Wie eine widerstandsfähige und klimaverträgliche Wertschöpfung gelingen kann

Frommwald: Ein Euro Wertschöpfung in der Industrie generiert zwei Euro Wertschöpfung in Österreich. Das spricht für konsequente politische Entscheidungen zur Stärkung der Resilienz in der Produktionswirtschaft

Anpassungsfähigkeit und Innovation waren schon immer für den Erfolg und die Überlebensfähigkeit der industriellen Produktion essenziell. Beides wird auch zur Bewältigung von zwei aktuellen Herausforderungen nötig sein. „Zum einen zeigt die COVID-19-Wirtschaftskrise auf, wie verletzbar und abhängig global vernetzte Wertschöpfungsketten geworden sind. Zum anderen fordern die Zielsetzungen des EU Green Deals den Umbau der Wirtschaft und stellen konventionelle Herstellungstechniken, Lieferketten und Produkte vor völlig neue Herausforderungen, die oft unter der Wahrnehmungsschwelle der Öffentlichkeit oder der Politik liegen“, so der Industrie-Spartenobmann der WKOÖ, Erich Frommwald.

Oö. Industrie für die künftigen Herausforderungen vorbereiten
Die verantwortungsvolle Nutzung und Wiederverwendung von Ressourcen sind wesentlich, um die Wirtschaft auf eine grüne Zukunft vorzubereiten, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die Umwelt zu schützen. Dabei zeigt eine aktuelle Studie im Auftrag der Bundessparte Industrie, dass es bereits passende Werkzeuge gibt, jedoch auch noch Verbesserungsbedarf besteht, um die Industrie in Oberösterreich sowie Österreich seriös und nach den Maßstäben der Nachhaltigkeit auf die künftigen Herausforderungen vorzubereiten. „Wenn wir zum Beispiel die Eisen- und Stahlindustrie dekarbonisieren, müssen alternative Rohstoffe (als Substitut für Hüttensande) für die Zementindustrie gesucht werden. Ein bewährter Lösungsansatz ist das Recycling mineralischer Baustoffe. Für ein verstärktes Recycling braucht es aber ein taugliches Abfallrecht. Denn wir brauchen auch weiterhin vielfach den Baustoff Beton, insbesondere für den Bereich der Infrastruktur“, erklärt der Spartenobmann.

Folgenabschätzungen und prozesskettenbasierte
Lebenszyklus-Analysen für die seriöse Bewertung der Konsequenzen

Natürlich, so Frommwald, sind zur Erholung der Wirtschaft und zur Anpassung an Umwelt- und Klimaziele große politische Entscheidungen und Maßnahmen nötig. Um die Konsequenzen dieser Weichenstellungen seriös bewerten zu können, sind Folgenabschätzungen und prozesskettenbasierte Lebenszyklus-Analysen in den relevanten Wirtschaftszweigen und Industriebranchen notwendig. „Die Industrie ist dabei Teil der Lösung für zukünftige Herausforderungen und kann sich mit den passenden Rahmenbedingungen in Zukunft weiter im globalen Spitzenfeld positionieren. Auch die Studie der WKÖ zeigt, dass heimische Wertschöpfungsketten besser als erwartet auf internationale Krisen und Unwägbarkeiten vorbereitet sind. Der anstehende Strukturwandel in der Produktionswirtschaft, ausgehend von Klima- und Umweltzielen, birgt jedoch Risiken für die Resilienz vieler Industriebranchen. Diese Risiken können durch kluge politische Maßnahmen minimiert oder sogar zur Gänze abgewendet werden“, erklärt Frommwald. Konkret fordert der Industrie-Spartenobmann effiziente Genehmigungsprozesse und Rechtssicherheit, finanzielle Unterstützung neuer Technologien durch die öffentliche Hand sowie die Ermöglichung von Technologievielfalt auf Basis von seriösen Lebenszyklusbetrachtungen. Zudem müsse man neue Technologien unterstützen, um die Transformation der heimischen Industrie voranzutreiben.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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