Die Schwarzhalsige Kamelhalsfliege ist das Insekt des Jahres 2022

21. Dezember 2021

Die Schwarzhalsige Kamelhalsfliege ist das Insekt des Jahres 2022

Das „Kuratorium Insekt des Jahres“, dem in Österreich der Naturschutzbund und die Österreichische Entomologische Gesellschaft angehören, hat die Schwarzhalsige Kamelhalsfliege (Venustoraphidia nigricollis) zum Insekt des Jahres 2022 gewählt. Damit will man auf die Bedeutung von Insekten und deren Schutz aufmerksam machen. Die Schirmherrschaft für das Insekt des Jahres 2022 in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat Klimaschutzministerin Leonore Gewessler übernommen.

Insekten sind die artenreichste Klasse der Tiere und kommen in den unterschiedlichsten Größen, Farben und Formen vor. Durch Stickstoff- und Pestizidbelastung, Ausräumung der Landschaft und Lebensraumzerstörung sind sie stark gefährdet. Auch Klimawandel und Lichtverschmutzung tragen zum Rückgang der Bestände bei. „Unsere Natur ist unsere Lebensversicherung, darauf müssen wir gut aufpassen. In Österreich haben wir rund 67.000 Arten – jede einzelne davon hat eine wichtige Rolle für das große Ganze. Sie sind unser Schutzschild, das für wunderschöne Vielfalt und gesunde Ökosysteme sorgt. Gerade Insekten sind davon ein wichtiger Bestandteil. Ob als Bestäuber für Obstbäume oder Nahrung für Vögel – Insekten sind die Basis gesunder Ökosysteme. Deshalb braucht es dringend Schutzmaßnahmen für die über 40.000 Insektenarten in Mitteleuropa. Dabei kommt es auf jede Spezies an – auch auf die Kamelhalsfliegen“, sagt Klimaschutzministerin Leonore Gewessler, die die Schirmherrschaft für das Insekt des Jahres 2022 für Österreich, Deutschland und die Schweiz übernommen hat. „Der Artenreichtum an Insekten wirkt wie eine stabile Pyramide des Ökosystems: Fehlen allzu viele, wird sie zusammenbrechen!“, warnt auch Johannes Gepp, Entomologe und Vizepräsident des Naturschutzbundes Österreich.

Die Schwarzhalsige Kamelhalsfliege

Kamelhalsfliegen gelten heute als die artenärmste Ordnung von Insekten mit vollkommener Verwandlung – also mit einem Puppenstadium. Aus den vielen fossilen Funden lässt sich aber ableiten, dass diese Insekten in früheren geologischen Perioden, zu Zeiten der Dinosaurier, viel weiter verbreitet und artenreicher waren. Deren Aussehen ähnelte dem der heutigen Arten bereits sehr. Man kann die Kamelhalsfliegen daher auch als „lebende Fossilien“ bezeichnen.

In Mitteleuropa sind es bislang 16 beschriebene Arten – eine davon ist die Schwarzhalsige Kamelhalsfliege (Venustoraphidia nigricollis). Man erkennt sie an ihrer geringen Größe (Vorderflügellänge max. 8,5 mm, meist unter 7,5 mm), dem gänzlich schwarzen Halsschild, der besonders langen und schlanken Vorderbrust, den glasklaren Flügeln mit lockerem Geäder und dem rauchig-ockerbraunen Flügelmal. Lange Zeit galt diese Art als eine der seltensten Kamelhalsfliegen – bis man erkannte, dass sich die adulten Tiere mit dem charakteristischen schwarzen Halsschild überwiegend in der Kronenschicht von Bäumen aufhalten.

Sämtliche Kamelhalsfliegen sind in allen Lebensstadien Landbewohner. Die geschlechtsreifen Insekten sind tagaktiv und ernähren sich häufig von Blatt- und Schildläusen. Bei einer ausreichenden Populationsdichte können rindenlebende Kamelhalsfliegen-Larven als „Gegenspieler“ von Schadinsekten – wie beispielsweise den Borkenkäfern – nützlich sein. Trotz ihrer gut entwickelten

Flügel sind die Tiere dennoch keine guten Flieger, sondern bewegen sich eher schwirrend, hüpfend oder flatternd und nie über große Strecken.

Vorkommen in Österreich

Ein besonderes Beispiel für das Vorkommen von Kamelhalsfliegen liegt im Zentrum von Wien: Umgeben von brausendem Verkehr haben sich auf dem Maria-Theresien-Platz in der österreichischen Hauptstadt in den dort stehenden Kiefern zwei Kamelhalsfliegen-Arten angesiedelt. Weltweit einmalig ist ein beobachtetes Massenauftreten der schlanken Insekten rund um einen mehrere Jahrhunderte alten Bauernhof in Oberösterreich. Auf 800 Metern Höhe hat sich hier eine aus dem Mittelmeerraum eingeschleppte Art niedergelassen, deren geschlechtsreife Tiere während der Paarungszeit von Mai bis Juli in großer Anzahl zu beobachten sind.

Das Insekt des Jahres wird seit 1999 proklamiert. Ein Kuratorium, dem namhafte Insektenkundler und Vertreter wissenschaftlicher Gesellschaften und Einrichtungen in Österreich, Deutschland und der Schweiz angehören, wählt jedes Jahr aus verschiedenen Vorschlägen ein Insekt aus. Der Naturschutzbund Österreich ist seit Beginn mit dabei.

Um dem Insektensterben entgegenzuwirken, braucht es strategischen Naturschutz: Die Broschüre „Insektensoforthilfe“ mit praktischen Tipps zum Insektenschutz gibt es als Download unter https://naturschutzbund.at/files/projekte_aktionen/natur_verbindet/wild_auf_bienen/InsektenSoforthilfe.pdf

Klimaschutzministerin Leonore Gewessler hat die Schirmherrschaft für das diesjährige Insekt des Jahres übernommen © BMK/Cajetan Perwein

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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