Antrittsvorlesungen: Neue Professor*innen des LIT stellen sich vor

Interview Thomas Gegenhuber

Manchmal kommen sie wieder: Thomas Gegenhuber hat an der JKU studiert und war hier ÖH-Vorsitzender. Nun kehrt er zurück – als Professor für „Management of Socio Technical Transition“.

Er hat die Gleichstellungskommission der deutschen Bundesregierung beraten, in Kanada Berufs-Erfahrungen gesammelt und kehrt nun an die JKU zurück. Thomas Gegenhubers Institut ist im Entstehen und wird im LIT Open Innovation Center angesiedelt.

Was genau ist „Management of Socio Technical Transition”?
Prof. Thomas Gegenhuber: Es geht um das Zusammenspiel von Technologie und sozialen Systemen. Nehmen wir das Thema digitale Nachhaltigkeit. Im Prinzip geht es darum zu erforschen, wie neue digitale Organisationsformen in die Gesellschaft eingebettet werden. Praktischer erklärt: Unternehmen wie Amazon und Lieferando haben neue digitale Plattformen eingeführt. Wir sehen uns mit einer interdisziplinären Perspektive an, welche betriebswirtschaftlichen, technischen, und sozialen Herausforderungen damit einhergehen.

Worum geht es in Ihrer Antrittsvorlesung konkret?
Prof. Thomas Gegenhuber: Technologien sind materielle oder immaterielle Artefakte, die das Herzstück vieler menschlicher Aktivitäten wie Produktion, Dienstleistungserbringung und Kommunikation bilden. Ich untersuche das Wechselspiel zwischen Technologie und Gesellschaft vor dem Hintergrund der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung.

Was bedeutet das in der Praxis?
Prof. Thomas Gegenhuber: Neue Vertriebsformen haben enorme Auswirkungen – auf die Wirtschaft an sich, aber auch ganz konkret auf die dort Beschäftigten. Welche Auswirkungen haben das Management via Algorithmen? Welche Rechte haben Beschäftigte? Zum Beispiel versucht der Taxi-Service Uber in vielen Ländern mit allen Mittel zu vermeiden, dass deren Fahrer*innen als Arbeitnehmer*innen eingestuft werden um Geld zu sparen.

Das sind aber internationale Unternehmen. Kann ein Linzer Institut da überhaupt was erreichen?
Prof. Thomas Gegenhuber: Richtig. Aber wir sind Teil einer internationalen Forschungscommunity, die solche Themen aufarbeitet. Wir sind bereits jetzt gut vernetzt und arbeiten zum Beispiel gemeinsam mit Forscher*innen der Unis Cambridge, Calgary und Sydney zusammen an einem Buch zum Thema Digitale Transformation.

Klingt, als ob die Digitalisierung recht bedrohlich wäre…
Prof. Thomas Gegenhuber: …aber auch riesige Chancen birgt. Das deutsche Bundeskanzleramt unterstützt unsere Forschung zu Open Social Innovation Projekten, wie etwa #WirvsVirus und #UpdateDeutschland. Die Behörden haben sich digital mit den Bürger*innen zusammengesetzt, um gemeinsam Probleme zu lösen. Einfach, auf Augenhöhe und unbürokratisch. Nicht das, wofür deutsche Behörden bekannt sind – hat aber erste Erfolge gebracht.

Gibt’s da ein konkretes Beispiel?
Prof. Thomas Gegenhuber: Ja, kein sehr fröhliches. Zu Beginn der Pandemie wurden Besuche im Krankenhaus untersagt. Die Konsequenz war, dass Menschen sterben mussten, ohne ihre Angehörigen nochmal zu sehen. Eine Gruppe von Bürger*innen hat einen „Sterbenotruf“ erarbeitet. So konnten die Menschen zumindest telefonisch voneinander Abschied nehmen. Der erste Prototyp des Notrufs wurde rasch umgesetzt und hat den Betroffenen viel bedeutet. Das Projekt wird von der Verwaltung unterstützt. Im offenen Austausch gemeinsam an der Lösung von gesellschaftlichen Problemen zu Arbeiten ist eine große Möglichkeit der Digitalisierung.

