Zahlreiche Missstände bei Kinderbildung und -betreuung – AK-Präsident Kalliauer ruft Landespolitik zu dringendem Handeln auf

Im Bereich der Kinderbildung und -betreuung brennt der Hut! Das zeigt eine Erhebung der AK Oberösterreich, die von den Gewerkschaften GPA und Younion unterstützt wurde und bei der mehr als jede/r vierte Beschäftigte aus dem Berufsbereich teilgenommen hat. Dem hohen Engagement der Beschäftigten stehen zahlreiche Missstände gegenüber –  etwa die fehlende Zeit für qualitätsvolle Bildungs- und Betreuungsarbeit, eine zu große Anzahl an zu betreuenden Kindern im Verhältnis zum pädagogischen Personal oder kaum erwachsenengerechtes Mobiliar in den Einrichtungen. Das ergaben die Rückmeldungen von insgesamt 1.430 befragten Beschäftigten aus dem betroffenen Berufsfeld. Doch auch Eltern stehen teilweise vor großen Problemen, speziell dann, wenn sie kurzfristig zum Start des neuen Arbeitsjahres bereits zugesagte Kinderbetreuungsplätze nicht bekommen, weil es die schwierige Personalsituation nicht möglich macht neue Gruppen zu eröffnen.

Die Studie wurde zum Sprachrohr für die Beschäftigten. Diese schlagen Alarm, dass es unter den derzeitigen Rahmenbedingungen kaum möglich ist, die Kinder entsprechend zu beaufsichtigen – von der Bildungsarbeit, wie sie die Pädagogen/-innen durchführen sollten und möchten, ganz zu schweigen. Nur jede/-r zehnte Beschäftigte im Kindergarten gibt an, dass genügend Zeit für Bildungsaufgaben zur Verfügung steht, oder dass auf die Kinder individuell eingegangen werden kann. Ebenfalls nur ein Zehntel der Befragten hat ausreichend Zeit für Kinder mit besonderem Förderbedarf oder um Kinder zu unterstützen, deren Erstsprache nicht Deutsch ist. Häufig sind die Beschäftigten alleine für die Sicherheit und den Tagesablauf von bis zu 25 Kindern zuständig. Für mehr als acht von zehn Beschäftigten ist diese Gruppengröße viel zu groß. „Die Einrichtungen sind keine Aufbewahrungsstätten für Kinder, bei denen die Politik wegschauen und sparen kann. Es handelt sich um professionelle Bildungsstätten, in denen der Grundstein der Bildung unserer Kinder gelegt werden soll“, kritisiert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer die derzeitige Situation.

Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat schon mehrmals auf die Dringlichkeit einer Reduktion der Gruppengrößen bzw. einer Verbesserung des Personal-Kind-Schlüssels hingewiesen – die Forderung, dadurch bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten, aber auch mehr Sicherheit und Bildungsqualität für die Kinder zu schaffen, wurde bis dato allerdings nicht gehört: „Wir haben die politischen Entscheidungsträger zu diesem dringenden Thema auch schon zu einer Diskussion geladen und ihnen unsere Ergebnisse vorgelegt. In der Praxis tätige Betriebsrätinnen, die zuständigen Gewerkschaften und auch die Träger der Kinderbetreuungseinrichtungen haben gemeinsam mit uns an die Politik appelliert. LH-Stv. Haberlander hat uns versetzt, die anwesenden Kollegen aus der Bildungsdirektion haben unsere Anliegen nur weggenickt“, ärgert sich Kalliauer. „Dass jetzt im neuen Kindergartenjahr, trotz mehrmaliger Warnung, wie im Beispiel der Caritas, Gruppen ohne Elementarpädagoginnen starten müssen, ist nun das erschütternde Resultat.“

Auch die Zeit für die Vor- und Nachbereitung der Bildungsarbeit und administrative Aufgaben fehlt, wie Kalliauer kritisiert: „Die gruppenarbeitsfreie Dienstzeit der Pädagoginnen und Pädagogen ist viel zu knapp bemessen, pädagogische Assistenzkräfte haben überhaupt keine. Es kann nicht sein, dass die Beschäftigten die administrativen Tätigkeiten in ihrer Freizeit erledigen müssen, um die Qualität ihrer Arbeit aufrecht erhalten zu können!“ Hier braucht es dringend eine Anpassung der gruppenarbeitsfreien Dienstzeit an die steigenden Anforderungen. Unterstützungspersonal zur Übernahme administrativer Aufgaben wäre darüber hinaus einzustellen. 73 Prozent der befragten Arbeitssuchenden einer IFES-Studie stimmen z.B. zu, dass Arbeitssuchende Jobangebote im Landes- oder Gemeindedienst, wie beispielsweise im Bereich der Kinderbetreuung erhalten sollen. „Das wäre die Möglichkeit, sinnstiftende, sichere Arbeitsplätze zu schaffen und die Beschäftigten und vor allem die Leiter/-innen in den Kinderbetreuungseinrichtungen zu entlasten.“ fügt Kalliauer hinzu. Zusätzlich bestehen seit dieser Woche Hinweise von betroffenen Mitgliedern aus dem Innviertel, dass berufstätige Eltern bereits zugesagte Kinderbetreuungsplätze nicht bekommen, da neue Gruppen aufgrund der sehr schwierigen Personalsituation nicht eröffnet werden können. Besonders problematisch darin ist die Tatsache, dass die Eltern um Kenntnisnahme ersucht werden, sie mit ihrem Betreuungsdilemma jedoch im Regen stehen lässt.

Es gibt definitiv Stellschrauben, an denen man drehen kann: „Die Ausrede, die Rahmenbedingungen nicht verbessern zu können, weil zu wenig Personal vorhanden ist, ist für mich nicht zulässig. Man muss sich da schon fragen: Warum wollen Beschäftigte nicht im Bereich bleiben? Warum gehen Beschäftigte nach ihrer Ausbildung nicht in diesen Berufszweig? Das ist ein Teufelskreis, wenn nicht die Rahmenbedingungen angepasst werden!“, resümiert der AK-Präsident und richtet seinen Apell wiederholt an die Landespolitik: „Ich appelliere daher nochmal eindringlich an die zuständigen Entscheidungsträger/-innen! Es braucht endlich eine Verbesserung der Rahmenbedingungen und langfristige Investitionen wie unter anderem eine Ausbildungsoffensive, um das Angebot und die Qualität im Bereich der institutionellen Kinderbetreuung auch zukünftig zu sichern. Nehmen wir Geld für unsere Kinder in die Hand, verbessern wir die Rahmenbedingungen für die Beschäftigten und schaffen zudem sinnstiftende Arbeitsplätze!“, ruft Kalliauer zum dringenden Handeln auf.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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