Oberösterreichs Bauern gegen die Importabhängigkeit im Eiweißfutter-Bereich

In Oberösterreich neigt sich die Sojaernte dem Ende zu. Der Sojaanbau ist in Österreich stark im Steigen. Seit 2010 wurde die Anbaufläche mehr als verdoppelt – heuer wurden 75.600 Hektar österreichweit angebaut (+7300 Hektar gegenüber 2020), 40 Prozent davon biologisch. Damit ist Österreich der fünftgrößte Sojaproduzent in der EU. 2019 und 2020 betrug so die Erntemenge mehr als 200.000 Tonnen Sojabohnen. In Oberösterreich wurden heuer 15.400 Hektar angebaut (+400 Hektar gegenüber 2020).

Trotz der steigenden Anbauflächen herrscht in Europa und Österreich ein Defizit. Rund 500.000 Tonnen Sojabohnen und Sojaschrot werden in Österreich pro Jahr eingeführt. Der Bauernbund Oberösterreich fordert deshalb, die heimische Produktion des viel benötigen Futtermittels für den Kampf gegen die Klimakrise und für die heimische Landwirtschaft und Eigenversorgung zu unterstützen.

Für die einen ist es die Alternative zu Fleisch, für andere das Futter, das in Viehtrögen landet: Soja. Es wird als Lebensmittel, als Treibstoff, als Industriematerial und, aufgrund seiner hohen Eiweißmenge, eben auch als Tierfutter genutzt. Der weltweite Bedarf ist so enorm, dass sich der Sojaanbau innerhalb von 35 Jahren beinahe verfünffacht hat und die Bohne über den gesamten Erdball transportiert wird.

Auch Österreich ist trotz seiner Almen und seines wertvollen Grünlands, womit ein großer Teil der Eiweißzufuhr in der Tierfütterung abgedeckt wird, abhängig von der Produktion im Ausland. Die österreichische Eigenversorgung mit pflanzlichem Eiweiß für die Fütterung liegt bei über 80 Prozent. Der Rest des in der Tierfütterung benötigen Eiweißes muss mit importierten Sojabohnen abgedeckt werden. In Summe bezieht Österreich über eine halbe Million Tonnen im Jahr aus dem Ausland.

Monopolstellung: Überall gebraucht, aber in wenigen Ländern produziert

Obwohl Soja weltweit benötigt wird, teilt sich der Anbau hauptsächlich auf vier Länder auf: Brasilien, USA, Argentinien und Paraguay, die gemeinsam 326 Millionen Tonnen und damit 85 Prozent der weltweiten Menge produzieren. Mit über 102 Millionen Tonnen ist China der größte Sojaimporteur vor der EU mit 36 Millionen Tonnen. Trotz jährlich steigender Produktion kann seit 2017 der weltweite Verbrauch an Soja nicht mehr gedeckt werden, womit auch die Preise gestiegen sind. Es gibt außerdem zu wenig gentechnikfreien Soja für die europäischen bzw. österreichischen Vermarktungsprogramme.

Mit dem Anbau größtenteils gentechnisch veränderter Sorten und der Rodung von Wäldern und Grasland wurde in diesen Hauptproduktionsländern die extreme Ausweitung der Soja-Produktion vorangetrieben. Diese Entwicklung nimmt mit all ihren Konsequenzen kontinuierlich zu. Durch die Abholzung geht zunehmend Biodiversität verloren, führt zu Landkonflikten und bringt indigene Gemeinschaften in Not. Zusätzlich zum Einsatz von, in der EU bereits verbotenen, Pestiziden wird das Klima durch lange Transportwege in die Exportländer belastet.

„Diese Entwicklung kann nicht unterstützt werden“, appelliert deshalb Wolfgang Waller, der Direktor des OÖ Bauernbundes. „Im Sinne des Klimaschutzes, der Bewahrung des Lebensraumes der dortigen Bevölkerung und unserer heimischen Bäuerinnen und Bauern gilt es, möglichst viel landwirtschaftliche Produktion im eigenen Land zu halten und den Eigenversorgungsgrad zu erhöhen.“

Österreich ist fünftgrößter Produzent von Sojabohnen in der EU

Um die Selbst-Versorgung auszubauen und die „Eiweißlücke“ auch unabhängig von Importen zu verkleinern, wird in Österreich seit 1978 Soja angebaut. Seit zehn Jahren nimmt der Soja-Anbau in Österreich rasant an Fahrt auf, seit 2010 wurde die Anbaufläche mehr als verdoppelt. Heuer wurden 75.600 Hektar angebaut (+ 7300 Hektar gegenüber 2020). In Oberösterreich werden 15.400 Hektar angebaut (+400 Hektar gegenüber 2020). Innerhalb der EU ist Österreich bereits der fünftgrößte Produzent von Sojabohnen. Auf 202.503 Tonnen belief sich die Ernte 2020 – knapp ein Viertel davon in Oberösterreich (47.500 Tonnen). Für heuer werden laut Prognosen der Landwirtschaftskammer für Oberösterreich etwa 48.700 Tonnen erwartet. „Die oberösterreichischen Bäuerinnen und Bauern tragen damit wesentlich zur Inlandsversorgung und damit zum Klimaschutz bei“, freut sich Wolfgang Wallner.

Mit der von Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger im Juli präsentierten Eiweiß-Strategie soll dieser erfolgreiche Weg weiter forciert werden. Mit der Strategie sollen die Soja-Importe bis 2030 um die Hälfte reduziert werden und zwar mit drei Schwerpunkten: Mit einer Steigerung der Anbauflächen, mit der Reduktion von Eiweiß in der Fütterung und mit dem Aufbau von Absatzmärkten und der dauerhaften Abgeltung der Mehrkosten für europäisches Eiweiß durch die Marktteilnehmer und die Konsumentinnen und Konsumenten.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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