„NEIN zu Drogen – Oberösterreichs Aktionsplan im Kampf gegen Drogen“

Oberösterreichischer Aktionsplan gegen Drogen: Vorsorge, Versorgung und konsequente Verfolgung

Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander, Landeshauptmann Thomas Stelzer und Landespolizeidirektor Andreas Pilsl. 
Foto: Land OÖ

In Oberösterreich sollen die Menschen gesund und gut leben können: Heute – und bis ins hohe Alter. Dazu gehört einerseits, dass jeder weiß, wie er sich selbst gesund und fit halten kann. Dazu gehören andererseits starke Gesundheitseinrichtungen in allen Regionen des Landes, die sich um all jene kümmern, die Hilfe brauchen, um wieder gesund zu werden.

Ein Bereich, in dem das Land künftig weitere Schwerpunkte setzen will, ist jener der Sucht- und Drogenproblematik – und hier vor allem bei dem Thema illegale Drogen. Das Land hat sich grundsätzlich in seinen Gesundheitszielen ganz klar dazu bekannt, dass der Suchtproblematik ein hoher Stellenwert eingeräumt wird.

Zu den Präventions- und Behandlungsmaßnahmen braucht es natürlich auch eine konsequente Verfolgung jener, die mit Drogen handeln. Das Land Oberösterreich sowie die Polizei setzen deshalb auch in den kommenden Jahren ihren gemeinsamen Weg im Suchtbereich fort und legen dabei folgende drei Schwerpunkte fest:

1)Repressives und konsequentes Vorgehen der Polizei gegen Drogenhandel;

2) Bereits im Kindes- und Jugendalter beginnende Suchtprävention; 3) Beratung, Fürsorge und Behandlung von Suchtkranken.

Die Strategien basieren dabei stets auf aktuellen, fundierten und regionalisierten Situationsanalysen sowie neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Angesichts dieses Anspruches werden seitens des Landes Oberösterreich

aktuell zwei Studien initiiert, die die Grundlage für weiterführende Schritte darstellen sollen:

  •   Ausweitung der spezifischen Forschungstätigkeit am Kepler Universitätsklinikum (NMC) zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf Suchterkrankungen;
  •   Befragung oberösterreichischer Jugendlicher zum altersspezifischen Suchtverhalten.„In der Sucht- und Drogenproblematik kommen neue Herausforderungen auf uns zu. Einerseits steigt die Suchtmittelkriminalität, andererseits stellt der Suchtgifthandel im öffentlichen Raum durch spezielle Gruppen eine wachsende Gefahr dar. Wir werden hier in Oberösterreich nicht lange warten, sondern sofort handeln. Und zwar mit einem Aktionsplan im Kampf gegen Drogen. Hier setzen wir auf noch stärkere Aufklärung und Prävention, besonders bei Kindern und Jugendlichen, auf Hilfe und Behandlung von Suchtkranken sowie auf konsequentes Einschreiten und volle Härte gegen Drogendealer. Diese sollen noch deutlicher zu spüren bekommen, dass wir ihre Gift-Geschäfte in Oberösterreich nicht dulden“, erklärt Landeshauptmann Thomas Stelzer.„Vorsorge ist besser als Versorgung – das gilt auch bei Problemen mit legalen oder illegalen Drogen. Der Grundstein für Suchterkrankungen wird oft schon in jungen Jahren gelegt. Umso wichtiger ist es, frühzeitig anzusetzen und zu verhindern, dass es überhaupt zu einer Erkrankung kommt. Das Land Oberösterreich beginnt deshalb bereits bei den Jüngsten, im Kindergarten, mit der Prävention – natürlich dem Alter entsprechend mit den passenden pädagogischen Konzepten. Natürlich lassen wir auch all jene nicht alleine, die bereits mit Drogen in Verbindung gekommen sind und ein Suchtproblem haben. Für diese Menschen ist es wichtig, dass sie wissen, dass sie nicht alleine sind,

dass jemand da ist, der sie unterstützt, wieder in ein normales Leben zurückzufinden – ohne Drogen“, so LH-Stellvertreterin und Gesundheitsreferentin Christine Haberlander.

