AK-Kalliauer: „Regierung hat Corona-Auswirkungen in der Bildung unterschätzt. Wir brauchen eine nachhaltige Strategie“

Die Bundesregierung hat die Auswirkungen von Corona im Bildungssystem völlig unterschätzt und vielfach zu spät reagiert. Ein Beispiel dafür: Erst seit Beginn dieses Schuljahres bekommen Kinder ab der fünften Schulstufe digitale Endgeräte zur Verfügung gestellt – nach fast 18 Monaten zwischen Distance-Learning und Schichtbetrieb. „Wir brauchen langfristige Investitionen und eine nachhaltige Strategie für unser gesamtes Bildungssystem. Zudem hängen in Österreich Bildungschancen und Berufskarrieren unserer Kinder nach wie vor sehr stark von Faktoren wie Einkommen und Bildungshintergrund der Eltern ab“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Die Arbeiterkammer OÖ fordert daher im Schulbereich:

  • Oberste Priorität hat eine Schulfinanzierung nach dem Modell des AK-Chancenindex.
  • Die Schülerbeihilfe muss deutlich erhöht und jährlich an die Inflation angepasst werden. Die aktuelle Erhöhung um lediglich zehn Prozent ist zu wenig! 
  • Individuelle Förderung statt teurer privater Nachhilfe – unter anderem durch einen Rechtsanspruch auf eine Sommerschule an jedem Schulstandort in den letzten drei Wochen der Sommerferien.
  • Individueller Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Ganztagsschule.
  • Flächendeckendes Angebot qualitätsvoller, kostenloser Ganztagsschulen in verschränkter Form. Die Finanzierung muss langfristig sichergestellt werden.
  • Es braucht ausreichend öffentlich finanzierte psychosoziale und -therapeutische Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche.

Bei den Lehrlingen fordert die Arbeiterkammer OÖ:

  • Verstärkte Angebote zur Berufs- und Bildungswegorientierung
  • Anrechnung und Anerkennung bereits gelernter Lerninhalte zwischen höheren und mittleren Schulen, Lehre und außerschulischen Ausbildungseinrichtungen
  • Verpflichtende Qualitätsüberprüfung zur Mitte der Lehrzeit, um Ausbildungsdefizite beseitigen zu können. Außerdem braucht es eine digitale Ausbildungsdokumentation.
  • Reform der betrieblichen Lehrstellenförderung, Abkehr vom Gießkannenprinzip
  • Nachhaltige Verbesserung des Prüfungssystems in der dualen Ausbildung: Zeitgemäße und zielgruppengerecht aufbereitete Prüfungsanforderungen und -inhalte.

In Sachen Ausbildungsabbruch fordert die Arbeiterkammer OÖ:

  • Verstärkte Prävention im Schulsystem
  • Langfristige bedarfsgerechte Finanzierung ausreichender Kapazitäten für „Auffangmaßnahmen“ (z.B. überbetriebliche Lehrausbildungen…) und für kostenloses Nachholen von Bildungsabschlüssen.
  • Ausbildungsgarantie für junge Erwachsene zwischen 20 und 24 Jahren. Spätestens nach vier Monaten Arbeitslosigkeit sollten alle jungen Erwachsenen ein Angebot vom AMS für eine Schulung oder einen Job bekommen. Die Kürzung der Ausbildungsbeihilfe für junge Erwachsene in überbetrieblichen Lehreinrichtungen um mehr als die Hälfte ist zurückzunehmen.

Was die Hochschulen betrifft, fordert die Arbeiterkammer OÖ:

  • Es braucht die Möglichkeit eines Teilzeitstudiums sowie einen gesetzlichen Beurlaubungsgrund „berufstätig“
  • Verbesserte Information und Beratung über berufsbegleitende Studienvarianten
  • Umfassende Reform des Stipendienwesens
  • Keine Studiengebühren für berufstätige Studierende, erhöhte Mittelzuweisung für Hochschulen mit hohem Anteil an berufstätigen Studierenden zur besseren Vereinbarkeit von Studium und Beruf
  • Gebührenfreier Zugang zu Fachhochschulen, Universitäten und Päd. Hochschulen

Bei der beruflichen Weiterbildung fordert die Arbeiterkammer OÖ:

  • Qualifizierungsgeld bzw. Ausbau und Absicherung des Fachkräftestipendiums zur Existenzsicherung bei längerfristigen Ausbildungen
  • Rechtsanspruch auf Zeit für Weiterbildung (Bildungskarenz, Bildungsteilzeit, eine Woche Bildungsfreistellung)
  • Kostenloses Nachholen von Lehrabschlüssen und Berufsreifeprüfung
  • Rechtsanspruch auf Anerkennung bereits erworbener Kompetenzen
  • Rücknahme der 40-prozentigen Kürzungen beim oö. Bildungskonto in den letzten vier Jahren, stattdessen Ausbau der Bildungsförderungen

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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