Wildtiere erobern die Städte

In Österreich leben nur noch 23 % der Bevölkerung auf dem Land, die anderen 77 % wohnen in Städten oder größeren Siedlungen. Dieser Trend wird sich in Zukunft noch weiter verstärken. Doch nicht nur Menschen bevölkern die Städte, auch überraschend viele Tiere haben diesen Lebensraum erobert und sich an die dort herrschenden Lebensbedingungen angepasst. Der Naturschutzbund hat den Wildtieren in Städten nun eine ganze Broschüre gewidmet. Darin wird eine Auswahl von Wildtieren und ihr Leben in Städten ebenso vorgestellt wie die Herausforderungen, die sich ihnen dort bieten. Hinzu kommen Tipps, wie man die Tiere unterstützen kann.

Igel, Turmfalken, Eichhörnchen und Co. gehören zu den „typischen“ Stadtwildtieren. Sie sind – was Lebensräume und Nahrungsangebot anbelangt – recht flexibel und finden dadurch auch in der Stadt gute Lebensbedingungen. Viele Spezialisten hingegen suchen vergeblich nach einem geeigneten Ersatz für ihre ursprünglichen Habitate. Damit auch sie hier leben können, brauchen die mannigfaltigen Stadtbiotope ganz spezielle Pflege.

Natur macht vor Stadtgrenzen nicht halt

Grünbereiche, Wasserlebensräume, künstliche Felsstrukturen der Gebäude und ruderale Bereiche wie Industriegelände oder Bahndämme – vielfältige Unterschlupfmöglichkeiten auf engem Raum bieten zahlreichen Wildtieren Lebensraum. Das zeigen die Feldhamster am Wiener Zentralfriedhof, Turmfalken in Kirchtürmen oder auch Fledermäuse, die sämtliche Spalten an Häusern als Quartiere auserwählen. Auch das üppigere Nahrungsangebot sowie das Fehlen natürlicher Feinde machen Städte für Fuchs, Dachs und Co. attraktiv. Für viele Tierarten herrschen hier sogar bessere Bedingungen als in einem intensiv-landwirtschaftlich geprägten Gebiet! Doch die Tiere stoßen auch auf viele Gefahren: Die zahlreichen Lichter lenken nachtaktive Insekten und Vögel auf falsche Wege, das hohe Verkehrsaufkommen in Städten fordert viele tierische Opfer und auch die höheren Temperaturen im Vergleich zum Umland sind für viele Arten eine Herausforderung.

Selbst Hand anlegen für die tierischen Nachbarn

Weil unversiegelter Raum in der Stadt rares Gut ist, kommt der Schaffung zusätzlicher Lebensräume durch Fassadenbegrünungen, Gründächer und verschiedenartige Nischen besondere Bedeutung zu. Von der Vogelfütterung über Naturvielfalt im Garten bis zum Verzicht auf künstliches Licht – praktische Tipps und Tricks in der aktuellen Broschüre zeigen, wie man den Stadtwildtieren unter die Arme greifen kann. Da ist auch die Anpassungsfähigkeit der stadtbewohnenden Menschen gefragt.

Als Kulturfolger des Menschen nutzen Dohlen Mauerlöcher und Nischen von Gebäuden, Rauchfänge und Kirchtürme als Brutplatz © Hans Glader

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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