Bildung: Perspektive statt Privileg – 34 Teach For Austria Fellows im neuen Schuljahr

34 Jungakademikerinnen und -akademiker, sogenannte Teach For Austria Fellows, unterstützen in diesem Schuljahr in Oberösterreich wieder Schülerinnen und Schüler mit schlechteren Startbedingungen dabei, erfolgreiche Bildungswege einzuschlagen: acht neue engagierte Hochschulabsolventinnen und -absolventen, acht Junglehrerinnen und -lehrer sind in ihr zweites Schuljahr gestartet. Insgesamt 18 „Teaching Alumnae“ haben ihren Einsatz verlängert, davon alle elf aus dem Jahrgang 2019!

Die Bildungsinitiative Teach For Austria ist seit 2011 in Österreich aktiv. In dieser Zeit konnten knapp 400 besonders qualifizierte Jungakademikerinnen und -akademiker für rund 40.000 Kinder in sozial hoch belasteten Schulen einen erheblichen Unterschied bewirken. In Oberösterreich waren bzw. sind inklusive des aktuell vierten Jahrgangs seit 2018 40 junge Frauen und Männer in insgesamt 94 Lehrverpflichtungen für gerechtere Bildungschancen ihrer Schülerinnen und Schüler wirksam. 

Bildung ist die Chance für junge Menschen, sich für ihre Zukunft zu rüsten. Und die Möglichkeit für jede und jeden Einzelnen, seine Talente zu entfalten. Wir haben aufgrund von Corona deutlicher als zuvor gesehen, wie wichtig engagierte Pädagoginnen und Pädagogen für den Bildungserfolg der Kinder sind. Daher ist die Zusammenarbeit mit Teach For Austria, das sich als verlässliche Stütze der oberösterreichischen Bildungslandschaft etabliert hat, für uns von großer Bedeutung. Mir ist es wichtig, dass unsere Schülerinnen und Schüler erfolgreiche Bildungswege einschlagen und ich schätze das Engagement der Fellows gerade in so fordernden Zeiten“, bekräftigt Bildungsreferentin LH-Stellvertreterin Mag.a Christine Haberlander.

Die bei Teach For Austria „Fellows“ genannten Junglehrerinnen und -lehrer sind an Mittelschulen und Polytechnischen Schulen im Einsatz und werden in enger Abstimmung mit der Bildungsdirektion für zwei Jahre als vollwertige Lehrkräfte mit Sondervertrag in den Bezirken Linz, Linz-Land, Wels und Steyr eingesetzt. Alle Fellows haben zumindest ein Studium absolviert: beim aktuellen Jahrgang reicht der Bogen von Sozial- und Verwaltungsmanagement über Soziale Arbeit, Europäische Ethnologie, Philologie und Politikwissenschaft oder Austrian Studies – Cultures, Literatures, Languages über Sprachen, Produktmarketing und Produktmanagement, Agrar- und Ernährungswissenschaft bis zu Umweltsystemwissenschaften und Technische Physik. Alle haben bereits Berufserfahrung gesammelt oder waren ehrenamtlich tätig, etwa im Bereich Sprachassistenz oder Lernförderung. Dieses Wissen bringen sie – nach einer intensiven Vorbereitung im Rahmen von Online-Campus, Sommerakademie und praktischem Unterricht im Rahmen der Linzer Teach For Austria Sommerwochen – nun mit viel Engagement in den Klassen ein.

Alle Kinder sollen gute Startbedingungen haben

Die meisten Fellows sind froh, in einem so reichen und sicheren Land wie Österreich geboren zu sein. Einige haben selbst eine Migrations-Biographie und kennen die damit einhergehenden gesellschaftlichen Hürden. Alle hatten das Glück, wegen oder trotz ihrer Herkunft und Vorgeschichte studieren zu dürfen. Grund dafür waren Eltern und Lehrerinnen und Lehrer, die an sie geglaubt haben. Nun sehen sie sich an der Reihe, diese Rolle zu übernehmen. Sie wollen ihre Schülerinnen und Schüler bei der Entfaltung ihrer Potenziale unterstützen, ihre Motivation zum Lernen fördern und ihr Selbstvertrauen stärken. Ziel ist, dass möglichst alle Schülerinnen und Schüler den erfolgreichen Übertritt in eine weiterführende Ausbildung schaffen, unabhängig vom Geld und Bildungsstand der Eltern. Denn jeder Mensch ist einzigartig und hat Talente, die man entdecken und fördern kann, damit sie sich selbst verwirklichen und ein erfülltes Leben führen können, so der Tenor der Junglehrerinnen und -lehrer. 

