Nach zwei mageren Jahren: Wirtschaftsaufschwung muss zu kräftigem Plus bei Löhnen und Gehältern führen

Die letzten beiden Jahre waren aufgrund der pandemiebedingten Wirtschaftskrise von Lohnzurückhaltung geprägt. Jobverluste, Arbeitszeitreduktionen und unsichere Perspektiven ließen – wenn überhaupt – nur sehr moderate Einkommenssteigerungen zu. „Die Einkommensentwicklung zwischen dem ersten Halbjahr 2019 und jenem von heuer kann nur als mager bezeichnet werden und war teilweise sogar negativ“, so AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Die anspringende Wirtschaft, das solidarische Verhalten der Beschäftigten und auch die geplante Steuerreform müssen daher rasch und deutlich in den Geldbeuteln der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen spürbar werden.

Im Vergleich zum Vorkrisenniveau im ersten Halbjahr 2019 ist das mittlere Brutto-Einkommen in Oberösterreich insgesamt real – preisbereinigt – nur um rund zwei Prozent höher. Auch wenn stabilisierende Maßnahmen wie die Corona-Kurzarbeit Entgeltverluste begrenzen konnten, sind die mittleren Einkommen in einzelnen Branchen, etwa im Kraftwagenbau (- 3,4 Prozent), beträchtlich zurückgegangen.

Die Produktion der österreichischen Industrie hat laut dem Statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat) bereits im März 2021 das Niveau des Jahresbeginns 2020, also vor dem ersten Lockdown, überschritten und überflügelt seit Monaten die industrielle Entwicklung im Euroraum und jene unseres Haupthandelspartners Deutschland. Diese Entwicklung ist die ideale Voraussetzung für kräftige, kaufkraftstärkende Lohn- und Gehaltserhöhungen, um den Arbeitnehmern/-innen eine gerechte Wohlstandsteilhabe zu ermöglichen und die wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig zu stabilisieren.

Allerdings besteht die Gefahr, dass die Bundesregierung bei der angekündigten Steuerreform falsche Schwerpunkte setzt. Denn die Tarifsenkung vergisst auf kleine Einkommen und reicht nicht einmal für den Ausgleich der kalten Progression. Hingegen können sich Großkonzerne, die schon während der Krise mit reichlich staatlichem Geld unterstützt worden sind, ein weiteres Mal über großzügige Steuergeschenke freuen. „Doch gerade jetzt müssen jene finanziell gestärkt werden, die die Nachfrage stabilisieren und so den Konjunkturmotor am Laufen halten“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

©AKOÖ

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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