Der Österreichische Arbeitsklima Index: Ständiger Arbeitsdruck, Zeitstress, Burnout-Gefahr – Pflegekräfte sind am Limit

Pflegekräfte stöhnen unter enormen psychischen und körperlichen Belastungen, nicht erst seit Ausbruch der Pandemie. Aber Corona hat die Lage dramatisch verschärft: Viele Beschäftigte in der Pflege sind am Limit. Sechs von zehn glauben nicht, bis zur Pension durchzuhalten. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Österreichischen Arbeitsklima Index. AK-Präsident Andreas Stangl nimmt die Arbeitgeber in die Pflicht: „Die Beschäftigten in der Pflege brauchen dringend Entlastung, sei es durch kürzere und planbare Arbeitszeiten, mehr Personal, weniger Stress oder gesundheitsfördernde Maßnahmen. Die Betriebe sind massiv gefordert, um ihre Beschäftigten im Job halten zu können.“

In keiner anderen Berufsgruppe sind die psychischen Belastungen so hoch wie in der Pflege. Das zeigt die aktuelle Auswertung des Arbeitsklima Index, die sich speziell mit körperlichen und psychischen Belastungen und deren Folgen auseinandersetzt. Während Beschäftigte in Fabriken und Handwerksberufen häufig über schlechte Gesundheitsbedingungen und hohe Unfallgefahr klagen, berichten Beschäftigte in Pflege- und Gesundheitsberufen am häufigsten über Zeitdruck und ständigen Arbeitsdruck. Von den körperlichen Belastungen sind eher Männer betroffen, die Berufe mit den höchsten psychischen Belastungen werden vorwiegend von Frauen ausgeübt. Diese Berufe definieren sich sehr häufig über die Arbeit mit und an Menschen. Gerade in der aktuellen Situation ist das mehrfach belastend.

Hohe Verantwortung für andere Menschen

Besonders belastend ist für die Beschäftigten in den Pflegeberufen die enorme Verantwortung für andere Menschen. Diese stiftet zwar Sinn, ist aber für sechs von zehn Pflegekräften eine Belastung. Fast ähnlich viele leiden unter dem ständigen Kontakt mit Schwerkranken, knapp die Hälfte klagt über körperlich anstrengende Arbeit. Hohe Konzentration, einseitige Belastungen, zu wenige und zu kurze Pausen sowie unregelmäßige und überlange Arbeitszeiten drücken ebenso aufs Gemüt von Pflegekräften.

Alarmierende Folgen der Belastungen

Die Folgen sind alarmierend: Mehr als die Hälfte der Pflegekräfte leidet unter Schlafstörungen, sechs von zehn sind erschöpft und ausgelaugt. Jeweils rund 70 Prozent haben Muskelverspannungen und Rückenschmerzen. Ein Viertel hat hohen Blutdruck, ein Fünftel Herzrasen.

Etwas mehr als die Hälfte der Pflegekräfte verspürt Resignation im Beruf, noch etwas mehr berichten über Fälle von Burnout im eigenen Betrieb. All das führt dazu, dass sechs von zehn Beschäftigten in Pflegeberufen nicht glauben, ihren Beruf bis zur Pension ausüben zu können. „Hier sind die Arbeitgeber massiv gefordert, die Arbeitsbedingungen zu verbessern“, sagt AK-Präsident Andreas Stangl. 62 Prozent der Pflegekräfte sagen, sie könnten in ihrem Beruf durchhalten, wenn sie kürzere und planbare Arbeitszeiten hätten, je 51 Prozent bräuchten weniger Stress und gesundheitsfördernde Maßnahmen. Und mehr als ein Drittel sieht den einzigen Ausweg darin, einer anderen Tätigkeit nachzugehen. „Um die Flucht aus der Pflege aufzuhalten, müssen die Zuständigen in der Politik und in den Betrieben jetzt sofort handeln“, bekräftigt der AK-Präsident.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

error: (c) by salzTV