Dafür sorgt bei Teach For Austria ein besonderer Mindset: „Sich einem Problem stellen und über sich hinauswachsen“. „Wenn die Dinge nicht so laufen wie gewünscht, steht für die Fellows im Mittelpunkt: Worauf habe ich Einfluss? Was kann ich (trotzdem) machen, damit die Schülerinnen und Schüler am Ende eine bestimmte Fähigkeit entwickeln? Das war gerade in der Zeit der Lockdowns wichtig. Denn je resilienter die Lehrkräfte sind, desto besser können sie ihre Schülerinnen und Schüler betreuen und stützen. Corona hatte enorme Auswirkungen auf die Situation der Kinder, denen über weite Strecken die Schule als sicherer Rückzugsort zum Lernen gefehlt hat. Gerade in Familien, die ihre Kinder beim Homeschooling nicht adäquat unterstützen oder die nötige technische Ausstattung aufbringen konnten, hat sich die Pandemie deutlich auf den Lernerfolg ausgewirkt“, erklärt Dr.in Christiane Steinlechner, Regionalleiterin von Teach For Austria in Oberösterreich.

Auswirkungen hatte Corona auf die Bildungsorganisation auch auf anderer Ebene: „Auch wenn allen klar ist, dass jetzt mehr denn je Unterstützung in den Klassen gebraucht wird, war es heuer für uns nicht leicht, neue Fellows zu rekrutieren. Viele Jungakademikerinnen und -akademiker waren angesichts der Ungewissheit am Arbeitsmarkt weniger bereit, erfolgversprechende Karrierepfade zu verlassen und sich auf neue Herausforderungen wie unser Leadership-Programm einzulassen. Umso erfreulicher ist die hohe Quote der Fellows in Oberösterreich, die ihren Einsatz verlängern und ‚ihre‘ Kinder weiter unterstützen: sieben von elf Fellows des Pionierjahrgangs sind noch aktiv, dazu kommen alle elf, deren Leadership-Programm heuer geendet hätte! So können wir mit insgesamt 34 Fellows an 13 Schulen unterstützend wirken. Unser Ziel für 2022 ist es, 15 neue Fellows aus Oberösterreich für Oberösterreich zu rekrutieren“, erklärt Steinlechner.

„Schule lebt von der persönlichen Beziehung zwischen Schülerinnen sowie Schülern und Lehrkraft. Deshalb bin ich froh, dass Schule wieder in gesichertem Rahmen möglich ist. Insgesamt hat uns Corona aber auch gezeigt, dass vieles möglich ist, wenn alle wollen und sich dafür einsetzen. Daher freut es mich besonders, dass das Programm von Teach For Austria an immer mehr Schulen gut angenommen wird und dass so viele Junglehrerinnen und -lehrer ihren Einsatz verlängert haben. Damit wir unserer gemeinsamen Vision einen Schritt näher kommen: dass möglichst jedes Kind die Pflichtschule mit wirtschaftlichen Grundkompetenzen und konkreten Perspektiven für seine berufliche Zukunft positiv abschließen kann“, betont Haberlander.

Die Ausschreibung für das kommende Teach For Austria Fellowship läuft seit 4. Oktober 2021. Bis Mai 2022 laufen die Assessments. Die erste Priority Deadline ist am 21. November Informationen unter www.teachforaustria.at/jetzt-bewerben

Bildtext: Mit acht neuen Junglehrerinnen und -lehrern engagieren sich im 4. Jahrgang 34 Fellows von Teach For Austria für Chancenfairness.

Foto: Teach For Austria

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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