Kinderschutz-Landesrätin Birgit Gerstorfer: Welttag der Kinderrechte – „Young Carers“ brauchen besseren Schutz

Der 20. November 2021, der Internationale Tag der Kinderrechte, ist gleichzeitig auch der 1. Nationale Aktionstag für pflegende Kinder und Jugendliche in Österreich. Damit soll auf die oft prekäre Situation dieser jungen Menschen aufmerksam gemacht werden.

Pflegende Kinder und Jugendliche müssen mehr Pflichten im Alltag übernehmen, als für ihr Alter angemessen ist. Das reicht bis zur vollständigen Pflege und Versorgung des erkrankten Elternteils. Das überfordert Kinder und Jugendliche und führt in weiterer Folge dazu, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse immer mehr zurückstellen müssen. Studien gehen von mindestens 43.000 „Young Carers“ in Österreich aus. Mit ihrem Angebot an niederschwelliger, kostenloser und vertraulicher Beratung steht die Kinder- und Jugendanwaltschaft des Landes  (KiJA OÖ) allen jungen Menschen offen und bietet auch für pflegende Kinder und Jugendliche eine entsprechende Unterstützung an.

„Wenn Eltern pflegebedürftig sind, kann das für die betroffenen Kinder eine enorme Belastung sein. Unsicherheit, Scham, Überforderung und Angst bringen die Welt der Kinder ins Wanken“, weiß Kinder- und Jugendanwältin Mag.a Christine Winkler-Kirchberger.

Die Betroffenen bleiben häufig im Verborgenen. Teils aus Angst und Scham, teils aber auch weil den Kindern und Jugendlichen gar nicht bewusst ist, dass sie „Young Carer“ sind und sich Hilfe holen könnten. „Gerade hier zeigt sich, wie wichtig die Arbeit der Kinder- und Jugendanwaltschaft ist. Kinder und Jugendliche müssen ihre Rechte kennen. Auf Kinderrechte zu achten und ein sensibles Umfeld zu schaffen ist aber die Aufgabe der gesamten Gesellschaft“, betont Kinderschutz-Landesrätin Birgit Gerstorfer.

Psychisch kranke Eltern

Etwa jeder sechste „Young Carer“ lebt mit einem psychisch kranken Elternteil zusammen. Für diese Kinder und Jugendlichen ist es besonders schwer, weil psychische Erkrankungen immer noch einer gesellschaftlichen Stigmatisierung unterliegen. Kinder psychisch kranker Eltern sind außerdem häufig damit konfrontiert, dass sie das Verhalten der Mutter oder des Vaters nicht einschätzen können (Stimmungsschwankungen, Wahnvorstellungen, etc.) und gewohnte Strukturen in der Familie verschwinden. Sie entwickeln Schuldgefühle, weil sie glauben, die Wutausbrüche oder depressiven Phasen durch eigenes Fehlverhalten verursacht zu haben und haben daher ein relativ großes Risiko, auch selbst psychische Störungsbilder zu entwickeln. Studien sprechen von einem drei- bis siebenfach erhöhten Risiko – je nach Art, Verlauf und Schweregrad der elterlichen Störung.

Die Aufklärung der Kinder und Jugendlichen über die Erkrankung der Eltern stellt einen wichtigen Beitrag zur Prävention dar. In der Broschüre „Was heißt hier schon normal?“ der KiJA OÖ werden daher die häufigsten psychischen Erkrankungen kindgerecht beschrieben und ganz gezielt unterstützende Botschaften transportiert. Diese sollen die jungen Leser/innen (ab 12) befähigen, gut auf sich zu schauen und sich im Bedarfsfall auch Hilfe von außen zu holen. Ergänzend gibt es auch eine gleichnamige Broschüre für erwachsene Bezugspersonen, die auch über Unterstützungsmöglichkeiten und Anlaufstellen informiert.

Hilfsmaßnahmen für „Young Carers“

Kinder und Jugendliche sind keine Pflegekräfte! Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass diese Verantwortung auf sie abgewälzt wird. Daher braucht es ein Maßnahmen-Bündel, um die Situation der „Young Carers“ zu verbessern:

Ausbau mobiler Pflegedienstleistungsangebote

In erster Linie soll der Pflegebedarf von professionellen, gut ausgebildeten Fachkräften erfüllt werden.

Niederschwellige Information- und Unterstützungsangebote

Kinder und Jugendliche, die ihre Eltern pflegen, sollten jederzeit Zugang zu altersgerechten Informationen und individuell angepassten Unterstützungsangeboten haben.

Bewusstseinsbildung

Das Problembewusstsein ist in der Öffentlichkeit, aber auch im sozialen, pflegenden und medizinischen Bereich, oft nicht ausreichend gegeben. Beispielsweise sollten Hausärztinnen und Hausärzte, die Kontakt zu den chronisch kranken Menschen haben, dahingehend sensibilisiert werden, gezielt nach Kindern im Haushalt zu fragen, um Betroffene zu identifizieren und ihnen Unterstützungsangebote zukommen zu lassen.

Fotos: Land OÖ

Grafik: Sarah Seidel

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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