Der Gebrauch des Brauchtums

„Feuer, Fels und Federvieh – Traditionen, die wir leben“, am Fr., 15.10., ab 21:10 Uhr

Traditionen sind ein wichtiger Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens und Handelns. Sie verbinden, lassen neue Freundschaften entstehen, stärken den Zusammenhalt zwischen den Menschen und sind verantwortlich dafür, dass teils über Jahrhunderte hinweg tradierte Kulturgüter am Leben erhalten werden. Österreich ist reich an Traditionen und viele davon hat die UNESCO bereits als immaterielles Kulturerbe ausgezeichnet. Es sind Traditionen, die als besonders schützenswert einzustufen sind, Traditionen, die man lebt.

Es zwitschert wild im Salzkammergut
Was wie eine frühmorgendliche Wanderung zum Sonnenaufgang aussieht, ist eine über 400 Jahre alte Tradition: Der Salzkammergut Vogelfang. Leopold „Poldi“ Kain ist mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung ein wahres Urgestein. Dieses Mal rückt er mit seinem Enkel Michael in der Nähe von Bad Goisern aus: „Am Anfang ist mir immer ein bissl fad geworden, weil man so lange warten muss, bis ein Vogel kommt. Aber mir gefällt es einfach, wenn man da in der Natur ist und das taugt mir, wenn die dann so singen und ich ihnen zuhören kann.“ Kreuzschnabel, Gimpel, Zeisig und Stieglitz sind die Vogelgattungen, die sie erfolgreich fangen möchten. Definitiv einen Erfolg haben die beiden Schwestern Andrea und Brigitte Fritz aus Tamsweg im Salzburger Lungau. Gemeinsam haben sie vor vielen Jahren den elterlichen Steinmetz-Betrieb übernommen: Andrea als Steinmetz und Brigitte als gelernte Ofen- und Fliesenlegerin. Das Steinmetz-Handwerk ist eines der ältesten Gewerbe überhaupt und Andrea inzwischen sehr ans Herz gewachsen: „Es sind alles Unikate, weil die Natur das einfach nur so bringt. Wenn wir einen Stein aus St. Michael holen, den gibt es nur einmal. Mit dem arbeiten zu dürfen, ist für mich ein riesen Privileg.“

Tradition auf Messers Schneide
Im Süden Oberösterreichs, am Rande des Windischgarstener Tals, zwischen Klammberg und Präwald liegt der Ursprung Österreichs größter Karstquelle. Auf dem Weg flussabwärts übertönen langsam kraftvolle Hammerschläge die zarten Naturgeräusche. Denn hier geht man einem Handwerk nach, das in dieser Form einmalig ist in Österreich: das Sensenschmieden. In mehr als 20 verschiedenen Arbeitsschritten stellt das Team von Betriebsleiter Klaus Perthmayr heimische Qualitätssensen her. Und das in Handarbeit, mit nur wenig maschineller Unterstützung. Mit geschärfter Spannung und Vorfreude fiebern aber auch die Gurktaler Jahr für Jahr zu Pfingsten einer alten Tradition entgegen. Majestätisch reiten sie auf ihren aufwendig hergerichteten Rössern von Weitensfeld aus von Haus zu Haus, und bringen dabei ihre Grußbotschaften in Form von kurzen Gstanzln an die Bewohner. Der Hintergrund des Brauches hat mit der hier dazumal wütenden Pest zu tun. „Das Kranzelreiten, das findet immer statt. Da ist es wurscht, was für ein Wetter ist. Das müssen wir tun, damit nicht wieder die Pest über unseren Markt hereinbricht“, erzählt Ernst Steindorfer. Das Kranzelreiten ist eines der ältesten Brauchtumsfeste Kärntens und lockt jährlich mehrere tausend Besucher an.

Vom Trinken und Rauchen
In gemütlichen Heurigen und der Buschenschank spürt man die Wiener Lässigkeit und Lebensfreude. Kein Wunder, dass seit 2019 auch die UNESCO die Wiener Heurigenkultur auf dem Schirm hat und in ihr Verzeichnis der schützenswerten Kulturgüter aufgenommen hat. Filip Bartenbach, der vor einem Jahr das Gut Stift St. Peter am Rupertusplatz im Wiener Vorort Dornbach übernommen hat, schwärmt: „Die Heurigenkultur in Wien, das ist ja wirklich Kulturgut, das ist mit die Seele dieser Stadt und das machts besonders.“ Riesling, Chardonnay, Grüner Veltliner und Müller-Thurgau werden hier angebaut und zusammen mit den selbstgemachten Heurigenschmankerl und der typischen Wiener Musik den Gästen serviert. Von der Lokalität her etwas russiger mögen es Nadya Prem und ihre Tochter Elya. Sie halten mit ihrem Familienbetrieb die Rauchfänge rund um den Wilden Kaiser intakt: „Wir sind ja ned dreckig mir sind russig. Und ich sag Waschen musst di eh jeden Tag, ob dich jetzt a bisl mehr obe wascht des bleibt se gleich.“ Seit 2019 ist das Rauchfangkehren auch in der Liste zum immateriellen Kulturerbe der Unesco zu finden. Schon Nadyas Großvater und Vater waren Rauchfangkehrer, in einer Zeit als diese noch als „Rußknechte“ tituliert wurden. Jetzt führt Nadya ihre Tochter Elya an den Beruf heran, in dem Frauen noch keine Selbstverständlichkeit sind, der aber hohes Ansehen genießt.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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