AK-Präsident Kalliauer: Land legt kaum Wert auf menschenwürdige Arbeitsbedingungen

Anlässlich des morgigen Welttages für menschenwürdige Arbeit fordert die Arbeiterkammer OÖ ein klares Bekenntnis zu einer hoch qualifizierten und professionellen Pflege – in allen Bereichen. Derzeit steht etwa in den Spitälern etwas anderes im Vordergrund: Kostendämpfung und Optimierung. „Von Seiten des Landes wird kaum Wert auf menschenwürdige Arbeitsbedingungen gelegt. Methoden bei der Personalberechnung sind veraltet oder gar nicht vorhanden. Es wird keinerlei Rücksicht auf die Anforderungen der modernen Arbeitswelt genommen“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Menschenwürde heiße aber auch, mit dem Einkommen gut leben zu können. Das sei aktuell nicht der Fall. „Applaus allein genügt nicht“, so Kalliauer. Es brauche auch dringend eine Ausbildungs- und Arbeitsmarktoffensive für die Pflege. Dazu zähle ein Einkommen, mit dem man während der Ausbildung auskommt, die Bedingungen beim Praktikum müssen ebenfalls verbessert werden. Das Personal im Pflege- und Gesundheitsbereich muss um 20 Prozent aufgestockt werden. Das heißt im Klartext: 2.500 zusätzliche Personen in den Krankenhäusern, 1.500 in den Alten- und Pflegeheimen sowie 260 in der mobilen Pflege.

Auch die Rahmenbedingungen für die Beschäftigten in der Elementarpädagogik werden dem Anspruch menschenwürdiger Arbeit nicht gerecht. Allein der Personal-Kind-Schlüssel – ein/-e Pädagoge/in für bis zu 25 Kinder pro Gruppe im Kindergarten – ist ein Beispiel dafür. 44 Prozent der Beschäftigten in OÖ fühlen sich laut einer AK-Umfrage immer oder häufig körperlich erschöpft. 34,9 Prozent der Befragten geben an, dass sie ständig oder meistens emotional erschöpft sind. „Die neue Landesregierung ist gefordert, rasch zu investieren“, sagt Präsident Kalliauer. Auch hier brauche es zusätzliches Personal, mindestens 5.000 Personen. Kalliauer: „So könnte man Arbeitsplätze in einem sinnstiftenden Bereich schaffen.“

Nicht zu vergessen ist, dass es ein Menschenrecht auf Arbeit gibt, welches in Oberösterreich durch die extrem hohe Langzeitarbeitslosigkeit immer weniger Menschen zur Verfügung steht. „Was die Langzeitarbeitslosigkeit betrifft, gibt es in unserem Bundesland massive Versäumnisse. Das Land OÖ sollte sich zum Ziel setzen, in den nächsten zwei Jahren wieder das Niveau vom Vor-Krisenjahr zu erreichen. Dafür müssten rund 4.000 Langzeitarbeitssuchende in den Arbeitsmarkt integriert werden“, so Kalliauer. Wichtig sei auch, dass das kommunale „RESTART“-Programm effizient umgesetzt wird. Dazu müssten die förderbaren Arbeitgeber auf gemeinnützige Einrichtungen ausgedehnt sowie eine Kooperation von Beschäftigungsprojekten mit Gemeinden, Städten und Sozialhilfeverbänden forciert werden. Sowohl Gemeinden als auch gemeinnützige Einrichtungen sollten eine hundertprozentige Lohnsubvention vom AMS (zwei Drittel) und Land OÖ (ein Drittel) bekommen.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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