Wäre das auch mit österreichischen Behörden möglich?
Prof. Thomas Gegenhuber: Sicher. Und darauf will ich auch mit meinen Studierenden hinaus. Was für Chancen bietet die Digitalisierung, um unsere Welt menschlicher zu machen?

Apropos Studierende. Was haben die von Ihnen zu erwarten?
Prof. Thomas Gegenhuber: Ich habe an der JKU studiert, war ÖH-Vorsitzender. Ich kenne die Perspektive der Studierenden sehr gut. Ich habe als Lehrender bisher auch drei Auszeichnungen für meine Lehre bekommen. Ich denke, ich kann die Themen gut verständlich machen und mit Praxis anreichern. Ich habe von Studierenden oft gehört: „Beim Gegenhuber ist es aufwändig, aber ich hab‘ viel mitgenommen.“

Und was machen Sie neben der Arbeit?
Prof. Thomas Gegenhuber: Ich bin gern in den Bergen. Und ich spiele Ukulele und tanze Lindy-Hop.

Interview mit Prof. Stefan Rass

Mit Stefan Rass forscht nun ein neuer Professor im LIT Secure and Correct Systems Lab der Johannes Kepler Universität Linz. Warum ihn die dunklen Bereiche der Digitalisierung anziehen und welche Inspiration er sich von seinen Studierenden erhofft, erklärt der 40-jährige gebürtige Klagenfurter im Interview.

In welchem Bereich forschen Sie? Was bedeutet „Secure Systems“?
Stefan Rass: Ich würde meinen Forschungsansatz als „modellbasierte Security“ beschreiben. Es geht darum Angriffs-Szenarien zu modellieren und auf Grundlage der Modelle Mittel und Wege zu identifizieren, um einen Angriff möglichst „teuer“ für die angreifende Person zu machen. Security ist für mich nicht der Zustand, wo Angriffe unmöglich sind, sondern der Punkt, an dem die Kosten für einen Angriff den zu erwartenden Nutzen übersteigen, sodass es sich schlicht „nicht mehr lohnt“ überhaupt anzugreifen.

Worum geht es in Ihrer Antrittsvorlesung am 15. November konkret?
Stefan Rass: Ausgehend von der Quantenkryptografie wird der Vortrag meine beiden Hauptforschungsbereiche vorstellen: angewandte Kryptografie und Sicherheitsökonomie. Wir werden untersuchen, wie sich kryptografische Mechanismen für einen umfassenden Schutz eignen, indem wir Angriffe auf die Privatsphäre in mathematische Spiele verwandeln, um optimale und quantifizierbare Sicherheit zu erreichen.

Was begeistert Sie an diesem Bereich?
Stefan Rass: Security ist eine Querschnittsdisziplin, die Anleihen aus vielen verschiedenen Bereichen nimmt. In der Forschung habe ich das große Glück, viele unterschiedliche Methoden kennenlernen, anwenden und mehr noch neu entwickeln zu dürfen. Angreifer*innen werden immer kreativer bei ihren Methoden, und das sorgt dafür, dass das Feld immer spannend bleibt.

Wie wichtig ist Cyber-Security nun wirklich?
Stefan Rass: Wir vertrauen unser Leben immer stärker Maschinen und Algorithmen an, angefangen beim elektronischen Geldverkehr, über elektronisches Gesundheitsmanagement, bis hin zu Smart Homes. Mit jeder neuen Möglichkeit sind aber auch Gefahren verbunden, etwa wenn wir vollends abhängig vom Funktionieren unserer gewohnten Infrastrukturen geworden sind. Ich finde es wichtig, dass die Digitalisierung voranschreitet, da sie unser Leben in vielerlei Hinsicht erleichtert, und mein Beitrag, genauer der Beitrag der Sicherheitsforschung ist es, diese für uns fast lebenserhaltend gewordenen Systeme auch dauerhaft aufrecht zu erhalten. Ohne Strom, Elektronik, Telekommunikation und vieles andere wären wir in vielen Bereichen heute so gut wie hilflos.

