Qualitätsschub im Rindfleischsektor – Qplus-Rind Qualitätsprogramm wird ausgebaut und Zahlungen vorgezogen

Die Rinderhaltung ist in Oberösterreich nach wie vor die wirtschaftlich bedeutendste Agrarbranche. Für den langfristigen Erfolg ist auch hier eine klare Qualitätsausrichtung entscheidend. Um hier weiter voran zu kommen, wurde das Programm Q-Plus ins Leben gerufen. Die Ausweitung des Programms und die Vorziehung der Prämienzahlung sind ein klares Signal an unsere Rinderbetriebe, die schwierige Jahre hinter sich haben.“

Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger

Corona-Pandemie beutelt Rinderbranche

Das gesamte Jahr 2020 sowie auch das erste Quartal im Jahr 2021 waren für die Rindfleischproduzenten in Österreich und Oberösterreich mehr als herausfordernd. Die Maßnahmen zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung der Corona-Pandemie mit mehreren Lockdowns und der kompletten Schließung der Gastronomie und Hotellerie haben zu schweren Marktverwerfungen und rückläufigen Einkommen geführt. Zu diesem Preisverfall kommen noch enorm gestiegene Futterkosten insbesondere bei den Eiweißfuttermitteln hinzu. Im langjährigen Vergleich zeigt sich eine deutlich negative Entwicklung bei den Deckungsbeiträgen, welche letztlich zu einer existenzbedrohenden Situation für die spezialisierten Rindermäster führt.

Bereits das Jahr 2019 wies sehr schwierige Marktverhältnisse am gesamten EU-Rindfleischmarkt auf. Dies führte zu sehr schlechten wirtschaftlichen Ergebnissen auf den Rindermastbetrieben. Besonders die intensiven Diskussionen um Handelsabkommen mit den Mercosur- Ländern sowie der Brexit verunsicherten die gesamte Branche. „In den letzten Jahren sind einige Faktoren zusammen gekommen, die den Rindermästerinnen und Rindermästern das Leben schwer machen. Geringer Absatz von Edelteilen aufgrund der notwendigen Gastronomie- Schließungen und dieses Jahr der rasante Anstieg der Betriebsmittelpreise schmälern das wirtschaftliche Ergebnis unserer Betriebe. Gleichzeitig steigt das Bewusstsein der Menschen für heimische Produkte mit hoher Qualität. Besonders im Rinderbereich können Edelteilstücke regionaler Herkunft Importprodukten immer mehr den Rang ablaufen. Genau diesen Weg möchten wir mit verstärkter Unterstützung der Qualitätsproduktion weiter vorantreiben“, so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Programm Q-Plus zur Stärkung der Rindermast und Mutterkuhhaltung

Die Landesagrarreferentenkonferenz hat am 25. November 2020 beschlossen, das Programm Qplus-Rind als freiwilliges Modul im Rahmen der AMA-Gütesiegel Produktion weiterzuentwickeln. Ziel ist die bessere Etablierung des Programms zur Qualitätsverbesserung in der Rindermast und Mutterkuhhaltung. Anstatt der bisherigen Prämie von 500 Euro je Betrieb wird künftig eine Mindestprämie für teilnehmende Betriebe von 1.000 Euro bis hin zu einer Maximalprämie von 2.400 Euro ausbezahlt. Diese neuen Fördersätze gelangen erstmalig 2022 zur Auszahlung. Teilnahmeberechtigt sind alle AMA-Gütesiegel- und Bio-Betriebe, die eine entsprechende Anzahl von Mastkälbern und Mastrindern vermarkten oder einen bestimmten Bestand von Mutterkühen aufweisen. Neben den Rindermäster/innen sind auch die Mutterkuhhalter/innen Ziel dieser Maßnahme. „Gerade in landwirtschaftlich schwer zu bewirtschaftenden Regionen mit steilen Flächen wie im Ennstal oder Mühlviertel hat die Mutterkuhhaltung eine große Bedeutung. Sie ist oft aber auch der einzige Alternative/letzte Schritt vor der Aufgabe von Flächen und anschließender Verwaldung. Die Rinderhaltung hat besonders in weniger bevorzugten Regionen eine wichtige ökologische Funktion. Mutterkuhhaltung auf der Weide ist auch aus der Tierwohl-Perspektive eine sehr wertvolle Art der Landwirtschaft. Da die notwendigen Preise am Markt nicht erwirtschaftet werden können, soll das ausgebaute Programm Qplus-Rind auch ein Zeichen der Anerkennung für diese Betriebe sein“, so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Vorziehung der Prämien für schnelle Entlastung der Betriebe

Um bereits heuer eine entsprechende Entlastung insbesondere für die am Programm Qplus-Rind teilnehmenden Rinderbetriebe zu ermöglichen, wird das Land Oberösterreich für diese Betriebe Rindermäster eine einmalige Sonderunterstützung gewähren. All jene Betriebe, die beim Qplus Rind- Programm im Jahre 2020 teilgenommen haben, werden eine einmalige Unterstützung in Höhe von 1.500 Euro als De-minimis Zahlung erhalten. Die technische Abwicklung erfolgt über die AMA, da all jene Betriebe, die beim Qplus Rind teilnehmen, entsprechende Daten zur Verfügung stellen.