„Die Zusammenarbeit mit dem Land Oberösterreich ist hervorragend. Während sich das Land auf die Prävention und den möglichen Ausstieg konzentriert, ist es Aufgabe der Polizei, Dealer rigoros zu verfolgen. Diesen Auftrag werden wir weiterhin mit allem Nachdruck verfolgen“, so Landespolizeidirektor Andreas Pilsl.

Schwerpunkt gegen Drogenhandel: Volle Härte des Gesetzes gegen Dealer

In Oberösterreich kam es 2020 im Vergleich zum Vorjahr zu einem Anstieg der Suchtmittelkriminalität um vier Prozent von 7.178 auf 7.468 Delikte. Dies ist insofern beachtlich, weil die Gesamtkriminalität im gleichen Zeitraum stark rückläufig war. Dieser signifikante Rückgang ist vor allem auf die Corona -Krise zurück zu führen. Warum es dennoch zu einem Anstieg bei Suchtgiftdelikten gekommen ist, hat mehrere Ursachen. Eine davon ist sicher, dass sich neue Bevölkerungsgruppenin der Suchtgiftszene etabliert haben und auch im öffentlichen Raum sehr offen auftreten.

In den letzten Jahren hat sich im oberösterreichischen Zentralraum somit eine Drogenszene etabliert, die die Bevölkerung auch sichtbar wahrnehmen konnte. Gemeinsam mit der Politik ist es der Polizei gelungen, Kriminalitätsbrennpunkte zu definieren und Schwerpunkte gegen Suchtgifthandel im öffentlichen Raum zu setzen.

Die Polizei wird in Oberösterreich weiter massiv präsent sein und vor allem diesen Handel im öffentlichen Raum bekämpfen. Daher war etwa auch die Schaffung einer Bereitschaftseinheit wichtig und richtig! Das schnelle, robuste und vor allem konsequente Einschreiten dieser Einheit hat die Situation in diesen Brennpunkten entscheidend verbessert. Zu nennen sind die bekannten drei öffentlichen Plätze – Hinsenkampplatz, Hessenpark und Kremplstraße.

Für die Polizei ist das Land Oberösterreich der kompetente und verlässlichste Partner in der Präventionsarbeit. Aufklären und Helfen sind entscheidende Faktoren, um die Anzahl Suchtkranker möglichst klein zu halten. Daneben wird die Polizei in Oberösterreich weiterhin konsequent gegen Dealer vorgehen, insbesondere im öffentlichen Raum.

Im Jahr 2020 wurden in Oberösterreich rund 1,9 Kilogramm Heroin, 4,3 Kilogramm Kokain, 274,9 Kilogramm Cannabis, 2.074 Stück Ecstasy sowie 8,9 Kilogramm Amphetamin und 0,7 Kilogramm Methamphetamin sichergestellt.

Schwerpunkt Prävention: Gesundes Aufwachsen in Oberösterreich

„Unser Ziel ist, dass die Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher in unserem Land gut und gesund leben können – das beginnt bereits bei den Jüngsten. Denn Oberösterreich ist das Land der Möglichkeiten – ab dem ersten Tag. Zu den besten Bildungschancen, die wir unseren Kindern bieten wollen gehört natürlich auch, dass wir sie fit machen für ein gesundes Leben. Prävention beginnt in Oberösterreich deshalb bereits in den Kinderbildungs- und – betreuungseinrichtungen“, so LH Stelzer und LH-Stellvertreterin Haberlander.

Zielgruppe Kinder und Jugendliche

Ein maßgeblicher Ansatz der Gesundheitsförderungsstrategie des Landes OÖ, in der natürlich auch Suchtprävention einen zentralen Stellenwert hat, ist der Lebenskompetenzansatz. Damit werden diejenigen Fähigkeiten, die einen angemessenen Umgang sowohl mit unseren Mitmenschen als auch mit Problemen und Stresssituationen im alltäglichen Leben ermöglichen, gefördert und damit wird auch die psychosoziale Kompetenz gestärkt.