Warum haben Sie sich für die JKU entschieden?
Stefan Rass: Die JKU ist ein bekannter Name und das fachliche Umfeld sowohl in Breite als auch Tiefe ist grade für Security-Forschung unschätzbar wertvoll. Außerdem mochte ich bei jedem meiner Besuche in Linz sowohl die Stadt, als auch die Menschen, die ich an der JKU kennenlernen durfte.Dieser menschliche Aspekt, verbunden mit den fachlichen Möglichkeiten und dem tollen Ruf der Uni war der Grund für meinen Wunsch an die JKU zu kommen.

Warum sollten sich Studierende Sie als Lehrenden wünschen?
Stefan Rass: Ich mag den Austausch mit Studierenden, sie stellen die besten Fragen überhaupt! Wenn man sich lange mit einem Thema beschäftigt vergisst man mitunter, die als „gegeben“ hingenommenen Basisfakten zu hinterfragen. Ein*e Studienbeginner*in kann oftmals eine einfache Frage stellen „warum ist das so und nicht anders?“. Von mir als Lehrendem wird erwartet, dass ich auf solche Fragen Antworten habe, und oft hat man die natürlich auch. Aber nicht selten bleibt mir die Frage dann doch im Kopf, und die Frage „geht das nicht auch anders?“ hat schon mehr als einmal zu einer tollen neuen Forschungsidee geführt. Ich finde den Kontakt mit Studierenden aus diesem Grund inspirierend, und ich hoffe sehr, die Begeisterung für das Fach auch zurückgeben zu können. Wenn das funktioniert, dann haben beide Seiten gewonnen!

An welchem Projekt arbeiten Sie momentan konkret?
Stefan Rass: Ich beschäftige mit Modellen für nicht-kooperatives Verhalten, welches im einfachsten Fall die Situation zwischen Angreifer*in und Verteidiger*in bedeuten kann, aber auch das Zusammenspiel von Komponenten eines größeren Systems modellieren kann, z.B. in Fällen, wo Systemkomponenten ausfallen, gehackt werden oder ähnliches. Ein zweites Projekt dreht sich sowohl um die Anwendung als auch um die Sicherheit von Künstlicher Intelligenz, um die Dynamik von Angriffen zu simulieren und Angriffen somit präventiv rechtzeitig entgegenzuwirken.

Auch Forscher*innen müssen entspannen. Welche Hobbys haben Sie?
Stefan Rass: Ich bin gerne an der frischen Luft, gehe gerne Joggen, und möchte auch wieder zurück zum Klavierspielen. Außerdem lese ich viel und gerne, wobei ich zugegebenermaßen Krimis und Thriller bevorzuge.

Was wollen Sie in Ihrem Leben unbedingt noch machen oder erreichen?
Stefan Rass: Gerade in der Sicherheit bewegen mich ein paar grundlegende Fragen, auf die ich noch gerne Antworten finden würde. Ich möchte meine Kinder in einer, nicht nur im Sinne der Digitalisierung, gesicherten Zukunft aufwachsen sehen, und ich möchte sowohl die reale, als auch die theoretische Welt weiter erforschen. Welche Orte ich genau besuchen will weiß leider im Moment nur geographisch (ich möchte zum Beispiel einmal eine weiße Nacht erleben und ein Nordlicht sehen), aber wissenschaftlich zieht es mich eher ins Dunkel, und was man dort entdeckt weiß man ja vorher nie.

©JOHANNES KEPLERUNIVERSITÄT LINZ

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Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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