1.058 Betriebe werden diese zusätzliche Einmalzahlung in Höhe von 1.500 Euro zur bisherigen De-minimis Zahlung erhalten. Das Land Oberösterreich stellt dazu 1,587 Mio. Euro aus Landesmitteln zur Verfügung. Auszahlungstermin für die QPlus-TopUp-Zahlung war der 30. August 2021“, so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Maßnahmen kommen für Rindfleischproduzent/innen zur rechten Zeit

Die letzten Jahre gestalten sich für die heimischen Rindfleischproduzenten besonders herausfordernd. Neben den schwierigen Marktverhältnissen am gesamten europäischen Rindfleischmarkt, den geänderten Rahmenbedingungen in den Ausgleichszahlungen in der letzten GAP- Periode, kam in den letzten eineinhalb Jahren auch noch die Corona- Pandemie dazu, die am Rindfleischmarkt zwischenzeitlich für massive Marktverwerfungen sorgte.

Konsequenz daraus ist, dass die ohnehin seit Jahren unter Druck stehenden Einkommen der Rinderbetriebe in den letzten beiden Jahren nochmals verstärkt rückläufig waren. Laut Grünem Bericht 2021 waren die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft bei den spezialisierten Rindermastbetrieben 2020 nochmals um 12,4 Prozent rückläufig, im Dreijahresmittel fiel die Differenz noch deutlicher aus. Aktuell kräftige Kostensteigerungen bei Betriebsmitteln (Futtermittel, usw.) verschärfen die wirtschaftliche Situation auf den Betrieben nochmals.

Eigenversorgung mit Rindfleisch stärken

Die Corona-Pandemie hat eindrücklich vor Augen geführt, wie wichtig eine autarke Landwirtschaft und unsere regionale Versorgung mit Lebensmitteln sind. Die Landwirtschaft beweist sich dabei im Vergleich zu anderen Branchen sehr krisenfest und verlässlich.

Daher ist es besonders wichtig, die Produktion auch im Inland zu halten. Nur die heimische Rinderhaltung sorgt über die Nutzung der Grünlandflächen für die Offenhaltung der Kulturlandschaft. Die unzufriedenstellende Einkommensentwicklung hat in den letzten Jahren aber zu einer Reduktion in der Produktion geführt. Auch im ersten Halbjahr 2021 lagen die Jungstier-Schlachtzahlen um rund vier Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Auf Basis der Rinderdatenbank-Stichtagsauswertung von 1.Juni 2021 sind auch für das zweite Halbjahr rückläufige Jungstier- Schlachtungen zu erwarten“, führt Geschäftsführer Johannes Minihuber aus.

Qplus Rind als begleitende Maßnahme

Daher sind Maßnahmen, die die heimischen Rinderbetriebe einkommenswirksam stärken, essentiell. Mit Qplus-Rind wurde vor sechs Jahren ein begleitendes Programm zur Qualitätssteigerung für die Rindermast und Mutterkuhhaltung geschaffen. Über Kennzahlenauswertungen im Rahmen von Leistungsberichten werden den Betrieben Informationsgrundlagen zur Optimierung und Qualitätsverbesserung am Betrieb gegeben. Durch Optimierungsschritte in der Produktion (Fütterung, Tierhaltung, usw.) wird der Anteil hochwertiger Qualitäten in der Vermarktung gesteigert und somit auch höhere Vermarktungserlöse erzielt.
Das Land Oberösterreich und das Landwirtschaftsministerium unterstützen diese Maßnahme in Form von erhöhten De-minimis Mitteln für die teilnehmenden Landwirtinnen und Landwirte, die 2022 zur Auszahlung gelangen. „Besonders erfreulich für die teilnehmenden Betriebe ist, dass das Land Oberösterreich mit Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger bereits jetzt 2021 mittels einer Sonderzahlung die Qplus Betriebe zusätzlich unterstützt. Ein herzlicher Dank dafür! Wichtig ist, dass die Unterstützung direkt bei der Landwirtin bzw. beim Landwirt ankommt“, so Johannes Minihuber.

Weitere Maßnahmen zur Stärkung der Rindfleischproduktion notwendig
Wir sind uns bewusst, dass das Qplus Programm nicht alleinig die Einkommensverluste der letzten Jahre kompensieren wird. Zum einen sind höhere Erzeugerpreise für die Bäuerinnen und Bauern notwendig. Zum anderen brauchen wir weitere agrarpolitische Maßnahmen und Rahmenbedingungen für die Rinderhalter, um den Betrieben langfristig eine wirtschaftlich nachhaltige Erzeugung der hochwertigen Lebensmittel Rindfleisch und Milch zu ermöglichen“, so Geschäftsführer der Österreichischen Rinderbörse Johannes Minihuber.

Eine wesentliche Maßnahme in diesem Zusammenhang ist die Umsetzung der Herkunftskennzeichnung in den öffentlichen Küchen und in der Gastronomie, damit der Absatz in Österreich produzierter Lebensmittel langfristig gestärkt wird.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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