AK-Präsident Kalliauer: Frauen schauen bei der angeblich „größten Steuerreform“ durch die Finger

Die „größte Steuerreform“ aller Zeiten ist nicht nur ein riesiges Steuergeschenk an Großkonzerne, sie diskriminiert auch innerhalb der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: Sowohl die Ausweitung des Familienbonus als auch die Tarifstufensenkung kommen berufstätigen Männern deutlich stärker zugute als Frauen. „Zuerst haben uns die Pflegerinnen, Reinigungskräfte und Kassiererinnen durch die Krise getragen – und jetzt schauen sie bei der Steuerreform durch die Finger“, kritisiert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Der Applaus war ihnen gewiss, den Frauen in der Pflege, in der Reinigung, in den Gesundheitsberufen, den Pädagoginnen und den Handelsangestellten, die uns mit ihrer systemrelevanten, aber oftmals schlecht bezahlten Arbeit durch die Krise gebracht haben. Im Jahr 2019 haben sie knapp neun Mrd. Euro zum Lohnsteueraufkommen beigetragen. Nebenbei erledigen sie auch noch den Großteil der unbezahlten Arbeit in der Kinderbetreuung, der Altenpflege und im Haushalt. Alles spräche dafür, Frauen bei einer Steuerreform besonders zu entlasten. Aber ihr geringes Einkommen, auch aufgrund der hohen Teilzeitquote, lässt die Frauen auch bei der türkis-grünen Tarifreform durch die Finger schauen.

Von der Ausweitung des Familienbonus profitieren (gutverdienende) Männer in deutlich stärkerem Ausmaß als Frauen: Um beim neuen Tarif den erhöhten Familienbonus voll ausschöpfen zu können, ist bei einem Kind ein Monatsbrutto von rund 2.000 Euro notwendig. Für viele Frauen, insbesondere wenn sie Teilzeit arbeiten, ist ein derart hohes Einkommen leider völlig illusorisch. Bezieherinnen von Mindestsicherung und Arbeitslose gehen beim Familienbonus gänzlich leer aus. Somit werden rund 180.000 Kinder nicht vom Familienbonus profitieren können.

Auch die Senkung der zweiten und dritten Tarifstufe vergisst auf Teilzeitbeschäftigte und Frauen mit geringen Einkommen. Von diesem Teil der Steuerreform profitieren ebenfalls Männer viel stärker als Frauen. Vom gesamten Kuchen des Entlastungsvolumens erhalten Männer 61 Prozent und Frauen 39 Prozent. Für AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer ist daher klar: „Diese angeblich ‚größte Steuerreform‘ aller Zeiten setzt völlig falsche Prioritäten. Frauen, die in den vergangenen beiden Jahren – noch mehr als je zuvor – unser Land und das gesellschaftliche Leben am Laufen gehalten haben, schauen wieder einmal durch die Finger.“ Im Gegensatz dazu dürfen sich Großkonzerne, die schon während der Krise mit reichlich staatlichem Geld unterstützt worden waren, ein weiteres Mal über großzügige Steuergeschenke freuen.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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