Sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz bleibt auch in Corona-Zeiten ein Problem: AK erkämpft 3.300 Euro für Innviertlerin

Geschlechtsbezogene und sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz sind unverändert ein Dauerthema in der Beratung berufstätiger Frauen in der Arbeiterkammer Oberösterreich. Diese Form von Gewalt ist ein Anschlag auf die Menschenwürde, häufig ein Ausdruck der Machtverhältnisse und betrifft vorwiegend Frauen – wie ein aktueller Fall aus dem Innviertel zeigt.

Eine Handelsangestellte aus dem Innviertel kam zur Beratung in die AK Oberösterreich, weil sie von ihrem Arbeitgeber sexuell belästigt worden war. Dieser verhielt sich nicht nur aggressiv, es kam während der Arbeitszeit auch zu massiven verbalen und körperlichen Übergriffen. Er griff seiner Mitarbeiterin unter anderem auf die Brust und zwischen die Beine und nannte sie zudem „Hure“ und „geiles Luder“. Die Arbeiterkammer erkämpfte für die derart drangsalierte Frau – als zumindest teilweisen Ausgleich – für ihre Leiden immerhin einen Betrag in der Höhe von rund 3.300 Euro.

Belästigungen übers „Netz“ nehmen stark zu

„Die Beratungen bzgl. sexualisierter Gewalt am Arbeitsplatz sind trotz Covid-19-Pandemie nicht weniger geworden“, sagt AK-Präsident Andreas Stangl. Alleine im vergangenen „Corona-Jahr“ 2020 führte die AK Oberösterreich 553 Beratungsgespräche. In mehr als der Hälfte war sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz das Thema. Dabei fiel auf, dass sich die Belästigungsmethoden leicht verändert haben. So ist ein deutlicher Anstieg von Belästigungen über Smartphones, Mails und Soziale Medien zu verzeichnen. Die Bandbreite der Nachrichten mit obszönem Inhalt reicht von abwertenden Namensgebungen – beispielsweise „Mäuschen“ oder „Schätzchen“ – bis zu anzüglichen Bemerkungen über das Intimleben und Fotos mit sexuellem Hintergrund. Auch unerwünschte Einladungen mit eindeutigen Absichtserklärungen, das Versprechen beruflicher Vorteile bei sexuellem Entgegenkommen oder das Androhen von beruflichen Nachteilen bei sexueller Ablehnung gehören zum üblichen Repertoire der Belästiger.

Neue AK-Kampagne soll Lehrlinge sensibilisieren

Nicht selten sind neben Frauen auch die Jüngsten im Betrieb, die Lehrlinge, betroffen. Mit der neuen Kampagne #respect möchte die AK Oberösterreich junge Arbeitnehmer/-innen sensibilisieren und sie ermutigen, sich sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz nicht gefallen zu lassen. Video-Clips und Free-Cards unter Kampagne #respect | Arbeiterkammer Oberösterreich zeigen recht eindrucksvoll, was junge Arbeitnehmer/-innen tun können, wenn sie eine Belästigung beobachten oder selbst betroffen sind. Zudem können junge Arbeitnehmer/-innen ihre individuellen Fragen anonymisiert unter https://fragdieak.at/arbeit/Sexuelle_Belaestigung.html schriftlich an die Beraterinnen und Berater der AK Oberösterreich richten.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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