Neben der Schule, der Arbeitswelt, der Gemeinde und der Familie wird Suchtprävention auch verstärkt im Kindergarten und Hort umgesetzt. In einem neu entwickelten Konzept „Umsetzung der Säule psychosoziale Gesundheit im Netzwerk Gesunder Kindergarten“ wird die Suchtprävention durch das Institut Suchtprävention der pro mente OÖ etabliert. Die Schlüsselstrategie sind dabei qualifizierte und kompetente Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, also Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen, die durch gezielte Ausbildung, durch Austausch untereinander und durch institutionelle Unterstützung die Thematik im Arbeitsalltag integrieren.

ready4life ist ein mit der Beteiligung des Instituts für Suchtprävention entwickeltes Coaching-Programm (Chatbot-App) zur Förderung von Stress- und Sozialkompetenzen und zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit gegenüber riskantem Substanzkonsum (Alkohol, Tabak, Cannabis) und zur Vorbeugung problematischer Internet- und Smartphonenutzung. Dieses Programm, das als Kooperationsprojekt in der Schweiz, Deutschland und Oberösterreich gestartet ist, wurde in OÖ im Berufsschulbereich in einer Pilotphase erfolgreich eingesetzt und wird jetzt weiterentwickelt und auch in anderen Bereichen umgesetzt. Die Begleitforschung dazu wird von der JKU gewährleistet.

Insgesamt stehen in Oberösterreich 80 Präventionsangebote in verschiedenen Settings zur Verfügung.

Schwerpunkt für Suchtkranke: OÖ setzt auf Beratung, Fürsorge und Behandlung

Oberstes Ziel der Sucht- und Drogenhilfe in Oberösterreich ist die Verhinderung bzw. Reduktion der gesundheitlichen und sozialen Schäden im Zusammenhang mit psychoaktiven Substanzen beziehungsweise Suchterkrankungen.

„All jenen, die Hilfe und Unterstützung brauchen, stellen wir diese Hilfe auch zur Verfügung. Dabei dürfen wir auf die Schwächsten der Gesellschaft nicht vergessen – auf unsere Kinder. Deshalb unterstützen wir Suchtkranke auch bei der Aufgabe, ihre Kinder gut zu betreuen“, so Haberlander.

 Zielgruppe Kinder von Suchtkranken

Viele suchtkranke Eltern können trotz ihres Bemühens nicht passend mit ihren Kindern umgehen. Dadurch entstehen in den ersten Lebensjahren bereits psychische Fehlentwicklungen (so genannte Bindungsstörung), die sich mit großer Wahrscheinlichkeit im späteren Leben dieser Kinder als eigene Suchterkrankung oder sonstige psychische Erkrankung manifestieren. Das passende Verhalten den Kleinkindern gegenüber bzw. ein gesundes Bindungsverhalten der Eltern kann allerdings erlernt und geübt werden. In Deutschland gibt es seit Jahren viele Einrichtungen, die mit jungen suchtkranken Eltern und deren Kleinkindern im Rahmen von kostenlosen Kursen genau dies trainieren – mit sehr gutem Erfolg. Derart bestehende Best-Practice-Beispiele und erfolgreiche Pilotprojekte werden nun erhoben und sollen in Oberösterreich implementiert werden.

 Zielgruppe Suchtkranke

Suchtkranke Menschen brauchen sowohl sozialarbeiterische Unterstützung als auch gesundheitliche Behandlung (Psychiatrie, Pflege, …), die weiter forciert werden soll. Denn es geht um Menschen, die meist sowohl drogenabhängig sind, als auch an anderen psychischen Erkrankungen (z.B. Depressionen, Traumata, Angststörungen, bipolare Störung oder Schizophrenie ) leiden. Die Betroffenen können sich oft, auch wenn sie motiviert sind, weder sozial integrieren (Obdachlosigkeit) noch eine regelmäßige Betreuung in einer Beratungsstelle in Anspruch nehmen. Die erforderliche Tagesstruktur sollte bestehen aus Arbeit (handwerkliche Tätigkeit), Beratung (bezüglich Arbeitssuche oder weiterführende Behandlung) und sonstigen Aktivitäten (z.B. gemeinsames Kochen und Essen).

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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