige Kilometer nordöstlich von Neunkirchen (47,74°N, 16,13°O). Den Anfang bildete ein ungewöhnlich starkes Erdbeben der Magnitude 4,6 am 30. März um 18:25 Uhr MESZ. Es handelte sich dabei um das stärkste Beben, das in Österreich seit mehr als 20 Jahren stattfand. In den Tagen und Wochen danach wurden immer wieder schwächere Nachbeben beobachtet, bis es schließlich in der Nacht von 19. auf 20. April um 00:57 Uhr MESZ neuerlich zu einem starken Erdbeben kam. Trotz der etwas geringeren Magnitude von 4,4 waren die Auswirkungen sehr ähnlich wie beim ersten starken Ereignis.
Die heftigen Erschütterungen versetzten viele Menschen in Angst, einige flüchteten aus den Häusern, manche hatten Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten. Zahlreiche Gegenstände fielen um, Bücher stürzten aus Regalen, Lampen pendelten stark. Es wurden zahlreiche leichte Schäden an Gebäuden gemeldet, dabei handelte es sich vor allem um Risse im Verputz an Innen- und Außenwänden. In einigen Fällen traten auch mäßige Gebäudeschäden auf. Die Intensität erreichte in einigen Orten in der Umgebung der Epizentren 6 Grad auf der EMS-98. Beide Beben wurden in weiten Teilen Österreichs verspürt, es gingen mehr als 23.000 Meldungen beim Erdbebendienst der ZAMG ein. 
Gloggnitz – Ternitz, 20. und 23. April 2021 
Am Abend des 20. April wurden um 20:01 Uhr MESZ viele Menschen von einem kräftigen Erdbeben der Magnitude 3,5 erschreckt, das sich in Gloggnitz, Niederösterreich, ereignete (47,67°N, 15,95°O). Es wurde zum Teil stark verspürt und verursachte im Epizentrum einige leichte Schäden. Drei Tage später, am 23. April um 18:30 Uhr MESZ, kam es im selben Gebiet neuerlich zu einem heftigen Erdbeben. Das Epizentrum lag einige Kilometer weiter westlich im Raum Grafenbach-St. Valentin (47,68°N, 16,01°O). Bei einer Magnitude von 3,8 waren die Erschütterungen wieder stark wahrnehmbar und es wurden neuerlich Risse in den Wänden beobachtet. Die Intensität erreichte bei beiden Erdbeben maximal 5 bis 6 Grad auf der EMS-98. 
Wr. Neustadt, 24. April 2021 
Es war bereits das fünfte stärkere Erdbeben innerhalb eines Monats im südlichen Wiener Becken: Am 24. April bebte die Erde um 11:30 Uhr MESZ drei Kilometer südwestlich von Wiener Neustadt (47,79°N, 16,21°O) mit einer Magnitude von 3,2. Viele Personen spürten ein kräftiges Rütteln, Geschirr und Gläser klirrten deutlich, vereinzelt fielen kleine Gegenstände um. Zu diesem Beben langten etwa 400 Wahrnehmungsberichte bei Erdbebendienst der ZAMG ein. Die makroseismische Intensität betrug im Epizentrum 4 bis 5 Grad auf der EMS-98. 
Wildschönau, 16. August 2021 
Es war in Tirol das stärkste Beben Jahres. Es wurde am 16. August um 23:15 Uhr MESZ in der Wildschönau, einige Kilometer südöstlich von Auffach (47,37°N, 12,07°O) registriert und wies eine Magnitude von 4,0 auf. Zahlreiche Personen im Großraum Wörgl wurden durch die starken Erschütterungen aus dem Schlaf gerissen, manche flüchteten aus den Häusern. Wenig standfeste Gegenstände fielen um, Möbel und andere Einrichtungsgegenstände bewegten sich stark. Aus einigen Orten in der Nähe des Epizentrums wurden vereinzelt leichte Gebäudeschäden (Risse im Verputz, Herabfallen kleinerer Verputzteile) gemeldet. Bei einer relativ großen Herdtiefe von 13 km betrug die Epizentralintensität 5 Grad auf der EMS-98. Zu diesem Beben sind etwa 2300 Meldungen aus der Bevölkerung eingegangen. 

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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